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SPIELFELD
06.03.2017

Pavel Kaderabek: "Bin ein glücklicherer Mensch"

Pavel Kaderabek spielt in dieser Saison konstant stark auf der rechten Außenbahn und hat großen Anteil am sportlichen Erfolg. Der Tscheche ist aber nicht nur mit der Situation auf dem Rasen zufrieden, sondern hat auch privat sein Glück mit Freundin Tereza gefunden. Die Geburt seiner Tochter Emma hat ihm zusätzlich Kraft verliehen. In SPIELFELD spricht er über seine Familie und die TSG.

Pavel, seit fünf Monaten bist du Vater einer Tochter. Was ist die größte Veränderung?

Pavel Kaderabek: Ich stehe jetzt jede Nacht siebenmal auf (lacht).

Und morgens bist du dann entsprechend müde, weil die kleine Emma so unruhig ist …

Kaderabek: Nein, ich schlafe eigentlich ganz gut. Siebenmal wach werden ist schon hart, aber das geht ja auch vorbei. Meine Freundin Tereza und ich gehen dafür immer pünktlich ins Bett. Jeden Abend um 21 Uhr mache ich das Licht aus, und so gegen sieben Uhr stehen wir auf. Das sind ja immerhin zehn Stunden.

Aber das Leben hat sich schon verändert …

Kaderabek: Ich fahre zumindest nach dem Training immer schnell nach Hause. Also: Nicht zu schnell, versteht sich. Ich will möglichst oft bei ihr und bei Tereza sein. Wir genießen jede Minute als Familie.

Und was macht die Familie Kaderabek besonders gern?

Kaderabek: Wir sind ständig draußen, gehen eigentlich jeden Tag vor oder nach dem Training spazieren. Mit der Kleinen und unserem Golden Retriever Dobby. Zwei Stunden spazieren. Herrlich. Wir lieben das sehr.

Und die Kleine genießt es auch?

Kaderabek: Zumindest, wenn wir schieben. Dann ist sie total still und glücklich, aber wehe, wir müssen mal kurz anhalten – dann schreit sie sofort (lacht). Das ist im Auto genauso. Emma ist eine perfekte Beifahrerin; aber fahren wir an eine rote Ampel oder in einen Stau, dann geht es sofort los: Bääh (imitiert lachend ein schreiendes Kind). Aber es ist gerade einfach eine wunderschöne Zeit, auch noch viel besser als die ersten Wochen nach ihrer Geburt. Sie lacht schon, schaut mich an oder reagiert auf den Hund. Das macht einfach wahnsinnig viel Spaß.

Und du bist der perfekte Vater, übernimmst alle Aufgaben, ein moderner Mann.

Kaderabek: Ich mache alles. Vor allem das, was Tereza mir sagt (lacht). Also bin ich wohl ein ganz guter Vater.

Als Familienvater zieht man dann auch mal um, wird sesshaft.

Kaderabek: Ja, wir sind schon bewusst raus aus Heidelberg. Wir haben jetzt ein kleines Haus in Sinsheim gemietet, mit Garten, in der Nähe zum Wald. Dobby braucht ja auch seinen Auslauf. Früher mussten wir schon wegen des Hundes fünfmal am Tag raus. Jetzt reicht auch zweimal. Aber im Waldstück zur Burg Steinsberg kennen wir inzwischen jede Ecke. Und für mich ist es auch praktisch: Ich bin nach dem Training in zehn Minuten zu Hause, von Heidelberg war es schon immer eine gute halbe Stunde.

Und die Ausgehmöglichkeiten in Heidelberg vermisst du nicht?

Kaderabek: Wir haben doch jetzt ohnehin keine Zeit für Kino, oder um abends nett in ein Café oder eine Bar zu gehen. Das kommt ja alles mal wieder. Aber gerade will ich nur zu Hause sein.

Ein neues Leben für Pavel Kaderabek.

