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PROFIS
28.05.2015

Alexander Rosen: "Entwicklung ist ein dynamischer Prozess"

Die Saison 2014/15 ist beendet, die TSG schließt ihre siebte Saison im deutschen Fußball-Oberhaus auf Rang acht ab. achtzehn99.de spricht mit Direktor Profifußball, Alexander Rosen, über die zurückliegende Saison und blickt mit ihm auf die kommende Spielzeit voraus.

Alexander Rosen, die Saison 2014/15 ist beendet, die TSG Hoffenheim steht in der Abschlusstabelle auf Rang acht. Wie zufrieden sind Sie als Direktor Profifußball mit dieser Spielzeit?

Alexander Rosen: Unter dem Strich steht zunächst einmal die zweitbeste Platzierung in der TSG-Bundesliga-Historie. Aber man muss auch klar sagen, dass mit etwas mehr Konstanz in der Rückrunde mehr drin gewesen wäre. Wir haben eine tolle Hinrunde gespielt - sie war die Basis dafür, dass wir bis zum Schluss von Europa träumen durften. Diese Chance haben wir uns erspielt und erarbeitet, allerdings sind wir am Ende immer wieder an der entscheidenden Hürde hängen geblieben. Solche Erfahrungen können nach einer entsprechenden Aufarbeitung aber auch dazu dienen sich weiterzuentwickeln, sodass diese Hürden irgendwann einmal genommen werden können.

Was nehmen Sie also aus der Saison mit? 

Rosen: Neben den sportlichen Erfahrungswerten, ganz sicher die starke Unterstützung, die uns von unseren Fans zuteil wurde. Wir hatten zuletzt fünfmal nacheinander ein ausverkauftes Haus, die Dauerkartenverkäufe haben zugelegt und auch auswärts war auf unsere Anhänger Verlass. Auch sie haben gespürt, dass unsere Mannschaft ein echtes Team ist – charakterlich tolle Jungs, die zu jeder Zeit an einem Strang ziehen.

Sie haben die Rückrunde bereits angesprochen. Welche Lehren ziehen sie aus ihrem Verlauf?

Rosen: Sie hat uns gezeigt, dass die akribische Entwicklungsarbeit auf sportlicher Ebene niemals abgeschlossen sein wird, sondern immer ein dynamischer Prozess bleibt. Entwicklungen von Mannschaften und Vereinen verlaufen niemals immer linear nach oben. Es gibt Phasen der Stagnation und vielleicht auch einmal einen kleinen Rückschritt. Wir kennen unseren Weg genau und vergessen vor allem nicht, wo wir herkommen und welche Möglichkeiten wir haben. Den Weg zu gehen bedeutet auch, beharrlich und geduldig weiterzuarbeiten und Ruhe auszustrahlen – als notwendige Basis für weitere Entwicklungsschritte. 

Nun geht es in die Sommerpause. Gibt es die für einen Bundesliga-Manager überhaupt oder geht die Arbeit jetzt erst richtig los?

Rosen: In der Tat liegt bei mir einiges auf dem Schreibtisch, aber da geht es mir nicht besser oder schlechter als meinen Berufskollegen nach dem Saisonende oder während der Vorbereitung. Für uns geht es darum, weiter am Profil unserer Mannschaft zu arbeiten, also an der Umsetzung der Kaderplanung für die neue Spielzeit. Irgendwann muss natürlich auch die Familie einmal zu ihrem Recht kommen, aber ich werde bestimmt nicht klagen - ich habe zwar einen sehr zeitintensiven, aber auch spannenden und erfüllenden Job.

Apropos Vorbereitung: Das Team wird Anfang Juli sein erstes Trainingslager wieder in Westerburg beziehen und Ende Juli ein längeres Camp in Norwegen. Warum eigentlich Norwegen? Hat das mit Ihrer Vergangenheit als aktiver Spieler bei Follo FK zu tun?

Rosen: Nein – die Organisation lief wie immer über unseren Leiter Spielbetrieb und Lizenzbereich, Thomas Richter sowie Lutz Pfannenstiel, der für die internationalen Beziehungen mitverantwortlich zeichnet und der ebenfalls in Norwegen spielte. Alles natürlich in enger Abstimmung mit dem Trainerteam. Vor allem hat die Auswahl damit zu tun, dass wir dort optimale Bedingungen für die intensive Vorbereitung auf die Saison vorfinden. Wir nutzen die Sportanlage des norwegischen Erstligisten Lilleström SK, die Trainingsmöglichkeiten sind also hervorragend. Und die Unterkunft bietet alle Voraussetzungen damit die Spieler nach den anstrengenden Einheiten auch entsprechend Ruhe finden und regenerieren können.

