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U23
08.12.2015

Steffen Krebs: Der Arbeiter-Typ

Wer in Bad Cannstatt geboren wird, wächst eigentlich mit dem roten Brustring auf. „Es sei denn, der Vater ist Anhänger des 1.FC Köln“, entgegnet Steffen Krebs schmunzelnd und gibt zu, in seiner Jugend Anhänger der Geißböcke gewesen zu sein. Und doch landete er 2008 als Torwarttrainer beim VfB Stuttgart. Seit diesem Sommer steht der 32-Jährige allerdings in Hoffenheim unter Vertrag und ist in erster Linie für die Torhüter der U23 und U19 zuständig.

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren personell und infrastrukturell vieles geändert hat, ist die achtzehn99 AKADEMIE für Krebs kein völlig neues Terrain. Im Aufstiegsjahr 2008 hat er bereits unter dem damaligen Cheftorwarttrainer Philipp Laux ein zweimonatiges Praktikum bei der TSG absolviert. Viele Gesichter aus dieser Zeit sind noch da, unter anderem Michael Rechner – der heute Profi-Torwarttrainer ist und das Konzept der TSG-Torhüterausbildung entwickelt hat. „Wir haben uns zwar erst kurz nach meiner Zeit in Hoffe kennengelernt, lagen aber sofort auf einer Wellenlänge und hatten dieselben Ideen. Umso mehr freut es mich, jetzt mit Micha zusammenzuarbeiten“, sagt Krebs.

Schule hatte Priorität

Die eigene aktive Laufbahn startete Krebs als Feldspieler in der Jugend seines Heimatvereins GSV Erdmannhausen. Gecoacht wurde er anfangs von seinem Vater, von dem er viel über das Torwartspiel und auch über die Trainertätigkeit gelernt hat. Als in der D-Jugend der Torwart seines Teams nicht mehr zur Verfügung stand, stellte sich Krebs „just for fun“ zwischen die Pfosten – und blieb dort. Toni Schumacher, Uli Stein und vor allem Bodo Illgner, der WM-Keeper von 1990, waren seine Vorbilder. „Ich habe meinen ersten Spielerpass im Oktober 1990 bekommen, zeitgleich zum ersten Länderspiel nach der WM in Italien“, erinnert sich Krebs genau.

Mit seinen Leistungen im GSV-Gehäuse empfahl er sich für die Württembergische Auswahl, doch der Verlockung, zu einem der großen Stuttgarter Klubs zu wechseln, widerstand er. „Die Schule hatte damals für mich einfach Priorität.“ Krebs blieb dem GSV treu und fiel im B-Jugendalter aus der Talentsichtung. „Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob es mit der großen Karriere hätte klappen können“, bereut Krebs seine Entscheidung nicht, zumal er auch ziemlich früh das „Trainer-Gen“ in sich entdeckt hat.

Trainerkarriere vorgezeichnet

Der weitere Weg war somit praktisch vorgezeichnet. Bereits als A-Jugendlicher leitete er Einheiten in Erdmannhausen, nach dem Abitur studierte er an der Sporthochschule Köln Sportwissenschaft und nebenbei aus Interesse Geschichte auf Lehramt. Parallel dazu absolvierte er Praktika, unter anderem beim Württembergischen Fußballverband (WFV) und bei der TSG, und sammelte Lizenzen – im Fußball, Hockey und Tennis. Über seine Tätigkeit als DFB-Stützpunkttrainer landete er schließlich beim VfB Stuttgart, wo er sich zunächst um die Kleineren kümmerte und in „Ebbo“ Trautner einen echten Mentor hatte. Eine Festanstellung fand er fast zeitgleich beim WFV, arbeitete als Referent in der Trainerausbildung und in der Abteilung „Fußballentwicklung“. Selten war Krebs in jenen Tagen vor 21 Uhr zu Hause. „Das hat alles sehr viel Spaß gemacht, war schon aber auch sehr zeitaufwändig.“

Der Kontakt zu Michael Rechner ist derweil nie abgerissen. „Wir haben uns immer mal wieder ausgetauscht“, so Krebs, der ab 2011 die U17-Torhüter des VfB trainierte, auf Anhieb die Deutsche Vizemeisterschaft und 2013 sogar den Titel feiern durfte. Mit Cheftrainer Domenico Tedesco, der ebenfalls im Sommer nach Hoffenheim wechselte und aktuell die U16 leitet, standen Krebs und die VfB-U17 im Mai diesen Jahres noch einmal im DM-Finale, das sie gegen Borussia Dortmund verloren.

