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ALLGEMEIN
11.04.2013

Dietmar Hopp: "Wir sind kein Projekt, sondern ein Verein" (Teil 2 )

1899-Gesellschafter Dietmar Hopp spricht im zweiten Teil dieses Interviews über die Aufgaben von Alexander Rosen und Markus Gisdol, über den Verein an sich und über das, wofür die TSG steht.

Hoffenheim hat derzeit einen Kader von 33 Profis. Fast alle Verträge gelten auch für die zweite Liga. Würde es trotzdem einen Umbruch geben - und wie würde der aussehen?

Wir lassen uns von niemandem treiben. Wir werden in aller Ruhe abwarten, wie die Saison zu Ende geht. Es wird keine Schnellschüsse, sondern eine gründliche Analyse geben. Wir brauchen eine Grundlage, auf der je nach Anforderung die für notwendig erachteten Entscheidungen getroffen werden. Konzeptionell, strategisch. Dafür stehen Alexander Rosen und Markus Gisdol. Sie werden die richtigen Antworten auf alle sportlichen Fragen geben.

Was sich alle fragen: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, Nationaltorwart Tim Wiese zu verpflichten - und wie wollen sie dieses Personalproblem lösen?

Wer ist alle? Wir haben uns für getroffene Personalentscheidungen nicht zu rechtfertigen. Was Personalfragen angeht, so werden wir diese wie es sich für einen Klub mit Stil gehört, immer mit den Betroffenen selbst und damit intern klären bzw. lösen. Keiner im Verein muss sich dafür öffentlich verteidigen. Wenn man im letzten Drittel einer Saison am Ende der Tabelle steht, hat man nicht alles richtig gemacht. Dessen sind wir uns bewusst. Im Nachhinein Entscheidungen zu bereuen oder öffentlich zu bejammern, bringt aber niemandem etwas und es ist auch nicht unsere Art. Ebenso wenig wie Schuldzuweisungen. Für uns alle ist diese Situation unbefriedigend und deshalb ist sie Ansporn, es künftig besser zu machen. Die Weichen dafür haben wir gestellt.

In der heutigen Bundesliga-Mannschaft spielt kein einziges Eigengewächs. Bereits im vergangenen Sommer und vor allem in diesem Winter wurden Profis aus aller Welt zusammengekauft. Was ist noch übrig geblieben von ihrer Vision mit jungen Spielern, möglichst sogar aus der Region?

An diesem Konzept und diesem Ziel hat sich nichts geändert – im Gegenteil. Mit der Verpflichtung von Markus Gisdol als Trainer und Alexander Rosen als Leiter Profifußball wollen wir dokumentieren, dass wir diesen einst eingeschlagenen Weg künftig zielstrebiger denn je beschreiten wollen und werden. Unabhängig davon investieren wir sehr viel in den Nachwuchs und ich denke, unsere Arbeit auf diesem Gebiet findet hohe Anerkennung. Wir arbeiten erfolgreich, das zeigen die Platzierungen unserer Nachwuchsteams, aber wir brauchen Geduld. Wir haben den jungen Leuten gegenüber eine Verantwortung.

Ist das so grandios gestartete Projekt 1899 Hoffenheim gescheitert?

Die TSG 1899 Hoffenheim ist kein Projekt, sie ist ein Verein. Beim ‘Projekt Hoffenheim' handelte es sich um den geplanten Aufstieg in die Bundesliga, das seit geraumer Zeit erfolgreich abgeschlossen worden ist. Häme ist also völlig fehl am Platz. Wir hatten Konzepte in der Vergangenheit, wir haben ein sehr klares Konzept für die Zukunft und vergessen Sie nicht: Wir haben eine Verantwortung für alle Menschen in unserem Verein. Wir sind im Erfolg nicht abgehoben und werden nicht verzagen, nur weil es mal schlechter läuft. Das ist Sport. Zwischen siegen und scheitern gibt es etwas.

Für was soll Hoffenheim in der Zukunft stehen?

Für das, wofür wir auch in der Vergangenheit standen. Wir sind ein Verein, der weiß, woher er kommt. Der bodenständig ist und bescheiden auftritt, in der Region verwurzelt und den Menschen Identifikation stiftend ist. Wir gehören zur Metropolregion, stehen zu unserer Heimat, sind modern und innovativ und bieten ein Förderkonzept, das nicht nur bundesweit hohe Beachtung findet. Um all dies zu leben ist eine Zugehörigkeit zur Bundeliga wünschenswert und fortwährendes Ziel unserer Bemühungen. Aber sie ist nicht durchweg eine notwendige Voraussetzung. Bodenständigkeit bedeutet auch: Niederlagen demütig zu akzeptieren und daraus Stärke zu ziehen.

Ein führender Funktionär eines Konkurrenz-Clubs sagte kürzlich: Die ganze Liga freut sich, wenn Hoffenheim runter muss. Sagt Ihnen das auch jemand ins Gesicht?

Mir darf jeder alles ins Gesicht sagen, wenn es in einem von gegenseitigem Respekt geprägten Gespräch geäußert wird. Abgesehen davon denke ich nicht, dass ich anonyme Aussagen, die ich auch nicht verifizieren kann, kommentieren will und sollte.


Wenn im Trainingszentrum in Zuzenhausen mal wieder ein neuer Trainer oder Manager vorgestellt wird, sind Sie nie dabei. Warum entziehen Sie sich den Fragen der Journalisten?

Es gehört nicht zu meinen Aufgaben, zu jeder Zeit und zu allem in aller Öffentlichkeit Stellung zu beziehen. Ich mache das, wie in diesem Fall, von Zeit zu Zeit aber gerne und entziehe mich auch nicht den Fragen. Ich habe nichts zu verbergen. Wie schon erwähnt: Wir müssen uns für unser Handeln hauptsächlich vor uns selbst, den Menschen im Verein und der Region rechtfertigen, und nicht pausenlos in den Medien produzieren.

Sie haben den ersten Teil des Interviews am Mittwoch verpasst? Einfach hier klicken und lesen...

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