Alle Ergebnisse
AKADEMIE
24.05.2016

47 Jahre, 47 A-Jugend-Endspiele – ein Blick zurück

Die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft wird seit 1969 ausgetragen und von Beginn an in einem Finale ermittelt. Drei Mal schon war die Metropolregion Rhein-Neckar Austragungsort dieses Endspiels, letztmals vor genau 20 Jahren in Mannheim. Der SV Waldhof unterlag im Stadion Alsenweg … Borussia Dortmund mit 0:2. Ein historischer Rückblick.

Den ersten Titelträger ermittelten am 13. Juli 1969 der 1.FC Saarbrücken und der VfL Bochum. Die Saarländer hatten Heimrecht und führten zur Pause schon mit 3:0. Im Tor des VfL stand Jörg Daniel, der später mit Fortuna Düsseldorf zwei Mal den DFB-Pokal gewinnen sollte und von 1984 bis 1999 Verbandstrainer des Badischen Fußball-Verbands war. Heute ist Daniel Sportlicher Leiter des DFB-Talentförderprogramms. Und nicht zu vergessen: Daniel ist auch Deutscher A-Jugend-Meister, denn seine Bochumer drehten das erste Finale noch und gewannen 5:3!

Das war allerdings lange vor Einführung der Junioren-Bundesligen. Bis einschließlich 2003 ermittelten die Landesverbände in mehreren Ligen und anschließenden K.o.-Spielen ihre Meister, so dass es unzählige oberste Spielklassen auf überschaubarem Niveau gab. In Nordbaden zum Beispiel machten der SV Waldhof und der Karlsruher SC meistens den Titel unter sich aus und waren in den Partien gegen die anderen Klubs unterfordert.

Rekordmeister VfB Stuttgart

1970 gab es das aus heutiger Sicht kurioseste Finale, da es die Nachwuchsteams zweier Amateurvereine bestritten. Der Berliner Vertreter Hertha 03 Zehlendorf traf auf den Südwest-Champion TuS Altrip, das den Erfinder der Bananenflanke, Manfred Kaltz, in seinen Reihen hatte. Wie im Jahr zuvor wurde das Pausenergebnis, 2:0 für Altrip, komplett gedreht. Zehlendorf gewann 3:2 und holte den Titel in die damals geteilte Stadt.

Der Rekordmeister VfB Stuttgart holte 1973 seine erste von insgesamt zehn Meisterschaften, die letzte liegt allerdings schon lange elf Jahre zurück. Von 1988 bis 1991 hielten die Stuttgarter vier Mal in Folge den Pokal in die Höhe – eine Leistung, die von 1994 bis 1998 von Borussia Dortmund noch übertroffen wurde.

Alfred Schön und die Waldhof-Buben gewinnen 1980

Alfred Schön, heute organisatorischer Leiter Scouting bei der TSG, holte 1980 mit dem SV Waldhof die erste Deutsche A-Junioren-Meisterschaft in die Metropolregion und war somit Mitbegründer der legendären „Waldhof-Buben“. In dem Team, das den FC Schalke 04 in Oberhausen mit 2:1 (1:1) bezwang, standen neben Schön sieben weitere Jungs, die drei Jahre später mit den Blau-Schwarzen in die Bundesliga aufstiegen. Der SVW hatte sich als Badischer Meister in der Endrunde gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt und Bayer Leverkusen, den 1.FC Kaiserslautern sowie den 1.FC Nürnberg aus dem Weg geräumt.

Drei Mal fand das nationale Finale in der Metropolregion statt – jeweils in Mannheim: 1977 im Seppl-Herberger-Stadion am Alsenweg (Meister MSV Duisburg), 1985 im Rhein-Neckar-Stadion (Eintracht Frankfurt mit Andreas Möller) und zuletzt 1996. Überraschenderweise war der Nachwuchs des zu diesem Zeitpunkt wieder zweitklassigen SVW über Carl Zeiss Jena und Werder Bremen ins Endspiel eingezogen und traf am 7. Juli vor 7.200 Zuschauern auf den Titelverteidiger Borussia Dortmund, der im Halbfinale den VfB 7:0 niedergewalzt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war noch keiner jener Jungs, die am Sonntag in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena auflaufen werden, geboren. Die erste Mannschaft der TSG war gerade als Landesliga-Meister in die Verbandsliga aufgestiegen.

Auffälligster Spieler auf dem Platz war Dortmunds Russland-Import Wladimir But, der nach nur wenigen Sekunden den Ball aus 30 Metern derart an den Pfosten knallte, dass das Gestänge noch Minuten später vibrierte. In der zweiten Minute brachte Benjamin Knoche, der es später auf lediglich ein Bundesliga-Spiel bringen sollte, die von Michael Skibbe trainierten Borussen in Front, ein gewisser Deniz Şahin markierte den 2:0-Endstand. Für Skibbes Schützlinge war es der dritte Titel in Serie, zwei weitere sollten folgen.

Der Traum der Waldhöfer, zum zweiten Mal Deutscher Meister zu werden, zerplatzte genauso wie der, im Anschluss an das Finale eine zweite Buben-Generation an den Start zu kriegen. Aus der vom späteren Hoffenheimer Roland Dickgießer trainierten Elf schafften es nur zwei Talente in den Profi-Kader, beide mit überschaubarem Erfolg: Attila Birlik blieb noch drei Jahre beim SVW, folgte dann aber dem Lockruf von Beşiktaş Istanbul, wo er sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Nach einem kurzen Abstecher in Fürth tingelte Birlik fortan durch unterklassige türkische Ligen. Einer rosigen Zukunft blickte hingegen Soner Uysal entgegen, der nur ein Jahr nach dem Dortmund-Spiel zum Hamburger SV wechselte, von andauernden Verletzungen geplagt aber nie richtig Fuß fasste und schon mit 24 Jahren seine Profi-Laufbahn beenden musste.

TSG zum dritten Mal in Folge im Finale

Den ersten Titel seit Einführung der Junioren-Bundesliga 2003/04 sicherte sich der FC Bayern München mit einem 3:0 über den VfL Bochum. Insgesamt Fünf Mal setzte sich in der Endrunde der Meister der Staffel Süd/Südwest durch, vier Mal der West-Champion und drei Mal der Sieger der Nord/Nordost-Liga. 2010 gewann mit dem FC Hansa Rostock zum ersten uns bislang letzten Mal ein Klub aus der ehemaligen DDR die Deutsche Meisterschaft.

Und die TSG? Die Kraichgauer erreichten 2014 zum ersten Mal überhaupt die Endrunde – und setzten sich durch ein 5:0 über Hannover 96 gleich die Krone auf. Es war der bislang deutlichste Endspielsieg in der Geschichte dieses Wettbewerbs. 2015 standen die Hoffenheimer erneut im Endspiel, unterlagen aber dem FC Schalke 04 mit 1:3. Nun also das dritte Finale hintereinander, das gelang zuletzt dem BVB in der Zeit von 1994 bis 1998, als er seine fünf Titel am Stück holte.

Überhaupt haben neben dem VfB Stuttgart (10) und Borussia Dortmund (5) nur sechs weitere Vereine die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft mehr als einmal gewonnen: Der FC Schalke 04 (4), Bayer Leverkusen, Bayern München, Eintracht Frankfurt, der MSV Duisburg (je 3) und der VfL Wolfsburg (2).

Das 48. Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft steigt am Sonntag in der Sinsheimer Arena. Mit einem Sieg würden die Hoffenheimer zu den „Wölfen“ aufschließen und in die Top 10 der Siegerliste eindringen…

Jetzt Downloaden!
Seite Drucken nach oben