Prototyp Thibault Courtois

Nun also Hoffenheim. Im Mai dieses Jahres nahm Krebs eine Offerte der TSG an und zeigt sich nun nach der Hinrunde sehr begeistert. Dadurch, dass er hier für die Torhüter zweier Teams verantwortlich ist, ist der Zeitaufwand zwar noch immer sehr hoch, aber die Arbeit mit seinen Torhütern und insbesondere auch mit Rechner – mit dem er die Torwart-Philosophie der TSG fortschreibt – mache großen Spaß.

In einem längeren Beitrag für das Magazin „fussballtraining“ präsentierte Krebs 2009 die Ergebnisse seiner umfangreichen „Torwart-Analyse“ und kam damals schon zu der Erkenntnis: Der moderne Torhüter spielt mit! Eine Aussage, die im Einklang mit den Vorstellungen Rechners steht, der 2011 auf achtzehn99.de für „Spielintelligenz statt Vielfliegerei“ plädierte. Deckungsgleich ist auch die Antwort auf die Frage des idealen modernen Keepers: Edwin van der Sar, beziehungsweise nach dessen Karriereende Thibault Courtois. Ein Niederländer und ein Belgier, zwei Nationen, deren fußballerische Ausbildung Krebs als vorbildlich preist und die das moderne Torwartspiel verkörpern. Und wie sieht das aus? „Es vereint Raum- und Torverteidigung. Wir wollen daher die Feldspielertechniken unserer TSG-Keeper perfektionieren und sie dahingehend coachen, dass sie noch mehr auf die gesamte Mannschaft einwirken.“

Einblicke in die Philosophie von Top-Klubs

Kürzlich war Krebs, der auch die A-Lizenz und die DFB-Torwarttrainer-Lizenz erworben hat, bei einer Fortbildung im niederländischen Garderen zu Gast. Auf der „Goalkeeping Conference“ lernte er neben der englischen Keeper-Legende Peter Shilton die Torwart-Trainer europäischer Spitzenklubs wie Juventus Turin, Benfica Lissabon, Chelsea FC oder Real Madrid kennen. „Es war sehr spannend, über den Tellerrand zu schauen und zu sehen, wie die Torwarttrainer der absoluten Top-Klubs arbeiten. Ich glaube, dass es unheimlich viele verschiedene Ausbildungsphilosophien gibt, die alle für sich zu einem Top-Torwart führen können. Und hier müssen wir uns mit unserer TSG-Philosophie nicht verstecken“, fasst Krebs selbstbewusst zusammen und hebt besonders die enge Zusammenarbeit vom Profi- bis zum U12-Torwarttrainer hervor.

Dass Torhüter und Linksaußen eine Macke haben, ist eine oft zitierte Fußballer-Weisheit, deren Quelle unklar ist. Krebs widerspricht ihr jedenfalls nicht: „Die Torwartposition ist schon sehr speziell und lässt nun mal wenig normale Charaktere zu.“ Er selbst schließt sich hier nicht aus und ist sich bewusst, dass er im Training viel von seinen Keepern fordert. Ein Arbeiter-Typ eben. „Zumeist begegnen sie mir zwar etwas stöhnend aber auch mit einem Lächeln. Ich denke, diese Konstellation trifft meine Arbeitsweise ganz gut.“

Vielleicht lässt es Krebs gerade deswegen privat eher ruhig angehen. Mit Freundin Tanja lebt er in Marbach und tankt in der wenig freien Zeit Energie für die nächste Einheit mit seinen Jungs. Und die hat er mit Sicherheit schon im Kopf.

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