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CAMPUS
17.03.2015

„Hysterie des Körpers“: Motivationsvortrag von Joey Kelly

Den Älteren ist Joey Kelly als Mitglied des 14-köpfigen Straßenmusiker-Ensembles „The Kelly Family“ ein Begriff, die Jüngeren kennen ihn eher als Extremsportler mit diversen TV-Auftritten. Während seines Motivationsvortrags in der achtzehn99 AKADEMIE haben die Spieler von der U23, U19 und U17 beide Facetten des 42-Jährigen kennengelernt.

Nach einem erfrischend selbstironischen Rückblick auf das musikalische Schaffen der von Dan und Barbara-Ann Kelly in den 70er Jahren gegründeten Musiker-Familie mit irischen Wurzeln ging der Extremsportler nahtlos und im Eiltempo in seinen Vortrag „No Limits – Hysterie des Körpers“ über. Kelly, der kaum Atempausen einlegte, scheint mehr Kilometer gelaufen zu sein, als andere mit dem Auto zurückgelegt haben.

„Alles begann mit einer Wette“, blickte er auf seine Anfänge Mitte der 90er Jahre zurück, als er nur beim Rothsee-Marathon startete, um seiner Schwester Patricia zu beweisen, dass er ihn bestehen würde. Und das untrainiert. Die Anfänge seien hart gewesen, doch dann habe er Blut geleckt und sich immer höhere Ziele gesetzt. 1998 lief er acht Ironman in einem Jahr. Heute blickt Kelly auf unzählige Ultramarathons wie den „Marathon des Sables“ in der Sahara oder den Badwater-Run im Death Valley zurück.

Schmerzen durch Blasen am Fuß, Hitze, Kälte, Hunger, Durst – alle diese Widrigkeiten bezeichnet Kelly als „Hysterie des Körpers“. Irgendwann habe er den inneren Schweinehund überwunden, indem er einfach das Jammern eingestellt habe. „Nur wer kämpft gewinnt. Erfolg entsteht im Kopf. Nur wer weiß, welches Ziel er verfolgt, erreicht hohe Ziele.“ Das waren die ersten Kernbotschaften des Abends.

Mit 9,24 Euro durch Deutschland

Als Höhepunkt seiner Extremsport-Laufbahn bezeichnet er den Wettlauf zum Südpol, den er anlässlich des 100. Jahrestags des historischen Wettlaufs zwischen dem Norweger Roald Amundsen und dem Engländer Robert Scott gemeinsam mit TV-Moderator Markus Lanz 2010 in Angriff nahm. Lanz und Kelly traten in einem Team Deutschland gegen eine von Ski-Legende Hermann Maier angeführte österreichische Truppe an – und verloren. „400 Kilometer bei minus 40 Grad in zehn Tagen“, so Kelly stolz. „Das ZDF hat sich die Dokumentation eine Stange Geld kosten lassen.“

An die Extremleistungen Kellys hatte sich der Zuhörer zu diesem Zeitpunkt schon gewöhnt. Aber Markus Lanz? Ja, Markus Lanz. Der TV-Moderator habe, so Kelly, zwei entscheidende Dinge mitgebracht, die zu Erfolg führen. „Erstens: Gute Stimmung. Sie hält das Team zusammen und überwindet Grenzen. Zweitens: Respekt und guter Ton.“ Die zweite Kernbotschaft des Abends.

Inspiriert vom Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg nahm Kelly im selben Jahr die nächste Herausforderung an: Deutschland in weniger als drei Wochen zu Fuß ohne Hilfsmittel zu durchlaufen. „Ich habe lediglich 9,24 Euro für eine Plane zum Drauflegen und Zudecken investiert.“ Während der 900 Kilometer von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze habe er kein Geld ausgeben und sich nur von dem ernähren dürfen, was die Natur so anbot. „Ich habe Schnecken gesammelt und das Glück gehabt, auf einen frisch überfahrenen Hasen zu treffen. Der war noch warm.“ Stille im Saal. Aber es kam noch schlimmer: „Eine tote Katze habe ich auch gefunden, aber die lag schon eine Woche da.“ Solche Anekdoten verliehen dem Vortrag unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt eine kurzweilige Würze.

Nach 17 Tagen und 23 Stunden erreichte Kelly sein Ziel, 15 Kilogramm hatte er während dieser Zeit abgenommen. „Ob das alles gesund ist? Nein! Aber die Disziplin, das Training, die Ausdauer, der Wille und die Leidenschaft bringen dich weiter.“ Die dritte Kernbotschaft. No Limits – so ganz ohne Grenzen geht es aber auch bei Kelly nicht. Sein Management untersagte achtzehn99tv, einen Beitrag über diesen Abend zu drehen. Er werde dann nervös und breche den Vortrag ab, hieß es.

Dirk Mack, der Leiter des Hoffenheimer Nachwuchsleistungszentrums, verabschiedete Kelly mit einem Trikot-Geschenk. „Ich bin begeistert über die Leistungen und die Art und Weise, wie sie Joey Kelly transportiert hat. Wir haben heute viele Botschaften bekommen, die auch im Fußball wichtig sind und die sich unsere Spieler auf ihrem weiteren Weg vor Augen halten sollten.“

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