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SPIELFELD
16.11.2015

Jens Grahls Wahlheimat: Kur statt Pflicht

Seit 2012 lebt TSG-Torhüter Jens Grahl in Bad Rappenau. Der 27-Jährige schätzt die Idylle und die perfekte Lage zwischen dem Trainingszentrum und seiner Heimat Stuttgart.

Veränderungen an seinem Lieblingsort bemerkt Jens Grahl sofort. Und so ist er fast ein wenig enttäuscht darüber, dass der kleine Springbrunnen im Teich hinter der Nordfassade des Bad Rappenauer Wasserschlosses nicht mehr sprudelt. Es ist Herbst, es ist kalt, und bevor der Frost den Wasserfluss stoppt, hat es eben die Stadtverwaltung erledigt. Für den Torhüter der TSG Hoffenheim ist der um 1600 errichtete Bau aber auch ohne Springbrunnen der Bezugspunkt in seiner Wohnheimat.

Seit 2012 lebt Grahl in dem zwischen Heidelberg und Heilbronn gelegenen Ort. Im rechteckigen, von zwei runden Türmen verzierten Schloss wollte der 27-Jährige vor zwei Jahren sogar heiraten. Das pittoreske Wahrzeichen der Kleinstadt hatte es ihm schnell angetan, seitdem er kurz nach dem Bezug seiner Altstadtwohnung täglich daran vorbeischlenderte. Mit seinem Hund drehte Grahl seine Runden stets im angrenzenden Park und plante dabei seine Hochzeit. Doch es kam anders. Glücklicherweise nicht, weil seine Frau den Antrag ablehnte. Aber die Entfernung zu den Wohnsitzen der in Stuttgart und bei Nürtingen lebenden Familien sprach letztendlich gegen eine Hochzeit in Bad Rappenau, das Paar vollzog die Trauung in Stuttgart: „Wir hätten wirklich sehr gern hier geheiratet, da wir uns beide sehr wohl fühlen und das Wasserschloss sehr mögen. Aber die Anreise für alle Gäste wäre einfach zu weit gewesen.“

"Die Lage ist perfekt"

Jens Grahl stolperte 2012 eher zufällig in seine neue Lieblings-Kleinstadt. Nach der Rückkehr vom SC Paderborn zur TSG suchte er ein Zuhause, das ihm eine schnelle Verbindung zum Trainingsplatz, zum Elternhaus nach Stuttgart und zudem ein Höchstmaß an Lebensqualität bot. Die Wahl fiel auf Bad Rappenau. Auch, weil die Mitspieler ihm das 20.000-Einwohner-Städtchen empfahlen. „Tobias Weis, Sejad Salihovic und Vedad Ibisevic lebten damals auch hier. Ich habe mir dann eine Wohnung in der schönen Altstadt gesucht und mich schnell wohl gefühlt“, sagt Grahl.

Mittlerweile hat er bereits seine zweite Bleibe im nordöstlichen Kraichgau bezogen. Im Vorjahr verließ er seine Wohnung und zog ins Neubaugebiet – in das frühere Haus von Ibisevic. Zwar waren bei der Auswahl einer neuen Heimat auch Heidelberg und Mannheim Alternativen, doch zusammen mit seiner Frau genießt er die Gemächlichkeit. „Es ist für uns besser als zu viel Hektik. Und wenn wir mal Action wollen, sind wir schnell in Heilbronn, Heidelberg oder Stuttgart. Für uns ist die Lage perfekt.“

Seit dem Umzug in das Neubaugebiet hat Grahl auch den 2008 für die Landesgartenschau umgestalteten Salinenpark mehr und mehr für die Freizeitgestaltung entdeckt. Hier joggt der Keeper in der Vorbereitung, um die Fitnessvorgaben des Trainerstabs zu erfüllen. Oder er spaziert zum Entspannen am Gradierwerk und am Lavendel-Labyrinth vorbei hoch zum Feuerbeet, an dessen Fuß das Kur-Café beheimatet ist. „Ich komme gern hierher, um mal in Ruhe eine heiße Schokolade zu trinken und den Ausblick zu genießen. Es ist eine gute Abwechslung zum Bundesliga-Alltag.“

Ein Spiel - Spieler des Monats

Grahl sinniert hier auch über seine Rolle als zweiter Torwart der TSG und die spezielle Herausforderung, ohne Spielpraxis wöchentlich bereit für Höchstleistungen zu sein. Sein bislang letztes Spiel für die Profis bestritt er am  3. März 2015 beim 2:0-Sieg im Pokal-Achtelfinale beim VfR Aalen – und wurde von den TSG-Fans prompt zum ‚Spieler des Monats‘ gewählt. Grahl lacht, als er sich an die Auszeichnung erinnert. „Das muss man erst einmal schaffen, mit nur einem Einsatz die Wahl zu gewinnen. Meine Mitspieler fanden das auch alle sehr lustig und haben sich für mich gefreut. Aber im Ernst, die Fans haben mich immer unterstützt, da bin ich sehr dankbar.“ Denn obwohl er als Fußball-Profi einen Traumberuf und einen der begehrtesten Arbeitsplätze als deutscher Torhüter hat, ist die Rolle als Nummer zwei nicht immer einfach.

