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CAMPUS
09.05.2016

Meister, die Dritte

Dass ein Verein in der Staffel Süd/Südwest drei Meistertitel in Folge einfährt, hat es seit Einführung der A-Junioren-Bundesliga in der Saison 2003/04 noch nie gegeben. Der U19 der TSG 1899 Hoffenheim ist dieses Kunststück gelungen. Ein Rückblick auf eine turbulente Spielzeit.

Die Saison begann mit einem sehr großen Kader. Der Grund: Die Verantwortlichen hatten zweigleisig planen müssen und die Qualifikation für die Youth League – das Pendant zur Champions League – vorsichtshalber mit einkalkuliert. Durch die 1:3-Niederlage im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04 war dieses Thema dann allerdings schon Ende Mai erledigt.

Trainer Julian Nagelsmann hatte lange an dem Schalke-Spiel zu knabbern. Zum ersten und bis zum Ende seiner U19-Amtszeit letzten Mal hatte ein von ihm betreutes Team nach 1:0-Führung noch verloren – und das ausgerechnet im Finale! Nur wenige Tage später startete der Coach in Hennef seine Ausbildung zum Fußballlehrer und war fortan einer enormen Doppelbelastung ausgesetzt: Montag bis Mittwoch Sportschule, Donnerstag und Freitag Training in Hoffenheim, am Wochenende Punktspiel mit der U19. Und obwohl er auf die beiden Leistungsträger Philipp Ochs und Benedikt Gimber, die frühzeitig in den Profi-Kader hochgezogen wurden, verzichten musste, stellte Nagelsmann von Anfang an gewohnt angriffslustig klar: „Wir wollen wieder ins Endspiel!“

Der große Kader sollte sich nach und nach ganz von allein reduzieren. Noch in der Vorbereitung verletzte sich Kapitän Patrick Kapp schwer am Knie, Diagnose: Kreuzbandriss. Das Motto der Saison 2015/16 – und der Hashtag für die sozialen Medienkanäle – wurde dementsprechend festgelegt: „Final4theCaptain“, Finale für den Kapitän. Im Trainerstab gab es zwei Neuzugänge: Steffen Krebs ersetzte Torwarttrainer Zsolt Petry, Florian Kneuker wurde anstelle von Dominik Drobisch zweiter Co-Trainer.

Verletzungspech über die ganze Saison

Die U19 startete mit einem fulminanten 8:0 bei Aufsteiger Darmstadt 98 und stand am ersten Spieltag genau da, wo sie im Vorjahr die komplette Spielzeit verbracht hatte: auf dem Platz an der Sonne. Doch nur eine Woche später folgte der nächste personelle Rückschlag: Junioren-Nationalspieler Robin Hack brach sich im Heimspiel gegen Ingolstadt nach einer rüden Attacke das Schien- und Wadenbein, und allen Augenzeugen war sofort klar, dass auch er für mehrere Monate ausfallen würde. Der 2:1-Sieg geriet zur Nebensache.

Sportlich lief es dennoch rund, doch obwohl sie einen Traumstart von sechs Siegen in sechs Spielen hinlegte, rutschte die Nagelsmann-Elf aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem TSV 1860 München auf Platz zwei ab. Die erste Saisonniederlage Ende September bei Eintracht Frankfurt war doppelt bitter, denn nach saisonübergreifend 17 Dreiern in Serie fehlte nur noch ein weiterer Sieg, um einen A-Junioren-Bundesliga-Rekord aufzustellen.

Das Verletzungspech blieb den Hoffenheimern derweil treu. Ausgerechnet bei seinem Debüt für die U19-Nationalmannschaft zog sich Johannes Bühler eine Ellbogenluxation zu und fiel zwei Monate aus, noch schlimmer kam es für Dennis Geiger, der wegen einer Schambeinentzündung nicht nur mehrere Bundesliga-Spiele, sondern sogar die U17-WM in Chile verpasste.

Nahtloser Übergang zu Kaltenbach

Allen Widrigkeiten zum Trotz blieb die U19 auf Kurs, bezwang im Spitzenspiel den TSV 1860 München mit 2:0 und blieb im gesamten Kalenderjahr 2015 im Dietmar-Hopp-Stadion nicht nur ungeschlagen, sondern, besser noch, sie gewann alle zwölf Begegnungen! Mit vier Punkten Rückstand auf die Sechziger, aber deutlichem Vorsprung auf Rang drei und somit mit der Qualifikation für das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft schon halbwegs in der Tasche rutschte die U19 ins neue Jahr, das nach nur wenigen Wochen einen Paukenschlag bereithielt.

Das 2:0 beim FC Ingolstadt zum Auftakt der Restrückrunde Anfang Februar war das letzte Spiel unter Nagelsmanns Regie. Wenige Wochen vor seiner Fußballlehrer-Abschlussprüfung wurde der 28-Jährige zum Profi-Chefcoach befördert und das Ruder an Matthias Kaltenbach übergeben.

Der Übergang verlief nahtlos, da der gebürtige Freiburger ohnehin seit dem Saisonstart Nagelsmanns ausbildungsbedingte Fehlzeiten kompensiert hatte. Kaltenbach landete erst mal drei Siege hintereinander und tütete schon fünf Spieltage vor Runden-Ende die Qualifikation für das DM-Halbfinale ein. Das Problem: Die Junglöwen wollten an der Spitze einfach nicht nachlassen.

Denkwürdiger 5:0-Sieg beim Tabellenführer

Zwar waren mittlerweile alle Verletzten nach und nach wieder ins Training zurückgekehrt, doch ausgerechnet vor dem Topspiel bei den Sechzigern erwischte es dann Torjäger Meris Skenderović, der zu diesem Zeitpunkt und bis zum Ende die Torschützenliste mit 19 Treffern anführte, mit einem Muskelfaserriss.

Im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße geschah dann das Unfassbare. Die U19 musste mit vier Toren Unterschied gewinnen, um an den Junglöwen vorbeizuziehen – und siegte nach einer Galavorstellung mal eben mit 5:0. Vom zweiten bis zum 24. Spieltag standen die Hoffenheimer durchweg auf Platz zwei, um auf der Zielgeraden doch noch die Spitze zu übernehmen und sich mit einem 3:1 zum Abschluss gegen Kaltenbachs Heimatverein SC Freiburg die dritte Süddeutsche Meisterschaft hintereinander zu sichern. Eine ganz starke Leistung!

Das „Finale für den Kapitän“, der beim Dallas Cup im März erstmals wieder Wettkampfpraxis sammelte, ist nun zum Greifen nah. Und sollte die U19 in Hin- und Rückspiel tatsächlich die Hürde Werder Bremen überspringen, hätte sie im Endspiel am 29. Mai auch noch Heimrecht. Was für eine Geschichte. Nicht nur für Patrick Kapp, sondern für alle Beteiligten!

 

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