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AKADEMIE
05.04.2017

Daniel Mühlbauer: „Eine einzigartige Atmosphäre“

Gestern spielten sie noch für die TSG, heute sind sie in den USA am Ball und verknüpfen Leistungssport mit Studium. An den Universitäten in den Vereinigten Staaten lebt der Traum von der Profi-Karriere weiter, es eröffnen sich aber auch neue Möglichkeiten. Achtzehn99.de porträtiert in einer Serie vier junge Fußballer, die einst in der achtzehn99 AKADEMIE am Ball waren und nun ihr Glück an einer US-Universität suchen. Heute: Daniel Mühlbauer.

Vier Jahre schnürte Daniel Mühlbauer einst für die Akademie-Teams der TSG seine Kickstiefel, ehe er über die Zwischenstation Waldhof Mannheim im vergangenen Sommer ein Fußball-Stipendium für die Lipscomb University in Nashville/Tennessee bekam. Seitdem spielt der 19-Jährige dort als sogenannter „Freshman“ auch Fußball. Von seiner Hoffenheimer Vergangenheit spricht der Verteidiger jedoch immer noch in den höchsten Tönen.

Bereits in seiner ersten TSG-Saison 2011/12 half er unter der Leitung von Trainer Wolfgang Heller mit, die bislang einzige Oberliga-Meisterschaft einer Hoffenheimer U14 zu gewinnen. Ein Jahr später gewann er unter Frank Fröhling mit den anderen 98ern - wie etwa den heutigen Junioren-Nationalspielern Dennis Geiger und Robin Hack - auch in der U15 den Titel und wurde Süddeutscher Meister. Auch in der U16 unter der Führung von Marcel Rapp und in der U17 bei Jens Rasiejewski kam Mühlbauer zu seinen Einsätzen, ehe sich beim Übergang zur U19 die Wege trennten.

Nachdem er eine Saison bei den A-Junioren des SV Waldhof in der Oberliga gespielt hatte, zog es Mühlbauer im August 2016 in die USA, wo er an der Lipscomb University ein Fußball-Stipendium bekam und International Business studieren konnte. Mit dem College-Team der Lipscomb tritt er in der Divison 1 der National Collegiate Athletic Association (NCAA) an. Zuletzt schied der gebürtige Mühlackerer mit seinem Team unglücklich im Conference-Halbfinale aus, doch erstmals schaffte es mit Mühlbauers Team eine Lipscomb-Auswahl unter die Top-50-Colleges.

In drei Jahren möchte der 19-Jährige seinen Abschluss machen und für den Master-Studiengang nach Deutschland zurückkehren. Doch bis dahin will er auch auf dem Fußballfeld noch einige Erfolge feiern.

 

Daniel, wie kam es damals zu dem Wechsel in die USA? War es schon immer dein Traum, an einem College zu studieren?

Daniel Mühlbauer: Der Wechsel war eher spontan als ein Traum. Ich wollte mein Studium gerne damit verbinden, auf einem guten Level Fußball zu spielen, sodass ich dann auf die Option USA gestoßen bin. Die Firma Monaco Sports, die mit „Anpfiff ins Leben“ kooperiert, hat mich an Unis hier vermarket. Es gab dann Kontakt mit mehreren Colleges, wobei es dann mit der Lipscomb University am besten gepasst hat. Über E-Mail und Skype stand ich dann mit der Uni in Kontakt.

Wie genau hast du dein Fußball-Stipendium bekommen?

Mühlbauer: Dadurch, dass ich mit Monaco Sports zusammengearbeitet habe, musste ich denen sportliche und akademische Informationen zuschicken. Sportlich waren das dann beispielsweise Spielszenen von mir, aber auch Infos wie Vereine, Position, Größe, oder bisherige Erfolge. Akademisch musste ich dann noch den SAT (Studierfähigkeitstest, Anm. d. Red.) und den TOEFL-Test (Englisch-Test, Anm. d. Red.) machen sowie logischerweise mein Abitur.

Fiel dir die Umstellung denn schwer, als du dann im vergangenen Sommer tatsächlich in die USA gegangen bist?

Mühlbauer: Die Anfangszeit war nicht so leicht - weder fußballerisch noch allgemein. Es war das erste Mal, dass ich alleine gewohnt habe. Das war schon eine Umstellung. Mit der Sprache hatte ich anfangs auch noch Probleme, wobei sich das schnell wieder geregelt hat. Fußballerisch wird hier viel Wert auf Athletik gelegt, was zu Beginn auch erstmal ein Problem für mich war.

Wie muss man sich das Leben und Studieren an deinem College vorstellen?

