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CAMPUS
02.02.2016

Wie Brüder: Stefano Russo und Samuel Lengle

Seit der U13 sind Stefano Russo (links) und Samuel Lengle Teamkollegen bei der TSG. Sie leben in derselben Gastfamilie, besuchen dieselbe Schule und bildeten zuletzt das Innenverteidiger-Duo der U16-Nationalmannschaft. Eine Geschichte von zwei B-Jugendlichen, die noch viel vorhaben.

Lengle ist in Hoffenheim trotz seiner 15 Jahre schon ein „alter Hase“. Als Neunjähriger wurde der gebürtige Heidelberger als Spieler des SV Dallau bei einem Hallenturnier entdeckt und seit dem Sommer 2009 im Kinderperspektivteam der TSG gefördert. Sein damaliger Trainer Dominik Drobisch ist heute sein Co-Trainer in der U16. Der Kontakt zu dem jungen Talent aus Dallau war schnell hergestellt, schließlich kickte sein Cousin – der zurzeit an Zweitligist SpVgg Greuther Fürth ausgeliehene TSG-Profi Nicolai Rapp – in der achtzehn99 AKADEMIE.

Russo wurde als Sohn eines Italieners und einer Kanadierin in Ludwigshafen geboren und lernte beim Stadtteilklub VfR Friesenheim das Fußballspielen. Auch er fiel bei einem Hallenturnier auf, als eigentlich ein anderer Spieler aus der Chemiestadt beobachtet wurde, und bestand das darauffolgende Probetraining bei U13-Trainer Michael Kunzmann. Im Sommer 2012 wechselte er zur TSG, zu dieser Zeit rückte Lengle aus der U12 auf. Seitdem gehen die beiden fast unzertrennlich gemeinsam ihren Weg.

Vor einem halben Jahr gelang ihnen der Sprung von der U15 in die U16 und somit vom Förderzentrum ins Nachwuchsleistungszentrum. „Wir sind wie Brüder“, sagen sie. Zwar haben beide „echte“ Geschwister, aber jeweils „nur“ Schwestern. Der Tag startet und endet im Hause ihrer Gastmutter Roswitha Hilscher, dazwischen drücken sie im Sinsheimer Wilhelmi-Gymnasium in der 10. Klasse die Schulbank und trainieren in der U16 von Chefcoach Domenico Tedesco.

Innenverteidiger-Duo in der Nationalmannschaft

Bereits in der U15 erhielten Lengle und Russo Einladungen zu DFB-Lehrgängen, Russo absolvierte in dieser Altersklasse sogar sein erstes Länderspiel. Im niederländischen Vriezenveen stand er im Mai 2015 beim 1:0-Sieg gegen „Oranje“ über die volle Spielzeit auf dem Platz und war sogar Kapitän der DFB-Elf.

In Hoffenheim läuft derweil fast alles nach Plan. Die U16 rangiert mit Russo, der einst als „Zehner“ begann und schon in der Rückrunde bei der U13 zum Innenverteidiger umfunktioniert wurde, und Lengle im defensiven Mittelfeld in der Oberliga Baden-Württemberg auf Platz zwei. „Wir haben noch Luft nach oben“, sagt Lengle, der mit der Ausbeute nicht einhundertprozentig zufrieden ist. Im Herbst feierte auch er sein Länderspieldebüt, als er mit der U16 des DFB im Brüsseler Vorort Tubize die belgische Nationalmannschaft glatt mit 5:1 bezwang. Russo musste mit einem Bänderriss verletzungsbedingt passen.

Im November standen die „Brüder“ schließlich erstmals gemeinsam im Adler-Trikot auf dem Platz. Beim 3:0 gegen die Tschechische Republik in Bautzen bildeten sie das Innenverteidiger-Paar. Für Lengle ist der Positionswechsel kein Problem. Ein guter Fußballer spielt eben da, wo der Trainer ihn aufstellt.

Anfang des Jahres lud U16-Nationaltrainer Christian Wück die Besten des Jahrgangs 2000 zu einem elftägigen Lehrgang in La Manga ein. Lengle und Russo waren erneut dabei, teilten sich selbstverständlich auch ein Zimmer. Zwei Mal am Tag Training inklusive Krafteinheiten, dazu schulische Betreuung und zwei Testspiele standen auf dem Programm. Gegen die DFB-U17 setzte es eine 1:4-Niederlage, gegen die U17 des spanischen Drittligisten Real Murcia fuhren die DFB-Jungs einen 6:1-Erfolg ein.

Lengle in Portugal dabei

Nach dem Trainingslager sprach Wück mit seinen Spielern, die beiden Hoffenheimer wissen, woran sie sind. Lengle darf ab Donnerstag zum „UEFA Development Tournament“ nach Portugal, wo Vergleiche gegen Frankreich, die Niederlande und den Ausrichter anstehen. Russo steht auf Abruf bereit.

Das TSG/DFB-Duo hat klare Ziele vor Augen: „Sportlich wollen wir nächstes Jahr mit der U17 um die Meisterschaft spielen und uns persönlich weiterentwickeln, schulisch das Abitur machen“, sagt Russo. Und wie beurteilen sich die beiden gegenseitig? „Stefano ist sehr zweikampfstark und hat ein gutes Stellungsspiel“, so Lengle über Russos Qualitäten. „Außerdem ist er sehr humorvoll.“ Eine Eigenschaft, die Russo seinem Partner ebenfalls bescheinigt. „Samuel ist ein kompletter Spieler, schnell und technisch stark“, ergänzt er.

Russos Vater ist Sizilianer, die Mutter aus Montréal. Die Frage, für welche Nationalmannschaft sein Herz schlägt, beantwortet der Ludwigshafener mit einem wortlosen Lächeln. Also Italien. Aus dem Land des Vize-Europameisters stammt auch sein Lieblingsklub: Russo drückt Juventus Turin die Daumen, nennt aber den für Paris spielenden brasilianischen Innenverteidiger Thiago Silva als sein Vorbild. Lengle hält es ebenso positionsgetreu eher mit dem Turiner Paul Pogba. Lieblingsverein? „Hoffenheim.“

Samuel Lengle und Stefano Russo – zwei Pendler zwischen Hoffenheim und DFB. Die „Brüder“ sind auf  einem guten Weg, aber er ist noch sehr lang.

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