Kaderabek: Ja, es ist anders, seit die Kleine da ist. Ich muss vielleicht früher schlafen gehen, aber es ist definitiv die beste Zeit in meinem Leben. Ich fühle mich einfach glücklicher. Früher war ich eher etwas nervös, aber heute spüre ich keinen Stress mehr. Meine Tochter ist gesund, das ist das Wichtigste für mich. Wenn wir heute ein Spiel verlieren, dann ärgert es mich genauso und ich bin in dem Moment auch genervt. Aber wenn ich nach Hause komme, spüre ich große Ruhe. Das Wichtigste auf der Welt ist die Familie, das hat absolute Priorität.

Bist du dadurch vielleicht sogar auch ein besserer Fußballer geworden?

Kaderabek: Ja, das ist so. Ich glaube, ich habe mich schon auch auf dem Platz entwickelt. Auch da spüre ich ja keinen Stress mehr, habe mehr Ruhe, auch im Umgang mit dem Ball. Die Geburt von Emma war ganz sicher wichtig für meine Persönlichkeitsentwicklung.

Dein Trainer sieht das ähnlich. Julian Nagelsmann hat gesagt, du könntest ruhig gleich mit dem zweiten Kind nachlegen.

Kaderabek: Wenn Julian das sagt, dann mache ich das wohl besser (lacht). Natürlich beflügelt mich die Situation auch. Wir wollen ja auch gern ein Geschwisterchen für Emma. Aber etwas Zeit sollte uns der Trainer schon noch geben: ein, zwei Jahre vielleicht (lacht).

Du bist ja auch bei der TSG so richtig durchgestartet. Dabei war das erste Jahr sicher nicht einfach.

Kaderabek: Puh, das war sogar verdammt schwierig. Wegen der sportlichen Situation, auch wegen der Trainerwechsel – aber vor allem, weil es als Ausländer nie ganz einfach ist: Eine neue Umgebung, eine neue Liga, neue Kollegen und eine neue Sprache. Da braucht man einfach Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Wann hast du selbst gemerkt, dass du richtig in Hoffenheim angekommen bist?

Kaderabek: Natürlich war die Geburt der Tochter auch wichtig. Aber sportlich war sicher das Entscheidende, dass Julian gekommen ist. Er setzt auf mich, schenkt mir dieses Vertrauen, das ich brauche. Er glaubt an mich, auch wenn ich mal ein nicht so gutes Spiel gemacht habe. Julian war ganz bestimmt der wichtigste Punkt für meine sportliche Entwicklung.

Und sein bevorzugtes Spielsystem kommt dir zugute?

Kaderabek: Mit der Dreierkette, also im 3-5-2-System, habe ich auf der Außenbahn die ganze Linie für mich. Das ist perfekt für mich. Und ich muss auch nicht so viel verteidigen, weil ich noch drei Abwehrspieler im Rücken habe. Das ist noch besser.

Aber es gibt schon noch Steigerungspotenzial?

Kaderabek: Ja, absolut. Ich habe in fast jedem Spiel viel Raum, kann mich auch oft ganz gut durchsetzen, aber am Ende sind es nur drei bis vier gefährliche Aktionen. Das ist noch zu wenig. Der finale Ball ist noch nicht gut genug. Aber keine Sorge: Ich trainiere das. Nach der Einheit hole ich mir ja schon mal einen der Jungs und sage: Hey, komm doch mal bitte her: Ich flanke, du schießt.

Und wann gibt es auch mal den Torschützen Pavel Kaderabek?

Kaderabek: Also, ich würde mich nicht wehren (lacht). Mein letztes Tor habe ich in der Nationalmannschaft gemacht, in der EM-Qualifikation beim Spiel in den Niederlanden. Das war im Oktober 2015. Das ist schon Wahnsinn. Hier klappt es bisher immer nur im Training.

Wie siehst du denn grundsätzlich die Entwicklung der Mannschaft?

Kaderabek: Das Verrückte ist doch: Die Bundesliga ist unglaublich. Guck Dir Frankfurt an oder eben auch uns. Ein Jahr unten, jetzt plötzlich oben mit dabei. Das Niveau, aber auch die Dichte sind der Wahnsinn. Dazu kommt dann ein Aufsteiger wie Leipzig, bei dem du sagst: 'Wow, die sind verdammt stark.' Die spielen mit elf Mann Pressing, über den gesamten Platz, das ist schon Wahnsinn. Aber das Wichtigste für uns ist: Wir haben jetzt nicht nur mehr Punkte, vor allem sieht unser Spiel viel besser aus als im vergangenen Jahr. Daraus können wir Selbstvertrauen ziehen.

