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U23
15.11.2016

SV Waldhof Mannheim – mehr als nur ein Derby

Wenn der SV Waldhof in die Silbergasse kommt, ist das Dietmar-Hopp-Stadion immer sehr gut gefüllt. Das Derby mit dem Mannheimer Traditionsklub ist Jahr für Jahr ein Höhepunkt für die U23 – und seit der vergangenen Saison ein echtes Spitzenspiel der Regionalliga Südwest. So auch am Samstag: Beide Teams liegen aussichtsreich im Rennen um die Plätze eins und zwei, die zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga berechtigen. Achtzehn99.de stellt die Blau-Schwarzen vor.

Ende Mai 2016 – am selben Tag, als die Hoffenheimer U19 in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena das Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft bestritt – war der SV Waldhof nur noch 90 Minuten vom Aufstieg in die 3. Liga entfernt. Knapp 23.000 Zuschauer wollten im Mannheimer Carl-Benz-Stadion live dabei sein, wenn der SVW im Aufstiegsduell gegen die Sportfreunde Lotte das 0:0 aus dem Hinspiel veredeln würde. Doch der Meister der Regionalliga Südwest erwischte einen schwarzen Tag, unterlag dem West-Champion mit 0:2 und verpasste die Rückkehr in eine Liga, deren Spielzusammenfassungen im nationalen Fernsehen gezeigt werden.

Die Party war schon nach 26 Minuten zu Ende, die Schockstarre dauerte noch einige Wochen. Trainer Kenan Kocak hatte lange an dieser Niederlage zu knabbern, schaffte aber persönlich doch noch den Aufstieg – und das sogar in die Zweite Liga. Der frischgebackene Fußballlehrer steht seit Sommer beim SV Sandhausen an der Seitenlinie.

Nicht-Aufstieg löst Kettenreaktion aus

Beim SV Waldhof hingegen löste der verpasste Aufstieg eine Kettenreaktion aus. Nach Kocak verließ auch Leistungsträger Hanno Balitsch den Verein. Der Ex-Nationalspieler war in der Waldhof-Jugend groß geworden und 2001 der letzte große Spieler, der den Sprung aus dem SVW-Nachwuchs in die eigene Herrenmannschaft vollzog. Die Blau-Schwarzen verloren aufgrund von Meinungsverschiedenheiten hinter den Kulissen eine absolute Identifikationsfigur.

Zudem gab es weiteren Ärger zwischen dem Präsidium und einer Investorengruppe bezüglich der personellen Ausrichtung im Hinblick auf die lange beschlossene Ausgliederung einer Spielbetriebs GmbH. Ein Machtkampf ohne Gewinner. Die Investorengruppe zog sich zurück, woraufhin der designierte Geschäftsführer seinen Hut nahm. Präsident Steffen Künster hatte aufgrund der fortwährenden Streitigkeiten bereits im April sein Amt niedergelegt. Mit dem Geschäftsmann Bernd Beetz haben die Mannheimer nun einen neuen, alleinigen Hauptinvestor gefunden.

Mit Gerd Dais wieder auf Kurs

Zwischen all diesen Wirren hat ein alter Bekannter das sportliche Ruder übernommen: Gerd Dais, 53, Meistertrainer in Sandhausen und Nöttingen. Auch Dais ist mit seinen 62 Bundesliga-Einsätzen für den SVW so etwas wie eine Identifikationsfigur: Er gehörte zu jener Waldhof-Elf, die sich 1989/90 auf dramatische Weise für immer aus der Bundesliga verabschiedete. In der Hinrunde gewannen die Blau-Schwarzen unter anderem bei ihrem Erzrivalen 1.FC Kaiserslautern 3:2, Dais traf mit einem denkwürdigen 30-Meter-Schuss zum zwischenzeitlichen 2:1. Die Waldhöfer stürmten in die UEFA-Pokal-Ränge und bezwangen den FCK auch in der Rückserie mit 4:0. In jener Partie musste Dais nach 36 Minuten beim Stand von 4:0 verletzt raus – es war der letzte Saisoneinsatz des Blondschopfs und der bis heute letzte Bundesliga-Sieg des SVW.

Nach Stationen in Sandhausen (3x), Dielheim, Nöttingen (3x), Lauda und den Stuttgarter Kickers ist Dais nun also in Mannheim angekommen und hat es geschafft, den Frust der Sommerwochen schnell abzuschütteln. Selbst Optimisten hatten nicht damit gerechnet, dass die Blau-Schwarzen auch in dieser Saison wieder oben mitmischen würden. Der Saisonstart verlief furios: Im Auftaktmatch bei den Stuttgarter Kickers führte die Dais-Elf nach nur zehn Minuten mit 3:0, am Ende hieß es 3:2. Im ersten Heimspiel gab es gegen die U23 der TSG Hoffenheim ein 1:1, wenige Tage später wurde die SV Elversberg mit 2:0 bezwungen. Es ist die bislang einzige Saisonpleite des Herbstmeisters aus dem Saarland.

Nach einem zwischenzeitlichen Tief mit fünf sieglosen Spielen in Folge haben sich die Waldhöfer nun wieder berappelt und mit vier Dreiern hintereinander im Aufstiegsrennen zurückgemeldet. Am vergangenen Wochenende fiel jedoch der Rückrundenauftakt gegen die Stuttgarter Kickers buchstäblich ins Wasser, was die Mannheimer auf Platz fünf abrutschen ließ und in Terminnot bringt.

Sturmduo überzeugt

Mit Marcel Seegert steht mittlerweile nur noch ein Hoffenheimer im Kader der Blau-Schwarzen. Der 22-jährige Verteidiger hat bereits fünf Saisontreffer markiert und ist damit teaminterner Torschützenkönig. Von den Neuzugängen haben bislang Benedikt Koep (Eintracht Trier) und Nicolas Hebisch (1.FC Magdeburg), die gemeinsam das Sturmduo bilden, den besten Eindruck hinterlassen. Hinten hält wie schon in der Vorsaison der Champions-League-erfahrene Michael Fink den Laden zusammen. Hebisch kommt nach langer Verletzung, die ihn nach dem fünften Spieltag mehrere Wochen außer Gefecht setzte, langsam wieder in Tritt.

Auch wenn die Mannschaft nicht so souverän vorneweg marschiert wie im Vorjahr und in der Breite nicht so stark besetzt zu sein scheint, so zählt sie momentan zu jenem Spitzenquintett, das sich Hoffnungen auf die ersten beiden Plätze, die jeweils zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen berechtigen, machen darf. Dazu gehören auch die Hoffenheimer, die allerdings die jüngsten beiden Heimspiele gegen den SVW verloren haben. Allerdings: Wer am Samstag verliert, verpasst vorerst mal den Anschluss. Spannende Voraussetzungen also für ein packendes Duell, das mehr als nur ein Derby ist.

TSG 1899 Hoffenheim II - SV Waldhof Mannheim
Samstag, 14 Uhr, Dietmar-Hopp-Stadion

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