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AKADEMIE
10.04.2013

Benjamin James: Unterwäschemodel und WM-Fahrer

An der Kabinentür der U14 prangt ein Plakat, auf dem neben den Bildern mehrerer Ikonen des Weltsports auch die Porträts der U14-Spieler zu sehen sind. In der Mitte steht das Motto „When the jungle is tough, we need players like this“. Einer von vielen Motivationssprüchen aus dem Gedankengut von Co-Trainer Benjamin James. Der Zweimetermann hat allerdings viel mehr zu bieten als flotte Sätze. achtzehn99.de stellt den ehemaligen nigerianischen Nationalspieler näher vor.

„Ben“ James, am 28. Dezember 1970 in Nigerias Hauptstadt Lagos geboren, wusste schon früh, wohin ihn sein Weg führen sollte. Dem Klischee entsprechend lernte er barfüßig auf staubigen Straßen das Fußball-ABC und eiferte seinem älteren Bruder Timiye nach. Mit 17 unterschrieb James seinen ersten Profivertrag beim „Stationery Stores FC“ und landete anschließend beim „Police Machine Team“, für das er in der Zweiten Liga 23 Tore markierte. „Goals are the beauty of the game“ … auch so ein Spruch, den alle Hoffenheimer Spieler verinnerlicht haben, die durch das U14-Team gekommen sind.

Mit dem Wechsel ins Landesinnere zum Erstligisten JIB Rock Strikers aus Jos gelang ihm der endgültige Durchbruch, 1990 wurde er zu Nigerias Spieler des Jahres gewählt. Als Innenverteidiger waren ihm 17 Tore gelungen, keine schlechte Quote. Rashidi Yekini, die kürzlich verstorbene Stürmerlegende des Landes, hatte im selben Jahr 21 Treffer markiert. Zu diesem Zeitpunkt war Clemens Westerhof, niederländischer Trainer der „Super Eagles“, längst auf James aufmerksam geworden und machte ihn zum Nationalspieler. Auch wenn das große Geld in der ersten nigerianischen Liga nicht zu verdienen war, so waren doch die Zuschauerzahlen nicht schlecht. „Wir haben zeitweise vor 50.000 Menschen gespielt, das war ein gutes Gefühl“, erinnert sich der 42-Jährige gerne zurück.

Zur WM 1994 in die USA

Im ECOWAS Cup, einem Turnier für westafrikanische Auswahlteams (ECOWAS ist die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft), feierte er erste Erfolge und war auch Teil jener „Super Eagles“, die sich für die WM 1994 in den USA qualifizierten. James gehörte zu Westerhofs WM-Kader, erlitt aber in einem Freundschaftsspiel gegen die Elfenbeinküste eine Kreuzbandverletzung und musste passen. Zwar nahm ihn der Coach trotzdem mit in die Vereinigten Staaten, allerdings nur als Zuschauer. Und dennoch war es ein tolles Gefühl, bei der starken Vorstellung dabei gewesen zu sein, als Nigeria im Achtelfinale nur äußerst unglücklich am späteren Finalisten Italien mit 1:2 nach Verlängerung scheiterte. Viele Weggefährten aus jener Zeit – wie etwa der frühere Eintracht-Profi Jay-Jay Okocha oder Ajax-Star Finidi George – gehören noch heute zu James‘ Freundeskreis und besuchen ihn in seiner neuen Heimat Mannheim.

In die Quadratestadt kam James über Umwege. Nach einem Intermezzo beim nigerianischen Traditionsklub „Shooting Stars“ aus Ibadan wechselte er nach Italien zu Novara Calcio und verhalf den Norditalienern zum Zweitliga-Aufstieg. In der nahegelegenen Mode-Metropole Mailand fand er nicht nur seine Freunde George Weah (Milan) und Taribo West (Inter) wieder, sondern jobbte nebenbei als Unterwäschemodel für den Designer Rocco Barocco. Seine sportliche Karriere war derweil etwas ins Stocken geraten, schuld daran waren zwei Kreuzbandrisse und Sprunggelenksverletzungen.

1997 holte ihn Carl Zeiss Jena in die Zweite Liga, doch schon im ersten Spiel gegen Wattenscheid verletzte er sich erneut. Seine Comeback-Versuche wurden von rassistischen Schmährufen begleitet, so dass ihm Jenas Präsident – der ehemalige DDR-Nationalspieler Lothar Kurbjuweit – trotz eines gültigen Dreijahresvertrags einen Wechsel nahelegte. Und so landete James beim Regionalligisten VfR Mannheim, wo er seine Karriere langsam ausklingen ließ und in der Folge nur noch für unterklassige Vereine spielte.

"Goals are the beauty of the game"

2005 kam der gläubige Christ, der sich im Ludwigshafener „House of Destiny“ kirchlich engagiert, nach Hoffenheim, seit 2006 ist er Co-Trainer von Fußballlehrer Wolfgang Heller in der U14, die es in den zurückliegenden Jahren von der Landesliga Rhein-Neckar zur Oberliga-Meisterschaft brachte. Nebenbei ist er als Greenkeeper für die Rasenpflege in Hoffenheim und Zuzenhausen zuständig. Seinem Heimatland stattet er mindestens einmal im Jahr einen Besuch ab. Dann hat Ben James als „Goodwill Ambassador“ der „Son of Africa Foundation“ unter anderem auch ausgemusterte Trikots und Trainingsmaterialien im Gepäck. Die Organisation unterstützt unterprivilegierte Kinder und Jugendliche auf dem Schwarzen Kontinent. „Ich sehe das als meine Pflicht an und es bereitet mir große Freude, den Kindern zu helfen“, sagt der Vater von vier Kindern: Die Zwillinge Kingsley und Blessing (25), der 17-jährige Roy und Nesthäkchen Ronney (7).

Roy James sollten Sportfreunde der Region auf dem Zettel haben. Denn obwohl er durchaus erfolgreich beim SV Waldhof Mannheim Fußball spielte, entschied sich James jr. für den Handball. Seit seinem 14. Lebensjahr wohnt Roy im Internat der Rhein-Neckar Löwen und durfte schon als B-Jugendlicher Einheiten bei den Bundesliga-Profis bestreiten und hat in der von Klaus Gärtner trainierten "Zweiten" bereits Drittliga-Luft geschnuppert. Experten prophezeien dem Allrounder eine Karriere als Profi. Wie für seinen Vater gilt auch für Roy James: „Goals are the beauty of the game.“

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