Süle, Toljan, Schwäbe, Rapp, Amiri – viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben in den vergangenen beiden Jahren eine Chance bei den Profis bekommen. Geht dieser Trend dank der erneut starken U19-Saison weiter?

Rosen: Die Entwicklung unserer Nachwuchsspieler ist herausragend und auch ein Teil des von mir schon beschriebenen TSG-Weges. Die U19, wie auch unsere anderen Nachwuchsteams, spielte wieder eine außergewöhnlich erfolgreiche Runde und der erneute Finaleinzug ist eine tolle Bestätigung für die intensive Arbeit aller Trainer, Spieler und Mitarbeiter der achtzehn99 Akademie in den vergangenen Jahren. Wir haben zuletzt viele Talente aus dem eigenen Nachwuchs erfolgreich in den Profikader integriert und werden dies auch fortsetzen. Die Talentförderung gehört zur DNA der TSG, dabei hilft auch unsere U23. Wir haben sie im Gegensatz zu anderen Klubs nicht abgeschafft, denn dort können unsere Talente wichtige Spielpraxis sammeln. Die TSG 1899 Hoffenheim ist zu einer der Top-Adressen in Deutschland geworden. Wir können optimale Voraussetzungen bieten, nicht nur im Hinblick auf  die moderne und innovative Infrastruktur. Das Ganze ist auch verbunden mit einem bodenständigen und respektvollen Umgang untereinander. Die Wertevermittlung steht bei uns im Fokus, vom Kinderzentrum bis hin zu den Profis.

Und wo wird der Weg der TSG Hoffenheim in der Bundesliga-Saison 2015/16 hinführen? 

Rosen: Wir haben in dieser Saison sicher einen Schritt nach vorne gemacht, aber die Arbeit muss und wird immer weiter gehen. Dafür haben wir in Markus Gisdol den optimalen Trainer. Um sich in einer der stärksten Ligen der Welt weiterhin zu etablieren, bedarf es Konstanz, Mut und harter Arbeit auf allen Ebenen. Wir sind ehrgeizig genug immer wieder neue Ansprüche an uns selbst zu stellen und Herausforderungen zu suchen. Welches Ergebnis dann am Ende steht hängt auch von Faktoren ab, die nicht immer aktiv zu beeinflussen sind, gerade im Hinblick auf Entwicklungen in anderen Clubs.

Woran wird konkret gearbeitet werden müssen?

Rosen: Wir haben längst damit begonnen, die abgelaufene Saison zu analysieren und die Ergebnisse in unsere Überlegungen für die Vorbereitung der neuen Spielzeit einzubauen. Markus Gisdol hat zuletzt schon einige Punkte angesprochen, etwa dass wir daran arbeiten wollen mehr Rhythmuswechsel im Spiel zwischen dem bedingungslosen Offensivspiel und dem Ballbesitzspiel zu erreichen. Darüber hinaus wollen wir es schaffen, unsere Spieler in mehr Eigenverantwortung zu drängen, damit sie die dann auch auf dem Platz zeigen und danach handeln. Wir haben einige Spieler, die diese Verantwortung tragen können und auch wollen.

Wird auf so etwas auch bei der Kaderplanung geachtet?

Rosen: Natürlich. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung unserer Ideen und ich glaube, dass die Fans sich wieder auf eine spannende Mannschaft freuen können, die für die TSG-Werte stehen wird.

Ist Kevin Volland einer der Spieler, die eine Führungsrolle einnehmen werden?

Rosen: Er ist bereits auf dem Weg dazu. Er ist schon heute eine echte Integrationsfigur für Nachwuchsspieler sowie Fans und das, obwohl er selbst erst 22 Jahre jung ist. Dazu führt er seit geraumer Zeit die deutsche U21-Nationalmannschaft als Kapitän an. Alleine seine Aussagen rund um seine Vertragsverlängerung beweisen, wie bodenständig, ehrgeizig, geradlinig und total teamorientiert er ist. Dass wir einen Spieler, dessen herausragende Fähigkeiten auch Begehrlichkeiten bei zahlreichen anderen Klubs geweckt hatten, weiter an uns binden können, beweist nicht nur die Attraktivität der TSG 1899 Hoffenheim, sondern dokumentiert auch die Entwicklung, die der gesamte Verein zuletzt genommen hat.

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