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U23
28.06.2016

Marco Engelhardt: So wie einst Labbadia

Der Neuzugang der U23 ist mit Abstand der älteste Spieler im Regionalligateam der TSG. Seine Rolle innerhalb der Mannschaft hat sich der langjährige Bundesligaprofi und DFB-Pokalsieger von 2007 ganz bewusst ausgesucht. Dabei folgt er einem prominenten Vorbild aus seiner Zeit als Jungprofi.

Marco Engelhardt hat in seiner nun immerhin schon 17 Jahre währenden Karriere als Profifußballer so einiges gesehen und erlebt. Doch seine aktuelle Arbeitsumgebung, das Trainingsgelände der U23, ist auch für den 35 Jahre alten Ex-Nationalspieler Neuland. „Die Rahmenbedingungen hier bei der TSG sind wirklich top. Das gab es in der Form auch nicht bei meinen Bundesligastationen.“ Der prominente Neuzugang der Hoffenheimer Regionalligamannschaft gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von dem strukturierten Training, den perfekten Bedingungen auf und neben dem Platz oder den auf hohem Niveau ausgebildeten Talenten in seinem neuen Team spricht.

Dass Engelhardt der einzige im U23-Kader ist, der nicht mehr als ein Talent eingestuft wird, dürfte schon beim Blick auf die Altersstruktur jedem klar sein. Zwischen ihm und dem zweitältesten Spieler Bahadır Özkan liegen stolze 14 Jahre. Für Engelhardt jedoch kein Problem: „Vielleicht gibt es ein paar Themen, bei denen ich in der Kabine nicht so mitreden kann, und mit Facebook oder Instagram habe ich auch nichts zu tun. Aber prinzipiell spielt das Alter keine Rolle.“

Zurück in die „Heimat“

Die Verantwortlichen der U23 haben schließlich genau so einen wie Engelhardt gesucht. Einen erfahrenen Spieler, der sich bereits auf allerhöchstem Niveau bewiesen hat und von dem die jungen Talente profitieren können. Und auch Engelhardt hatte sich bereits frühzeitig die Rolle des erfahrenen Spielers in einer hungrigen und talentierten U23 als letzte Karrierestation auserkoren. „Ich wollte noch mal etwas Gewinnbringendes für mich machen. Etwas, das mir perspektivisch etwas bringt und das gleichzeitig eine neue Herausforderung für mich darstellt.“

Drei Angebote von den Reservemannschaften renommierter Profimannschaften lagen ihm vor, er entschied sich für die TSG und wechselte nach fünf Jahren in der Dritten Liga in die Regionalliga und in den Kraichgau. Neben der sportlichen Herausforderung und den von dem gebürtigen Thüringer so geschätzten Bedingungen bei der TSG spielte auch der Umzug nach Baden eine Rolle bei seiner Entscheidung. „Meine Frau kommt aus Karlsruhe, ich habe insgesamt sechseinhalb Jahre beim KSC gespielt und mich hier in der Region so wohl gefühlt, dass sie für mich zur Heimat geworden ist. Da war eigentlich klar, dass wir irgendwann wieder hierher zurückkehren werden.“

Auf einer Wellenlänge mit Wildersinn

Dass dem Mittelfeldspieler vonseiten der TSG auch noch Perspektiven in Richtung Trainerausbildung aufgezeigt, Hospitationen in anderen Bereichen zugesagt wurden und Engelhardt zudem von Anfang an mit dem Trainerteam um den nur zwei Monate älteren Wildersinn auf einer Wellenlänge lag, machte ihm die Entscheidung letztlich noch leichter.

