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U23
24.02.2016

Ricco Cymer: In der Ruhe liegt die Kraft

Alleine in dieser Saison hat Ricco Cymer mehr Einsätze zwischen den Pfosten der U23 verzeichnet als zuvor in vier Jahren U17- und U19-Bundesliga zusammen. Und mit den Auftritten in Mannheim und Offenbach waren durchaus auch ein paar Highlights dabei. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich meine Spiele bekomme“, sagt der 20-Jährige, der trotz seines jungen Alters eine Art TSG-Urgestein ist.

Nachdem er ein Probetraining im Dietmar-Hopp-Stadion erfolgreich absolviert hatte, kam der Keeper bereits zur Saison 2007/08 in die Hoffenheimer U13. Wie fast alle Torhüter hatte er seine Laufbahn eigentlich im Feld begonnen, bei den Bambini des HSV Heilbronn. In der E-Jugend verletzte sich allerdings der etatmäßige Schlussmann. „Ich war der Größte und hatte keine Wahl: Ich musste ins Tor“, erinnert sich der gebürtige Heilbronner, der seine Sache gut machte – und drin blieb.

2007 war die TSG Hoffenheim gerade in die Zweite Liga aufgestiegen, der Nachwuchsbereich noch nicht so aufgestellt wie heute. „Wir haben damals noch am Schwimmbadweg trainiert und uns in Containern umgezogen“, blickt Cymer auf seine Anfangszeit zurück. „Es war schon interessant, zu beobachten, wie sich hier nach und nach alles verändert hat, und ein Teil davon zu sein.“

Lernwillig und mental stark

Neben dem Fußball machte Cymer seinen Realschulabschluss und absolvierte anschließend mit der Unterstützung von „Anpfiff ins Leben“ das Berufskolleg Sport- und Vereinsmanagement an der Sinsheimer Max-Weber-Schule. Auf dem Platz lief es nicht immer rund. „Mir wurde immer wieder eine Nummer eins vorgesetzt, und ich habe wenig gespielt“, sagt er ohne Groll. „Der Konkurrenzkampf in einem solchen Verein ist nun mal sehr groß.“ Aufzuhören oder einen Vereinswechsel anzustreben war für Cymer trotzdem nie ein Thema. „Ich genieße hier hervorragende Bedingungen und hatte immer sehr gute Trainer, warum hätte ich gehen sollen?“

Cymer ist ohnehin nicht der Lautsprecher-Typ. Sein Vorbild war – vielleicht auch nicht von ungefähr – der Spanier Iker Casillas. „Ein ruhiger Typ, der diese Ruhe auch auf dem Platz ausgestrahlt hat, das hat mich fasziniert. Mir wird allerdings vorgeworfen, etwas zu ruhig zu sein“, schmunzelt Cymer, der also weiß, woran er noch arbeiten muss. Wie seine Torhüterkollegen hat auch er in den zurückliegenden Jahren einige Zeit im Kraftraum verbracht und sich eine entsprechende Physis erarbeitet. Sein Trainer Steffen Krebs sagt über ihn: „Ricco ist sehr lernwillig, mental stark und verfügt über absolute Top-Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins. Seine ruhige, coole Art hilft ihm in seinem Torwartspiel enorm.“

Jüngste Nummer eins in der Regionalliga Südwest

In der Saison 2013/14 wurde Cymer frühzeitig in die U23 hochgezogen, obwohl er noch ein A-Jugend-Jahr zu spielen hatte. Dennoch hütete er in der U19 zehn Mal das Tor und kann sich so zurecht als Deutscher Meister 2014 fühlen. Beim 5:0 im Finale gegen Hannover 96 stand er zwar nicht im Kader („Ich war bereits in der Vorbereitung für die neue U23-Saison“), war aber sehr wohl bei den Jubelfeierlichkeiten auf dem Rasen, in der Kabine und darüber hinaus dabei.

Seit der aktuellen Runde ist Cymer nun endlich Stammtorwart. „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden und kriege positives Feedback“, freut sich die jüngste Nummer eins der Regionalliga Südwest. „Es wäre schön, wenn wir in der Restrückrunde mal ein paar Mannschaften aus der oberen Tabellenregion schlagen würden“, so Cymer, der zugibt, bei den Spielen in Mannheim und Offenbach aufgrund der Kulisse „kurz Gänsehaut“ verspürt zu haben. „Ich habe das aber schnell ausgeblendet.“

Derzeit baut Cymer in Eberbach sein Wirtschaftsabitur und bereitet sich auf die Prüfungen im April vor. Im Juni läuft sein Vertrag in Hoffenheim aus, dann gehen neun Jahre TSG-Zugehörigkeit wahrscheinlich zu Ende, eine Zeit, die Cymer nicht missen möchte. „Ich werde danach vielleicht studieren, aber weiter am Ball bleiben. Die 3. Liga traue ich mir schon zu, ich orientiere mich dabei allerdings nicht am Werdegang anderer. Ich will meinen eigenen Weg gehen, aber es gehört auch viel Glück dazu, den großen Durchbruch zu schaffen.“

Polnische Wurzeln

Cymers Wurzeln liegen eigentlich in Polen. Seine Eltern sind einst aus Krakau nach Heilbronn gekommen, die erweiterte Familie lebt noch immer in der europäischen Kulturhauptstadt von 2000. Polnisch versteht er, mit dem Sprechen hapert es etwas. Bei seinen regelmäßigen Besuchen frischt er die Sprachkenntnisse auf. Und er besucht Spiele der beiden Erstligisten Wisła und Cracovia. Ein direktes Duell der beiden ältesten Klubs des Landes, deren Stadien nur durch einen Park voneinander getrennt sind, hat er noch nicht gesehen, weiß aber sehr wohl: „Das ist das gefährlichste Derby Europas.“ Nicht umsonst wird es als „Heiliger Krieg“ bezeichnet.

Ein Engagement in der Ekstraklasa, der obersten Spielklasse Polens, kommt für Cymer allerdings nicht infrage. „Meine Freundin und meine Familie leben hier“, nennt er als Hauptgrund. Aber er spricht gerne über den polnischen Fußball, über die Torhüter Wojciech Szczęsny (AS Rom), Łukasz Fabiański (Swansea City), Artur Boruc (AFC Bournemouth) oder den Stuttgarter Przemysław Tytoń. „Der Größte war aber Jerzy Dudek“, stellt Cymer klar. Beim legendären Champions-League-Finale 2005, als der Pole im Tor des Liverpool FC über sich hinauswuchs und das Elfmeterschießen gegen Milan entschied, war Cymer zwar gerade mal neun Jahre jung. „Ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern.“

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