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CAMPUS
29.05.2014

U19: Der Weg zum Titel (Teil 1)

Zum ersten Mal überhaupt ist eine Hoffenheimer A-Jugend Süddeutscher Meister. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann hat auf dem Weg zum Premierentitel einige vereinsinterne Rekorde aufgestellt, ein Spaziergang war das allerdings nicht. In einer zweiteiligen Serie schauen wir auf elf spannende Monate vom Trainingsstart bis zum 2:1 am letzten Bundesliga-Spieltag gegen den FC-Astoria Walldorf vergangenen Sonntag zurück.

Bereits im April 2013 war klar, dass es einen Wechsel auf der U19-Trainerbank geben würde. Thomas Krücken, der gerade erst den Punkterekord einer TSG-A-Jugend in der Bundesliga (50) geknackt hatte, sollte als U23-Chefcoach aufrücken, mit Julian Nagelsmann stand sein Nachfolger bereits fest. Der Landsberger, im Sommer 2010 in den Kraichgau gekommen, kehrte von seinem Intermezzo als Profi-Co-Trainer in die Akademie zurück. In einem dramatischen Saisonfinish hatte er in der Relegation gegen den 1.FC Kaiserslautern den Klassenerhalt mitfeiern dürfen und nach eigener Aussage in sechs Monaten fünf Jahre erlebt.

„Das wird nicht einfach, die Mannschaft besteht aus vielen verschiedenen Charakteren und ist sehr jung. Aber wenn es uns gelingt, aus den guten Individualisten ein Team zu formen, werden wir auch oben mitmischen“, prognostizierte Nagelsmann nach dem Trainingsauftakt forsch, erhielt aber wenige Tage vor seinem 26. Geburtstag einen kleinen Dämpfer. Beim Inselcup der SpVgg 03 Ilvesheim kassierte die U19 im Halbfinale gegen den Regionalligisten Ludwigshafener SC eine bittere 0:1-Niederlage und musste sich am Ende mit Platz drei begnügen.

Mainzer Weckruf

Der Kader setzte sich aus acht Spielern der vorjährigen U19 zusammen, hinzu kamen 14 Jungs aus der U17 und mit Junioren-Nationalspieler Benjamin Trümner von Hessen Kassel sowie Grischa Prömel von den Stuttgarter Kickers gerade mal zwei externe Neuzugänge. Verzichten musste Nagelsmann hingegen auf Niklas Süle, der als A-Jugendlicher bereits den Sprung zu den Profis geschafft hatte.

Der Saisonstart ging Anfang August mit einem 1:2 beim 1.FSV Mainz 05 in die Hose. „In Mainz kann man verlieren, aber nicht so“, fand Nagelsmann damals deutliche Worte. „Das Ergebnis war eher zu niedrig, in dieser Verfassung haben wir in der Tabelle oben nichts zu suchen.“ Es war ein Weckruf zur rechten Zeit, auch wenn die U19 in den folgenden Partien zu Hause gegen den VfB Stuttgart (1:1) und bei Eintracht Frankfurt (0:0) weiter ohne Sieg blieb. Erst beim 3:0 gegen die SpVgg Unterhaching am 30. August platzte ergebnismäßig der Knoten.

Das Team nahm langsam Fahrt auf und empfing nach dem 4:0-Heimsieg über Wacker Burghausen im dritten Heimspiel hintereinander den Spitzenreiter TSV 1860 München, der – was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste – der härteste Konkurrent im Titelrennen werden sollte. Bereits nach vier Minuten sorgte Erdal „Speedy“ Öztürk für das Tor des Tages und für ausgelassenen Jubel beim 1899-Trainerteam. „Die Münchner sind keine Thekentruppe. Den Hoffenheimer Nachwuchsteams wird oft mangelnde Aggressivität nachgesagt, meine Mannschaft hat heute das Gegenteil bewiesen“, lobte Nagelsmann den starken Auftritt seiner Jungs, die sich auf Platz fünf vorschoben.

