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CAMPUS
25.05.2016

Patrick Kapp: Der Lohn für die Schuftterei

U19-Kapitän Patrick Kapp hat einen schweren Weg hinter sich. Fast die ganze Saison verpasste er wegen eines Kreuzbandrisses, den er sich in der Sommervorbereitung 2015 zugezogen hatte. Doch am Sonntag, im Finale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft, darf er seine Mannschaft wieder aufs Spielfeld führen.

So wie es jetzt mit Kapps Comeback gelaufen ist, war es eigentlich gar nicht vorgesehen. „Final4theCaptain“ hieß das Motto der U19 über die ganze Saison hinweg. Nach dem Kreuzbandriss ihres Kapitäns Mitte August hatten sich Trainerteam und Mitspieler zum Ziel gesetzt, für ihren „Kappo“, wie Patrick Kapp von allen in der Akademie genannt wird, ins Finale einzuziehen, um ihm noch einmal die Chance auf die Deutsche Meisterschaft zu ermöglichen. Der Dramaturgie wegen hätte sich Kapp also eigentlich bis zum kommenden Sonntag mit seinem Comeback gedulden müssen, doch bereits Anfang April lief er wieder im TSG-Trikot auf.

Dass es dann aber doch sinnvoll ist, schon ein paar Spiele absolviert zu haben, bevor man zum Saisonhöhepunkt schreitet, bestätigt der U19-Kapitän. „Am Anfang ist man vielleicht doch noch ein bisschen ängstlich und zieht eher mal zurück“, sagt Kapp. Kein Wunder, wenn man knapp acht Monate kein Spiel mehr absolviert und gerade erst die harte Zeit in der Reha hinter sich hat.

Mit den Profis im Trainingslager

Als es passierte, und am 6. August Kapps Kreuzband im rechten Knie riss, befand sich der Innenverteidiger in Topform. Zwar hatte er mit der TSG drei Monate zuvor das Finale um die Deutsche Meisterschaft in Bochum-Wattenscheid gegen Schalke 04 verloren, was ihm immer noch wehtat und sofort den Wunsch hatte entstehen lassen, noch einmal ins Finale einzuziehen. Aber seine Leistungen litten nicht unter der Niederlage von Wattenscheid.

Im Gegenteil: In der Sommervorbereitung wollte ihn Profi-Trainer Markus Gisdol im Trainingslager der Bundesliga-Mannschaft in Norwegen dabeihaben. „Der Trainer war dort sehr zufrieden mit mir“, erzählt Kapp. Doch kaum ist der heute 18-Jährige – beflügelt von den Eindrücken aus Norwegen – wieder zurück im U19-Training, passiert es. Bei einem Zweikampf bleibt er im Rasen hängen und verdreht sich dadurch das Knie. „Zuerst habe ich gar nicht gemerkt, dass etwas passiert ist und wollte weiterspielen“, berichtetet der 2011 von der TSG Balingen nach Hoffenheim gekommene Verteidiger.

Rehatrainer helfen über harte Tage hinweg

Doch später folgt dann die bittere Diagnose: Kreuzbandriss. In seiner ersten Reaktion schwankt er zwischen Traurigkeit und Wut. „Ich habe mich dann für Wut entschieden und erst mal gegen den Spind gehauen.“ Danach aber geht Kapp entschlossen den langen Weg zum Comeback an. Nach der Operation beim renommierten Kniespezialisten Dr. Ulrich Boenisch in Augsburg kämpft er Tag für Tag in der Reha um Fortschritte. „Ich habe von Anfang an gewusst, dass ich da jetzt einfach durchmuss. So eine Verletzung kann einen ja auch weiterbringen. Ich weiß jetzt beispielsweise viel mehr über meinen Körper.“

Trotz aller Zuversicht und seines Kampfeswillens gibt es in der ermüdenden Reha auch harte Tage. „Manchmal ist es schon sehr eintönig, und vor allem macht man nichts mit dem Ball – also das, was uns Fußballern nun mal am meisten Spaß macht.“ Dass Kapp trotzdem weiter eisern seine Reha durchzog, lag auch an den beiden Rehatrainer Bernd Steinhoff und Michael Ludwig „Sie haben immer positive Stimmung verbreitet und die Übungen so abwechslungsreich wie möglich gestaltet“, sagt Kapp.

Seit Anfang März wieder im Mannschaftstraining

Während seiner Reha verfolgt der Kapitän natürlich auch, wie seine Mannschaftskollegen so ohne ihn zurechtkommen. „Ich war bei fast jedem Spiel auf der Tribüne. Die Jungs haben eine gute Saison gespielt und vor allem die vielen Verletzungen und den Trainerwechsel gut weggesteckt. Das war nicht selbstverständlich und hat uns auch als Mannschaft noch mehr zusammenwachsen lassen.“

Anfang März belohnte Kapp sich für die Schufterei in der Reha schließlich mit der Rückkehr ins Mannschaftstraining. Doch er ist noch vorsichtig und somit noch nicht wieder der alte kompromisslose Verteidiger von früher. „Am Anfang habe ich schon gemerkt, dass die anderen einen Vorsprung haben. Aber die Jungs haben mir beim Wiedereinstieg sehr geholfen.“

„Man will sich immer mit den Besten messen“

Und so kann er am 5. April beim 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart wieder die ersten paar Minuten A-Junioren-Bundesliga-Luft schnuppern. In den restlichen Spielen bis zum Ende und der Süddeutschen Meisterschaft steigert sich Kapp kontinuierlich und spätestens in den Halbfinalspielen gegen Werder Bremen ist er wieder der Alte. Resolut im Zweikampf, ruhig am Ball und durch seine Körpersprache und Präsenz eine echte Führungsfigur.

Nun blickt er voller Vorfreunde auf das Endspiel am kommenden Sonntag um 13 Uhr in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena gegen die starken Dortmunder. „Das wird ein schönes Finale. Man will sich schließlich immer mit den Besten messen.“ Doch das allein wird „Kappo“ nicht reichen. Das ihm zu Ehren erklärte Motto konnte er nie so richtig unterschreiben. „Das Ziel war und ist nicht ,Final4theCaptain‘, sondern den Titel zu holen.“

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