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FRAUEN
16.05.2015

Silvana Chojnowski - Demnächst für Polen im Einsatz?

Sie stand bereits in einem WM-Finale und erzielte in der Champions League bei ihrem Profi-Debüt für den 1. FFC Frankfurt gleich ein Tor. Silvana Chojnowski hat schon in jungen Jahren einiges an internationaler Erfahrung gesammelt. 2013 wechselte sie zu 1899 Hoffenheim. Nach gutem Start wurde sie im Februar 2014 durch eine schwere Verletzung gestoppt – Kreuzbandriss bei einem Testspiel in Sand. Sie kämpfte sich durch die Reha, kehrte langsam ins Team zurück und scheint jetzt wieder ganz die Alte zu sein. Vier Tore schoss sie in den letzten zwei Monaten. Und kürzlich kam eine erfreuliche Nachricht vom polnischen Verband für sie. Sie wurde zu einem Lehrgang der A-Nationalmannschaft eingeladen. Gut möglich also, dass sie nach Martina Moser und Dóra Zeller die dritte aktuelle A-Nationalspielerin der TSG wird.

Silvana, du hast zuletzt mit wichtigen Toren auf dich aufmerksam gemacht. Fühlst du dich als Mittelstürmerin am wohlsten?

Die Tore haben mir die zentrale Position zumindest schmackhaft gemacht. Gerade das Tor in Herford war ein sehr schönes Gefühl. Zum einen das Tor selbst, aber dann auch der wichtige Sieg. Die Sechserposition reizt mich aber auch, da ist man der Dreh- und Angelpunkt und Ballverteiler. Allerdings macht man als Sechser eher Fernschüsse, vorne ist die Aufgabe Tore zu machen.

Du hast schon in jungen Jahren Erfolge gehabt, auch international. Erzähl mal deinen Werdegang.

Zunächst habe ich mit den Jungs auf der Straße gekickt. Mit neun Jahren habe ich im Verein bei PSV Blau-Gelb Frankfurt begonnen, von der D- bis zur B-Jugend habe ich dann beim FSV Frankfurt gespielt. 2011 bin ich zum 1. FFC Frankfurt gewechselt. Nach einigen Zweitliga-Einsätzen habe ich mein Debüt bei den Profis am 18. März 2012 im Champions League-Viertelfinale gegen Malmö gefeiert und gleich ein Tor gemacht. Ebenfalls 2012 stand ich mit Frankfurt im DFB-Pokalfinale und bin beim 0:2 gegen Bayern München eingewechselt worden.

Du hast auch in den Nachwuchsteams des DFB gespielt. Was war dabei dein größter Erfolg? 

Ich habe ab der U15 bis zur U20 in allen Nachwuchsmannschaften gespielt. 2010 sind wir bei der U17-EM Dritter geworden. Der Höhepunkt war 2012 das Finale der U20-WM in Japan. Ich bin im Finale eingewechselt worden. Wir haben gegen die USA 0:1 verloren und waren sehr traurig, da wir Favorit waren.

Wie kam es zum Wechsel nach Hoffenheim?

Es war sehr schwierig, bei dem guten Kader in Frankfurt Spielzeit zu bekommen. Deshalb bin ich nach Hoffenheim gewechselt.

Im Februar 2014 hast Du Dich schwer verletzt. Beschreibe mal den langen Weg zurück ins Team.

Es war bei einem Testspiel in Sand. Ich wusste gleich, es war was Schlimmes. Das hat sich bestätigt, es war ein Kreuzbandriss. Das halbe Jahr Pause war eine schwere Zeit. Zuvor habe ich jeden Tag trainiert und dann war plötzlich gar nichts mehr drin. Als ich schließlich langsam wieder angefangen habe, war das anfangs wie Schwangerschaftsgymnastik. Bei mir hat es lange gedauert, bis eine Beugung des Knies möglich war. Zum Glück wurde ich von Freunden und der Familie aufgebaut und auch in meinem Elan gebremst. Als ich zum ersten Mal wieder an den Ball durfte, hatte ich Schiss dagegen zu treten. Aber es gab keine Probleme. Ich hatte keine Defizite im Knie. Und konditionell hatte ich nach der Reha auch keine Schwierigkeiten. Nur die fehlende Spielpraxis war problematisch. Es hat gedauert, die alte Form wieder zu finden. Das Gefühl für den Raum war etwas verloren gegangen.

Hat die Verletzung dich irgendwie verändert?

Es hat vom Kopf her was gebracht. Ich habe es schätzen gelernt, Fußball spielen zu dürfen. Ich bin jetzt nicht mehr so ungeduldig, wenn irgendetwas nicht klappt.

Du hast jetzt eine Einladung vom polnischen Fußballverband zu einem Lehrgang erhalten. Möchtest Du künftig für Polen spielen? 

Der polnische Nationaltrainer hatte schon einige Male angerufen, dass ich mal zu einem Lehrgang kommen solle. Der ist nun vom 18. bis 20. Mai in Konin (nahe Posen). Ich schaue mir das jetzt mal an und versuche mir, einen Überblick zu verschaffen. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich für Polen oder Deutschland spielen will. Die Spiele für die DFB-Juniorinnen-Teams spielen dabei keine Rolle. Erst wenn ich ein A-Länderspiel für einen der beiden Verbände bestritten habe, kann ich nicht mehr für den anderen spielen. Ich kann das Niveau des polnischen Fußballs noch nicht so einschätzen, aber die Entwicklung ist wohl positiv. Natürlich ist die Nationalmannschaft für jede Bundesligaspielerin Ziel und Ansporn, auch für mich.

Und was sind deine Ziele mit Hoffenheim? 

Dass sich die Mannschaft im Mittelfeld festigt und dass niemand mehr sagt, Hoffenheim ist ein Abstiegskandidat. Die TSG ist ein bodenständiger Klub. Mir gefällt der gute Umgang miteinander. Sie legen viel Wert auf Schule und Ausbildung.

Apropos Ausbildung. Am Tag des Mittwoch-Spieles in Frankfurt hast du morgens eine Abi-Klausur geschrieben. Wie hast du diesen Tag erlebt?

Nach fünf Stunden Abi-Klausur war ich ziemlich platt. Ich hatte nur ein, zwei Stunden zum Ausruhen, dann sind wir nach Frankfurt gefahren. Aber ich war auch erleichtert, dass die letzte Prüfung vorbei war. Das Spiel abends habe ich nach dem ganzen Stress eher als Belohnung angesehen.

Was möchtest du künftig machen?

Ich möchte Sportwissenschaften studieren und später mal im Bereich Reha arbeiten. Ernährung und Mental-Coaching interessieren mich sehr. Die Arbeit mit Athleten würde mir Spaß machen. Das Abi lief gut, nur Mathe war schwierig. Ich kann es noch nicht einschätzen, was dabei raus kommt. Die Unterstützung war jedenfalls perfekt. Ich habe viel mit Christoph Häffner gelernt.

 

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