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U23
02.11.2016

„Mr. Hoffenheim“ hat die Seiten gewechselt

14 Jahre, von 2002 bis 2016, hat Kai Herdling mit zwei kurzen Unterbrechungen für die TSG die Stiefel geschnürt. Mit 19 erzielte er das Siegtor bei der DFB-Pokal-Sensation gegen Bayer Leverkusen im Dezember 2003. Dem Torjäger wurde eine Bundesliga-Zukunft prophezeit, doch die erlebte er erst im Herbst seiner Karriere. „Mr. Hoffenheim“ hat in der achtzehn99 AKADEMIE und in der U23 Rekordmarken für die meisten Einsätze (205) und die meisten Tore (103) gesetzt, die so schnell nicht zu knacken sind. Im Sommer hat der langjährige Kapitän der U23 seine aktive Laufbahn beendet. Kai Herdling bleibt aber der TSG und der Akademie als U23-Co-Trainer erhalten. Im Interview blickt er auf eine Zeit zurück, die er nicht eintauschen möchte, und spricht über seine neue Aufgabe.

Herr Herdling, obwohl Sie mit 32 noch im besten Fußballer-Alter sind und zuletzt den Durchbruch in der Bundesliga geschafft hatten, mussten Sie nun verletzungsbedingt die Schuhe an den Nagel hangen. Wieviel Wehmut steckt in dieser Entscheidung?

Kai Herdling: Keine. Ich hatte ausreichend Zeit, mich auf den Tag X vorzubereiten. Mein Knie ist seit einer Trainingsverletzung im Februar 2015 kaputt, das kann ich nun mal nicht ändern. Aber ich werde als Co-Trainer weiterhin auf dem Platz stehen, das ist doch herrlich.

Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie nicht alles aus Ihrem Talent herausgeholt haben.

Herdling: Ich möchte meine Karriere gegen nichts tauschen. Mit 29 als gebürtiger Heidelberger vor meiner Haustür noch ein paar Jahre Bundesliga gespielt haben zu dürfen, empfinde ich als Privileg. Die Erfahrungen, die ich in Hoffenheim gesammelt habe, haben mich als Person geprägt und ich blicke zufrieden zurück.

Welche sind Ihre schönsten Erinnerungen?

Herdling: Natürlich der DFB-Pokal-Sieg gegen Bayer Leverkusen, als ich den 3:2-Siegtreffer erzielt habe. Ich muss heute schmunzeln, wenn ich sehe, mit welcher Frisur ich damals rumgelaufen bin. Die Aufstiege in die Zweite und in die Erste Bundesliga sind natürlich auch unvergesslich.

Sie haben an der Seite vieler großer Fußballer gespielt. Wer war denn der Beste?

Herdling: Demba Ba. Mit ihm habe ich heute noch Kontakt. Und natürlich die Brasilianer: Roberto Firmino, Luiz Gustavo oder Carlos Eduardo, das waren unfassbare Spieler.

Gibt es den einen Moment in Ihrer Karriere?

Herdling: Mein erstes Bundesliga-Tor beim 4:1 in Hannover. Ich war ja nie als Kopfballungeheuer gefürchtet. Als Andi Beck von rechts flankt und ich den Ball aus zwölf Metern gut mit der Stirn treffe, war mein erster Gedanke: "Diese Szene schafft es in die Sportschau-Zusammenfassung!" Eine Sekunde später liegt der Ball im Netz. Wahnsinn.

Kommen wir auf Ihre neue Aufgabe zu sprechen…

Herdling: Ich bin neben Andreas Ibertsberger Co-Trainer der U23-Mannschaft und freue mich sehr auf diese Aufgabe. Marco Wildersinn bindet uns voll mit ein, und die ersten Wochen haben mir gezeigt, dass mir diese Aufgabe viel Spaß machen wird.

Haben Sie sich Ziele gesteckt?

Herdling: Ich habe gerade den Elite-Junioren-Schein erworben und will demnächst den A-Schein machen. Ich mochte den jungen Spielern meine Erfahrungen weitergeben. Aber es kommt nicht nur aufs Fußballerische an.

Sondern?

Herdling: Kicken können die Jungs alle. Wir müssen sie dazu bringen, auf dem Platz eine Sprache zu sprechen und für den Trainer durch dick und dünn zu gehen. Sie haben es angesprochen: Talentiert sind die meisten Jungs in der Akademie. Was fehlt letztlich, um Profi zu werden? Die Jungs müssen früh erkennen, dass sie hart arbeiten müssen. Dabei dürfen sie aber auch den Spaß nicht verlieren. Sie müssen fest an sich glauben, geduldig sein – und beißen können.

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