Nach der ersten Trainingswoche in der Vorbereitung auf die neue Saison fühlt sich der 35-Jährige bereits bestätigt – auch, was das Niveau innerhalb der Mannschaft angeht. „Athletisch und fußballerisch bringen die Jungs schon einiges mit. Für mich ist es eine Auszeichnung, mit solch talentierten Spielern zusammenzuspielen.“ Für die Talente, die größtenteils direkt aus der U19 kommen, möchte er ein Vorbild sein, so wie es für ihn als junger Spieler beim KSC etwa Bruno Labbadia war, der auch mit 37 Jahren bei seiner letzten Profistation noch in jedem Training Vollgas gab. „Bruno hat es uns Jungen damals extrem vorgelebt. Wenn solch ein erfolgreicher Spieler immer noch so motiviert ist, pusht dich das natürlich enorm.“

Labbadias Rolle will Engelhardt nun selber einnehmen. Das Feuer spürt er in jedem Fall noch in sich. „Ich ärgere mich immer noch genügend, wenn etwas nicht klappt“, sagt er schmunzelnd. Seinen jungen Teamkameraden kann er aus einem Fundus von 17 Profijahren bei Rot-Weiß Erfurt, dem Karlsruher SC, dem 1.FC Kaiserslautern, dem 1.FC Nürnberg und zuletzt dem Halleschen FC berichten. Engelhardt bringt die Erfahrung aus 106 Bundesliga-, 131 Zweitliga- und 152 Drittligaspielen mit in den Kraichgau. In den Jahren 2004 und 2005 lief er zudem bei einer Asienreise in den Spielen gegen Japan (3:0) und Thailand (5:1) sowie beim Confederations Cup in Deutschland im Gruppenspiel gegen Argentinien (2:2) drei Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf.

Nach 14 Bundesligaspielen zur Nationalmannschaft

Zu erzählen hat Engelhardt, dem als junger Spieler weniger sein Talent, sondern mehr sein Ehrgeiz und sein klarer Kopf den Weg zur Profikarriere ebneten, den Nachwuchskräften der TSG also einiges: Von seinem Durchbruch als Profi beim KSC, zu dem er gemeinsam mit seinem Schulfreund und heutigen Bundesliga-Profi bei Werder Bremen, Clemens Fritz, gewechselt war. Vom Bundesliga-Aufstieg mit dem 1.FC Kaiserslautern, bei dem er schon im zweiten Jahr Kapitän und Nationalspieler wurde. Vom Wechsel zum 1.FC Nürnberg, nachdem er sich in seinem letzten Spiel für den FCK einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, der ihn erst in der Rückrunde zu seinem neuen Team stoßen ließ und wo er sich dennoch schnell einen Stammplatz erkämpfen konnte und mit jeweils einem Treffer im Halbfinale und im Finale erheblich zum Gewinn des DFB-Pokals beitrug. Und natürlich von seinen Erfahrungen in der Nationalmannschaft.

Nach nur 14 Bundesligaspielen berief ihn Bundestrainer Jürgen Klinsmann Ende 2004 für die Asienreise. „Ich war ja gerade erst frisch in der Bundesliga angekommen, und dann saß ich plötzlich mit Ballack und Kahn in einer Kabine. Diese erfahrenen Spieler allein zu beobachten, war für mich als junger Spieler sehr wertvoll.“ Nachdem er ein halbes Jahr später auch beim Confederations Cup in Klinsmanns Aufgebot stand, machte sich Engelhardt leise Hoffnungen, ein Jahr später bei der Heim-WM dabei zu sein. Doch eine Verletzung und die starke Konkurrenz im defensiven Mittelfeld mit Michael Ballack, Torsten Frings oder Thomas Hitzlsperger ließen den Traum platzen.

Wichtiger Ratgeber

Schneller Aufstieg, schwere Verletzung, Pokalsieg, Nationalmannschaft, Dritte Liga – Marco Engelhardt hat fast alles erlebt, was eine Profi-Karriere so mit sich bringen kann. Für die jungen Spieler, die genau dorthin wollen, wo Engelhardt schon war, kann sich der 35-Jährige zu einem wichtigen Ratgeber entwickeln – auch wenn ihn nur die wenigsten noch als Bundesligaspieler kennen. „Ein paar Jungs wie beispielweise Johannes Kölmel haben mich immerhin mal beim KSC spielen sehen, weil sie selber dort in der Jugend waren.“

Kölmel war damals in der U12 und spielt nun mit einem zusammen, dem er vor acht Jahren noch zugejubelt hat. Einem Spieler, der auch noch mit 35 Jahren Training für Training vorangehen will. So wie einst Labbadia.

 

Hier geht es zu früheren Personalgeschichten aktueller U23-Spieler bzw. -Funktionäre:

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