Mühlbauer: Vormittags habe ich Uni, nachmittags geht es dann zum Training und ich habe ein bisschen Freizeit. Das meiste spielt sich also direkt hier auf dem Campus ab. Die Atmosphäre dort ist einfach einzigartig. Auf dem Campus gibt es alles – von Dorms (Studentenwohnheime, Anm. d. R.) bis zur Cafeteria. Außerdem ist meine Uni mit nur 4.500 Studenten sehr klein, sodass man seine besten Freunde einfach immer zu Hand hat und immer wieder sieht.

Und wie verhält es sich mit dem fußballerischen Niveau des College-Fußballs im Vergleich zum deutschen?

Mühlbauer: Das ist für mich schwer einzuschätzen. Es ist auf jeden Fall besser als mein letztes U19-Jahr bei Waldhof Mannheim. Amerikaner haben höchstwahrscheinlich Vorteile in der Athletik und Fitness. Das war es dann aber auch.

Welche Trainingsbedingungen hast du an deiner Uni und wie muss man sich die Rahmenbedingungen bei euren Spielen vorstellen?

Mühlbauer: Die Trainingsbedingungen sind sehr professionell. Wir haben alles, was man braucht: vom Kraftraum über den Regenerationsbereich bis hin zu sehr guten Spiel- und Trainingsplätzen. Für die Spiele wird sehr viel gereist, weil wir auch mal in Florida oder New York spielen. Bei unseren Heimspielen sind nicht so viele Fans, aber bei anderen Unis ist das auch mal anders.

Welche Gedanken hast du, wenn du an deine Zeit in der achtzehn99 AKADEMIE zurückdenkst?

Mühlbauer: Ausschließlich positive. Ich habe hier sehr gute Freundschaften geschlossen, und zu Einigen wie Johannes Bender oder Gaetano Giordano (mittlerweile Waldhof Mannheim U19, Anm. d. Red.) auch heute noch Kontakt. Persönlich und charakterlich hat mich die Zeit in der Akademie sehr weitergebracht. Ich hatte dort unvergessliche Momente.

 

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SO IST DER COLLEGE-SPORT ORGANISIERT

Die National Collegiate Athletic Association (NCAA) ist ein Freiwilligenverband, über den viele Colleges und Universitäten der USA ihre Sportprogramme organisieren. Sie umfasst über 1.280 Einrichtungen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich den Interessen und der Ausbildung der studentischen Athleten verpflichtet fühlen. Die NCAA hat ihren Sitz in Indianapolis.

Aufgrund der großen Zuschauerbeliebtheit und der entsprechenden Vermarktung durch die Medien nimmt der Universitätssport in den USA einen sehr hohen Stellenwert ein. 1973 führte die NCAA in ihren Mitgliedsanstalten ein Drei-Divisionenmodell mit jeweils einer Division I, II und III ein, wobei nur Colleges der ersten beiden Einstufungen Stipendien für Sportler verleihen können. Im Normalfall gehören größere Universitäten der Division I an, während kleinere Schulen in den Divisionen II und III antreten.

Innerhalb der NCAA sind viele Universitäten in Conferences organisiert, darunter zum Beispiel die für ihre Elite-Unis Harvard, Princeton oder Yale bekannte „Ivy League“. Zu den sportlich erfolgreichsten Conferences gehören zum Beispiel die „Atlantic Coast Conference“ (ACC), die Big Ten Conference (B1G) oder die Southeastern Conference (SEC).

Durch die Vielzahl an Stipendien- und Trainingsmöglichkeiten bieten die Hochschulen der NCAA deutlich mehr guten Sportlerinnen und Sportlern optimale Trainingsmöglichkeiten, als dies in Deutschland der Fall ist. In der Regel wird das Studium und somit die Sportkarriere in vier Jahren (à zwei Semestern) absolviert: 1. Freshman, 2. Sophomore, 3. Junior, 4. Senior. Die besten Sportler werden am Ende einer Saison in die Profi-Ligen gedraftet, das heißt, sie werden von Profi-Teams auserwählt und mit einem Vertrag ausgestattet.

Zu den sportlich erfolgreichsten Universitäten in den zuschauerstärksten Sportarten zählen die Universitäten von UCLA, Kentucky, Duke, Indiana und North Carolina (Basketball) sowie Princeton, Yale, Notre Dame und Alabama (American Football). Aktueller Titelträger im Fußball ist die Stanford University (Kalifornien).

Die Athletik-Sparten der Unis und Colleges verfügen jeweils über Nicknames, also Spitznamen, die vorwiegend aus der Tierwelt (Tigers, Lions, Bears, Wildcats, Cardinals etc.) stammen, aber auch einen historisch-kulturellen (Hoosiers, Irish, Mountaineers etc.) oder religiösen (Devils, Quakers etc.) Bezug haben können.

 

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Die College-Serie auf achtzehn99.de:

Teil 1: Hendrik Hilpert
Teil 2: Daniel Mühlbauer
Teil 3: Fabian Veit
Teil 4: Paul Ehmann

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