Was ist denn noch möglich in dieser Saison?

Kaderabek: Ach, es ist zu früh, jetzt über einzelne Platzierungen zu reden, auch wenn wir die Tabelle natürlich im Kopf haben. Wir müssen immer das größte Ziel anstreben.

Du persönlich hast ja sogar schon Erfahrung mit dem Europacup.

Kaderabek: Stimmt, mein allererstes Pflichtspiel war sogar ein Spiel der Champions-League-Qualifikation. Mit Sparta Prag gegen MSK Zilina, ich wurde für eine halbe Stunde eingewechselt. Ich war gerade 18 Jahre alt geworden und natürlich wahnsinnig stolz. Später habe ich mit Sparta ja dann auch öfter in der Europa League gespielt. Natürlich ist die Champions League, ist der Europacup ein großer Traum; und wir haben natürlich auch die Chance, dahin zu kommen. Aber nicht durch reden, sondern durch harte Arbeit.

So ein sportliches Ziel eint wohl die ganze Mannschaft. Von außen wirkt euer Team zumindest sehr harmonisch.

Kaderabek: Das wirkt nicht nur so. Wir haben keine Grüppchenbildung, das ist das wichtigste. Wir sind immer als Mannschaft zusammen; da sind keine Cliquen, mal hier zwei oder da drei.

Man konnte den Zusammenhalt sogar auf der Tribüne spüren, als beim Spiel gegen Mainz alle bei den Toren von Marco Terrazzino und Adam Szalai mitgejubelt haben.

Kaderabek: Wir waren auch tatsächlich alle glücklich wegen Marco und Adam, die zuletzt weniger Spielzeit hatten. Hier freut sich wirklich jeder, wenn ein anderer ein Tor erzielt. Glaubt mir: Das ist nicht überall so. In anderen Klubs sitzen die Ersatzspieler auf der Bank und gucken genau, ob das jetzt ein Konkurrent ist, der das Tor macht. Das ist hier schon anders. Und es ist ganz sicher auch ein Grund, warum wir gerade so weit oben stehen.

Ist das auch das Verdienst des Trainerteams um Julian Nagelsmann?

Kaderabek: Es sind auch die kleinen Dinge, die so eine Atmosphäre schaffen. Wir schlafen zum Beispiel die Nacht vor dem Spiel nicht mehr im Hotel; nach den Partien ist oft der Sonntag der freie Tag. Da sind auch so kleinen Schrauben, die viel bewirken.

So bleibt auch mehr Zeit für die Familie.

Kaderabek: Absolut. Vor allem, weil bei uns wegen der Kleinen auch jedes Wochenende was los ist. Zuletzt war mein Vater da, jetzt kamen Terezas Eltern vorbei. Alle wollen die Kleine sehen.

Und den Fußballer Pavel in der Arena…

Kaderabek: Ja, sogar mein Opa war mal hier.

Von dem Du das Fußballer-Gen hast…

Kaderabek: Offenbar. Er hat auch bei Sparta Prag gespielt, war Außenstürmer, Linksfuß – und hat es bis in die tschechische Nationalmannschaft geschafft.

Und wie fand der Opa Deine Leistung?

Kaderabek: Ich habe nicht gespielt (lacht). Er ist fünf Stunden hergefahren – und fünf Stunden zurück. Und er konnte mich nicht sehen. Das war schon Pech.

Spätestens im Sommer gibt es ein Wiedersehen.

Kaderabek: Stimmt. Bei unserer Hochzeit. Nur den genauen Termin haben wir noch nicht. Aber Tereza und ich freuen uns sehr – natürlich besonders auch auf die ganze Familie. Es sind allein 50 Verwandte, die da kommen werden. Ihr seht: Die Familie ist das Wichtigste.

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