Grahl macht keinen Hehl aus dem Zwiespalt zwischen Frust und Freude. „Als zweiter Torwart ist man schon irgendwie außen vor. Als ich in der Saison 13/14 elf Bundesliga-Spiele gemacht habe, war der Rummel um mich viel größer. Jetzt interessiert sich niemand mehr für mich.“ Allerdings gab es damals auch negative Rückmeldungen, sogar einen kleinen Eklat. In einem Supermarkt in Bad Rappenau. Grahl lacht laut, als er sich erinnert. „Da bin ich ganz schön zusammengefaltet worden. Ich habe gegen Dortmund einen Fehler gemacht und den Ball fallen gelassen. Das hat zu einem Gegentor geführt. Da kam ein älterer Mann zu mir und meinte, warum ich als Torwart keinen Ball fangen könne. Aber ich habe ihm das schnell verziehen und das nicht so ernst genommen.“  

Nun, als Nummer zwei hinter Oliver Baumann, verfolgt er die Spiele wieder von der Bank aus. Ein Job, der vor allem mental spezielle Herausforderungen bereithält. „Als zweiter Torhüter muss man im Kopf extrem stark sein. Die Situation ist nicht immer einfach. Man muss immer darauf vorbereitet sein, im nächsten Moment extrem unter Druck zu stehen und eingewechselt zu werden.“

Mit den TSG-Fans im Café

Obwohl Grahl schon seit vielen Jahren Profi ist, hat er diese Situation noch nie erlebt. Zu Beginn seiner Laufbahn verbrachte er „70, 80 Spiele auf der Bank“, ohne dass der Stammtorhüter vom Feld musste. Bei den elf Spielen in der Bundesliga und bei den fünf Einsätzen im Pokal stand er jeweils in der Startelf. Vor allem im DFB-Pokal hatte er in dieser Saison auf weitere Pflichtspiele für die TSG gehofft, das Aus in der ersten Runde beim Zweitligisten 1860 München traf ihn schwer. „Das ist dumm gelaufen. Danach hatte ich schon `ne Krawatte. Das versteht dann aber auch jeder.“ Obwohl er sich selbst als ein wenig „bekloppt“ bezeichnet, behält er bei den Spielen auf der Bank aber immer die Fassung. Die Auseinandersetzungen mit den Schiedsrichtern haben noch nie zu einer Gelben Karte geführt. „Ich bin bestimmt, aber höflich“ sagt er und lächelt.  

Die innere Ausgeglichenheit verdankt er auch seinem Wohnort, wo nach Grahls Empfinden deutlich mehr Autos mit Hoffenheim- als mit Stuttgart-Aufklebern unterwegs sind. Auch Gerhard Sommer und Jutta Phillip – die schon nächstes Jahr Jutta Sommer heißen wird – sind große Fans der TSG. Die Beiden betreiben das von Grahl so geschätzte Kur-Café und freuen sich über die prominenten Besucher. „Früher war auch Tobias Weis oft hier, seine Eltern kommen immer noch regelmäßig zum Kaffeetrinken vorbei“, sagt Sommer. Der Inhaber und seine zukünftige Frau haben seit Jahren einen engen Bezug zum Verein. „Ich finde Hoffenheim super. Wir Menschen hier müssen doch zur TSG halten, der Klub tut viel für die Region und sorgt für viele Einnahmen.“  

Auf der anderen Seite sorgen das im Herzen des wunderschönen Salinen-Parks gelegene Kur-Café, das würdevolle Wasserschloss und die vielen anderen malerischen Orte Bad Rappenaus für eine ideale Atmosphäre, um sich von dem Druck und Stress der Bundesliga zu erholen. Jens Grahl genießt das Leben in seiner Wahlheimat – und kann sich mit dem Slogan der Großen Kreisstadt vollständig identifizieren: „Abschalten vom Alltag, die Seele baumeln lassen, Gesundheit und Lebensfreude erfahren – dies und mehr können Sie bei uns in Bad Rappenau.“

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