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CAMPUS
27.05.2015

Marcel Rapp: Hungrig bis zum Schluss

Die Meisterschaft der U16 ist etwas untergegangen. Nicht, weil sie nichts wert wäre oder weil die DM-Endrunde der U19 derzeit das Akademie-Geschehen überstrahlt, sondern weil sie eigentlich schon seit der Winterpause feststand. Trainer Marcel Rapp äußert sich im Interview über eine souveränen Durchmarsch und eine siegeshungrige Mannschaft.

Herr Rapp, am ersten Spieltag gab es gleich eins auf die Mütze, 3:4 zu Hause gegen den VfB Stuttgart II. Hätten Sie zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass Ihr Team in den folgenden 21 Partien ungeschlagen bleiben, 57 von 66 möglichen Punkten holen und mit 14 Zählern Vorsprung auf die Stuttgarter Kickers Meister werden würde?

Das Spiel war abgesehen vom Ergebnis nicht schlecht! Wir kannten unsere Jungs ja schon aus der U15, wo sie unter Trainer Wolfgang Heller eine positive Entwicklung genommen hatten. Die Vorbereitung verlief auch sehr gut, doch dann war gegen den VfB zu viel Respekt im Spiel. Wir haben trotz Elfmeters und Roter Karte aus einem 1:3 ein 3:3 gemacht und nur durch einen dummen Fehler das 3:4 kassiert.

Sie haben mit Alfons Amade und Tim Wöhrle von Anfang an auf zwei Spieler verzichten müssen, die gleich in die U17 hochgezogen wurden. Während der Vorrunde mussten Sie auch Julian Tomas abgeben…

Ja, alle drei sehr talentierte Jungs, aber die anderen haben das bestens aufgefangen. Sie haben über die gesamte Saison gesehen bis zum letzten Spieltag eine unglaubliche Konstanz und eine starke Siegermentalität an den Tag gelegt, die mich begeistert hat.

Gab es für Sie in einer Saison, in der gefühlt jedes Spiel gewonnen wurde, Höhepunkte?

Ja, das 6:0 im Vorrunden-Freundschaftsspiel gegen Borussia Dortmund. Überhaupt die Testspiele gegen anderen Nachwuchsleistungszentren, wo es auch Siege gegen Schalke oder ein Unentschieden gegen Bayern München gab.

Wann wussten Sie, dass diese Truppe die erste Oberliga-Meisterschaft einer Hoffenheimer U16 ohne Entscheidungsspiel eintütet?

Wir hatten das Ziel „Meisterschaft“ nie formuliert. Uns war aber früh klar, dass wir den Titel holen, wenn die Jungs ihre Leistung abrufen. So langweilig das jetzt klingt: Wir wollten einfach nur jedes Spiel gewinnen.

Wenn man sich die Torjägerliste der Oberliga Baden-Württemberg anschaut, stehen da auf Platz eins, zwei und fünf jeweils Hoffenheimer. Nils Anhölcher, David Otto und Domenico Alberico haben zusammen 54 der insgesamt 81 Treffer erzielt…

Die Zahlen sprechen für sich, aber ich möchte den Titel nicht an den Torjägern festmachen. Sicherlich war die Offensive unser Prunkstück, aber wir haben ja auch nur 20 Gegentore bekommen, hatten also auch eine gute Defensive. Wir waren in der Breite sehr stark aufgestellt. Die Jungs haben bis zum letzten Spieltag, als es schon lange um nichts mehr ging, um jeden Preis gewinnen wollen – was ihnen beim 10:1 gegen Aalen auch eindrucksvoll gelungen ist. Das hat die Mannschaft ausgezeichnet.

Zu allem Überfluss wurden Sie auch noch „Sofa-Meister“, also gar nicht auf dem Platz, sondern an einem spielfreien Tag. Haben Sie trotzdem gefeiert?

Natürlich ist es im Moment des Triumphs emotionaler, wenn man das Entscheidungsspiel in der 90. Minute gewinnt. Der Jubel bei uns war daher vielleicht etwas gedämpfter. Dennoch hatten wir ein schönes Saisonabschluss-Grillfest in der „Mühle Kolb“. Bei der Gelegenheit wurden unser langjähriger Betreuer Harry Coester sowie die beiden Spieler Moritz Haile und Nicolas Kristof, die uns im Sommer verlassen, verabschiedet.

Harry Coester…

…war unfassbar wichtig für uns. Die „gute Seele“ des Teams, ein unbezahlbarer Vertrauensmann. Überhaupt hatten wir im Funktionsteam von Co-Trainer Jens Schuster über Torwarttrainer Dominik Weber bis hin zu unserem neuen Athletikcoach Bob Schoos, der sich schnell eingearbeitet hat und sich auch ständig verbessern will, eine ausgezeichnete Chemie, die mit Sicherheit auch ihren Teil zum Erfolg beigetragen hat. Natürlich sollen dabei auch unser Physiotherapeut Björn Rein und unser Videomann Ole Mattes nicht unerwähnt bleiben!

In der kommenden Saison werden Sie diesen Jahrgang behalten und für ein Jahr die U17 in der Bundesliga übernehmen. Erwarten Sie einen erneuten Durchmarsch?

Da muss ich die Erwartungen etwas dämpfen. Die Jungs haben die Messlatte jetzt zwar sehr hoch gelegt. Wir werden aber kleinere Brötchen backen müssen, weil wir nicht wie andere Vereine personell stark nachlegen, sondern auf unsere Spieler setzen. Ich verspüre jedenfalls eine große Vorfreude und eins ist auch klar: Die Jungs haben Lust, sich Woche für Woche zu verbessern und müssen vor niemandem Angst haben. Ende Juni starten wir mit der Vorbereitung auf die Bundesliga Süd/Südwest, dann sehen wir weiter.

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