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20.10.2013

Diskussionsstoff

Jeder kennt das - am Samstagabend sind Freunde zu Gast und es gibt zum Leidwesen mancher und zur Freude vieler nur ein Thema. Die Bundesliga. Fast Jeder hat etwas zu sagen, und ganz sicher hat jeder eine Meinung. Der Fußball, die Bundesliga - bieten immer Stoff für Diskussionen.

Und dann gibt es Situationen und Spiele, die noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die auch in den Medien tagelang im Mittelpunkt stehen. Beispiele gibt es viele - das Eigentor von Cottbus-Keeper Tomislav Piplica, die Schalker Meisterschaft der Herzen, Jürgen Klinsmanns Tonnentritt, Giovanni Trapattonis Wutrede, Ewald Lienens Oberschenkel, Frank Mills Fehlschuss und Thomas Helmers Phantomtor, um nur einige zu nennen. Seit Freitagabend hat die Bundesliga-Geschichte einen neuen Moment für diese prominente Liste.

1899 war hautnah dabei. Leider. Es läuft die 70. Minute in der Partie gegen Leverkusen in der heimischen WIRSOL Rhein-Neckar-Arena. Eckball Bayer 04. Kopfball Stefan Kießling. Ans Außennetz. Aber durch ein Loch in den Maschen liegt das Leder auf einmal im Tor. Schiedsrichter Dr. Felix Brych erkennt das "Phantomtor" an. Leverkusen führt mit 2:0.

Reduktion auf den Moment

Was danach noch folgt, ist ein Krimi von Format - 1899 bekommt einen Elfmeter zugesprochen, aber Roberto Firmino scheitert an Bayer-Torhüter Bernd Leno. Im anschließenden Getümmel, treffen gleich zwei Leverkusener Spieler den eigenen rechten Torpfosten. Sven Schipplock verkürzt kurz vor Ende der regulären Spielzeit auf 1:2. In der Nachspielzeit stürmt selbst Koen Casteels bei einer TSG-Ecke mit in den gegnerischen Strafraum. Die Bemühungen bleiben vergebens. 1899 verliert mit 1:2. 20 aufregende Minuten, die aber schnell vergessen sind. Die Partie 1899 gegen Leverkusen am neunten Spieltag der laufenden Saison wird wohl auf ewig auf diesen einen Moment - das Phantomtor von Stefan Kießling - reduziert werden.

Laien und Fachmänner, Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Ex-Spieler und Ex-Schiedsrichter - sie alle werden zum Geschehenen befragt. Dabei gibt es zwei Hauptdiskussionspunkte. Erstens die Torlinientechnik, die ein Phantomtor dieser Art unmöglich machen würde und zweitens: Gibt es ein Wiederholungsspiel? Die TSG hat beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) fristgerecht Protest gegen die Wertung des Spiels eingelegt. Damit hat 1899 seine Hausaufgaben im Sine des Fairplays gemacht. Alles Weitere liegt nicht in der Hand der Kraichgauer. Der DFB und in letzter Instanz der Weltfußballverband (FIFA) entscheiden, ob das Spiel wiederholt wird.

"Die FIFA ist maßgeblich"

Das ist der Wunsch der TSG. Eine Wiederholung in voller Länge, nicht nur eine Wiederholung der letzten 20 Minuten. Wie die Chancen stehen?

Es gibt den Präzedenzfall Helmer - nach dessen Phantomtor gegen Nürnberg vor 19 Jahren wurde das Spiel der Bayern gegen den Club wiederholt, aber die FIFA hat den Wert der Tatsachenentscheidung durch den Schiedsrichter in den vergangenen Jahren immer wieder gestärkt. Eine Aussage über den Ausgang des Einspruchs ist daher kaum zu treffen. Sicher scheint derzeit nur, dass die Entscheidung nicht in dieser Woche fallen wird. Am 24. und 25. Oktober (Donnerstag und Freitag) tritt der DFB-Bundestag in Nürnberg zusammen. Dann könnte es in der Zusammensetzung des Sportgerichts Änderungen geben - diese will man beim Verband abwarten.

Dr. Rainer Koch, zuständiger DFB-Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen, erklärte: "Entscheidend ist für uns, welche Möglichkeiten uns die sportrechtlichen Statuten und Vorgaben überhaupt geben, denn letztlich ist die FIFA bei einer solchen Entscheidung maßgeblich."

Was 1899-Trainer Markus Gisdol, Mittelfeldspieler Eugen Polanski und Alexander Rosen, Direktor Profifußball im Kraichgau, zum Phantomtor sagen, sehen & hören sie hier.

Daten & Fakten zum Spiel »

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