Durch einen 3:1-Erfolg beim 1.FC Kaiserslautern übernahmen die Hoffenheimer erstmals, aber nur für kurze Zeit, die Tabellenführung, doch obwohl sie schon in dieser frühen Phase der Saison zu einer harmonischen Einheit verschmolzen waren und sich Spiel für Spiel jede Menge Torchancen kreierten, ließ die Auswertung zu wünschen übrig. Nach dem 1:3 beim SC Freiburg sprach Nagelsmann gemessen am Spielverlauf von einem „unfassbaren Ergebnis“ und polterte selbst nach dem 2:2 beim Klassenprimus FC Augsburg: „Wir wollen ein Spitzenteam sein, machen aber die einfachsten Dinger nicht rein. So sind wir nur eine graue Maus im Mittelfeld.“

Erst graue Maus, dann Gala-Auftritt gegen Bayern

Es blieb wechselhaft. Dem fulminanten 4:1-Derbysieg über den Karlsruher SC folgte ein ernüchterndes 2:4 bei der SpVgg Greuther Fürth und der Sturz auf Platz sechs. Von da an ging es allerdings nur noch bergauf, obwohl sich Nagelsmann und Athletiktrainer Kai Kraft neben dem Trainingsalltag auch noch erfolgreich um die Implementierung eines neuen Trackingsystems kümmern und aufgrund des hohen Medieninteresses für diese Technologie von einem Interview-Termin zum nächsten eilen mussten.

Die Spieler waren entspannt. So nutzten etwa Nicolas Sessa, Steffen Nkansah und Tim Eiben einen trainingsfreien Nachmittag, um dem Alten- und Pflegeheim Katharinenstift Sinsheim einen Besuch abzustatten – eine tolle Geste. Benjamin Trümner feierte derweil sein Debüt in der U19-Nationalmannschaft mit einem 4:3-Erfolg über Frankreich.

Als Tabellensechster trafen die Hoffenheimer Ende November zu Hause auf den Vorjahresmeister FC Bayern München mit ihrem neuen Trainer, den Champions League erfahrenen Heiko Vogel, und lagen nach 26 Minuten 0:2 zurück. Es folgte das, was Nagelsmann später als ersten von zweiten Knackpunkten in dieser Saison bezeichnen würde: Barış Atik, Bahadır Özkan, Joshua Mees und zwei Mal Benjamin Trümner schossen ein denkwürdiges 5:2 heraus – die ganze Mannschaft sendete das deutliche Signal, dass sie mehr kann und will als einfach nur gut Fußball spielen.

Auf Platz drei in die Winterpause

Durch einen ungefährdeten 4:1-Sieg im Derby bei Astoria Walldorf beendeten die Hoffenheimer ihre drei Partien währende Durststrecke auf fremden Plätzen und hatten im letzten Spiel 2013 sogar die Chance, an die Spitze zurückzukehren. Zum Rückrundenstart kreuzte der 1.FSV Mainz 05 im Dietmar-Hopp-Stadion auf, doch trotz drückender Überlegenheit reichte es nur zu einem 1:1. Obwohl die U19 somit mit 25 Zählern als Dritter hinter dem VfB Stuttgart (27) und Mainz (26) in die Winterpause ging, zog Nagelsmann eine positive Zwischenbilanz: „In bisher 14 Spielen waren wir nur einmal nicht das bessere Team: Beim 1:2 am ersten Spieltag in Mainz.“

Für Nicolas Sessa, Steffen Nkansah und Nadiem Amiri endete das Kalenderjahr im Kreis der deutschen U18-Nationalmannschaft, die bei einem Vier-Nationen-Turnier in Israel Platz zwei belegte. Der Bundesliga-Spielbetrieb sollte nun aber bis zum 9. Februar 2014 ruhen. Anspruchsvoller hätte die erste Aufgabe nach der langen Pause nicht sein können: Der Terminplan bescherte der U19 ein Auswärtsspiel beim Spitzenreiter VfB Stuttgart…

Lesen Sie hier Teil 2 des Rückblicks auf die Meistersaison 2013/14!

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