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CAMPUS
04.09.2015

Schneller im Kopf durch Videospiele

Das Fußball-Videospiel „FIFA 2015“ kennen fast alle Talente in der achtzehn99 AKADEMIE. Die einen spielen häufiger, die anderen nur ab und zu – die einen sind besser, die anderen tun sich etwas schwerer. Aber welchen Effekt haben eigentlich Videospiele für Fußballer auf dem realen Spielfeld?

Wenn man U19-Spieler Adrian Beck fragt, hat das Eine nicht viel mit dem Anderen zu tun. „Ich glaube nicht, dass es sich besonders auf mein Spiel auswirkt, wenn ich viel ,FIFA‘ spiele“, sagt der 18-Jährige – und er muss es eigentlich wissen. Schließlich gilt Beck als der beste „FIFA“-Zocker in der Akademie.

Dass Videospiele aber sehr wohl einen Einfluss auf die Leistungen von Fußballspielern haben können, erklärt der Sportpsychologe der TSG, Prof. Dr. Jan Mayer: „Man kann die Spieler dadurch durchaus schneller im Kopf machen.“ Gamification sagt Mayer zu dieser Trainingsmethode, mit der einige TSG-Spieler regelmäßig arbeiten.

Training des peripheren Sehens

U23-Spieler Russell Canouse ist gerade zu einer Einheit bei Mayer vorbeigekommen. Er spielt „Bird Watching“, eine Art Videospiel, bei dem in einer Waldkulisse für eine halbe Sekunde ein Vogel und gleichzeitig in der Mitte ein Buchstabe auftaucht. Canouse muss mit seiner virtuellen Kamera genau den Punkt treffen, wo der Vogel erschienen ist. Liegt er richtig, darf er noch den Buchstaben als Teil eines Lösungswortes eintragen. Das Spiel soll unter anderem das periphere Sehen schulen, das auch auf dem Platz wichtig ist.

„Alle Sachen, die wir auf dem Platz brauchen, kann man auch mit Action-Videospielen trainieren – wissenschaftliche Untersuchungen haben dies mehrfach gezeigt“, sagt Mayer – ob das nun das schnelle Umschalten, die Reaktionsfähigkeit, die Informationsverarbeitung oder das periphere Sehen und damit verbunden die Übersicht sei.

Spieler werden vorab getestet

Ein besonderes Trainingstool ist die „Helix“, eine 180-Grad-Projektionsfläche, vor die sich der Spieler zentral positioniert und auf der er dann aus einem ganzen Haufen virtueller Spieler, die sich durcheinander bewegen, vier Spieler im Auge behalten und nach einer gewissen Zeit benennen muss. Auch hier werden peripheres Sehen und Aufmerksamkeit trainiert, um auch in chaotischen Spielsituationen die Übersicht zu behalten.

Nicht jeder Nachwuchsspieler absolviere diese Gamification-Trainingseinheiten, erklärt Mayer. Manche hätten es ganz einfach nicht nötig, weil sie von vornherein schon so schnell im Kopf sind. „Wir machen zu Beginn Tests, um etwa zu sehen, wie gut die Spieler im peripheren Sehen sind. Wenn wir dann merken, dass es Nachbesserungsbedarf gibt, bieten wir die Möglichkeit, daran zu arbeiten.“

Stärken der Spieler durch „FIFA“ studiert

Aber wie verhält es sich denn nun mit den allseits beliebten „FIFA“-Videospielen? Mayer hat keine messbaren Zahlen dazu, weil das Spiel zu komplex ist, um es in einfachen Daten herunterzubrechen. Doch der Sportpsychologe ist sich sicher: „All diese Trainingseffekte, die wir durch Gamification erreichen wollen, werden bei ,FIFA‘ in Kombination trainiert.“

Wahrscheinlich ist also auch bei Adrian Beck der Trainingseffekt vorhanden, wenn er gegen seine Mannschaftskameraden zum „FIFA“-Duell antritt – wenn auch unbewusst. Zumindest lernt er aber die Spieler genau kennen, gegen die oder mit denen er nach seiner Zeit in der Akademie gerne auch in der Realität auflaufen würde. „Als die Profis Eduardo Vargas geholt haben, wusste ich bereits durch ,FIFA‘, dass seine Stärke vor allem die Schnelligkeit ist.“

 

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