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FRAUEN
05.03.2013

Frauen: Schlüssel zum Erfolg

Seit einem Jahr ist Birgit Prinz für die sportpsychologische Betreuung der Junioren, Frauen und Juniorinnen bei 1899 Hoffenheim zuständig. Im Interview spricht die 35-Jährige über die Sportpsychologie im Allgemeinen, ihre Arbeit in der achtzehn99 Akademie und eigene Erfahrungen.

Wie bist Du dazu gekommen, Psychologie zu studieren?

Ich hatte vorher schon eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und in dem Job gearbeitet, meine Trainerscheine gemacht und aktiv Fußball gespielt. Dann wollte ich mir noch eine weitere Perspektive für die Zukunft eröffnen, die gut zu den Dingen passt, die ich bereits getan hatte und mich interessiert. Psychologie ist es geworden, weil mich Menschen mit ihrem Denken, Handeln und Fühlen interessieren.

Worum geht es in der Sportpsychologie?

In meinen Augen bringt die Sportpsychologie zwei interessante Bereiche zusammen und ermöglicht so ein spannendes Arbeitsfeld. Es geht es darum, dass die Athleten in der Lage sind, zum gewünschten Zeitpunkt die optimale Leistung abzurufen. Dies geschieht hauptsächlich durch eine gezielte Arbeit an der Aufmerksamkeitskontrolle, der Emotionsregulation, der Konzentration, und des Selbstvertrauens. Weiterhin soll der Athlet unterstützt werden, sich zu einer reflektierten Persönlichkeit zu entwickeln. Ein weiterer Aspekt ist die Unterstützung des Athleten in Krisensituationen und bei Problemen sportlicher, als auch persönlicher Natur.

Warum ist sie im Leistungssport so wichtig?

Leistungssport bringt Menschen in extreme Situationen, sie stehen unter einem hohen Druck, sind häufig an ihren körperlichen Belastungsgrenzen. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg besteht häufig nur aus Nuancen und die Menschen erreichen schon in sehr jungen Jahren ihr Leistungsmaximum. Um in dieser Situation erfolgreich sein zu können, ist die Regulation von Kopf und Emotion ein Schlüssel zum Erfolg.

Kannst Du von eigenen Erfahrungen und Situationen berichten, in denen Dir die Sportpsychologie dann weitergeholfen hat?

Leider hatten wir erst sehr spät einen Sportpsychologen bei der Mannschaft dabei, so dass ich mir die meisten Dinge selber aneignen musste. Das passierte häufig nach einem „Trial and Error Prinzip“. Mit sportpsychologischer Unterstützung hätte ich mir so manches an Erfahrung ersparen können.

Trotzdem habe ich schon nach der WM 2003 mit einem Sportpsychologen zusammen gearbeitet, um mit den Ansprüchen der Öffentlichkeit und den gewachsenen Ansprüchen an meine Person nach dem WM-Sieg besser zurecht zu kommen und meinen eigenen Weg in der Karriere zu finden.

Was sind Deine Aufgaben in der Akademie?

Ich bin für die sportpsychologische Betreuung der Mannschaften U12 bis U16 im Juniorenbereich und für die Frauen- und Juniorinnenabteilung zuständig. Hauptsächlich geht es hier um Ausbildung von psychologischen Fertigkeiten.

Wie arbeitest Du mit den Spielern zusammen und wie nehmen die Junioren Deine Arbeit auf?

Das kommt natürlich auf das Alter und das Anliegen an, grundsätzlich kann ich aber sagen, dass die Jungs insgesamt sehr interessiert sind und die sportpsychologischen Bausteine gerne als Elemente ihrer fußballerischen Ausbildung und Entwicklung annehmen.

Kannst Du kurz skizzieren wie eine sportpsychologische „Behandlung“ aussieht?

Eine Behandlung oder die typische sportpsychologische Betreuung gibt es eigentlich nicht. Vielmehr ist es eine weite Palette, die von Einzelgesprächen, über Team-Workshops bis hin zu Maßnahmen auf dem Trainingsplatz reicht.

Warum kann der Fußball, der für die jungen Spieler und Spielerinnen in erster Linie noch Hobby ist, schon zum psychologischen Problem werden?

Psychologie bedeutet nicht hauptsächlich Problem! Unser Ziel ist es, mit den Spielerinnen und Spielern zu arbeiten, bevor Probleme entstehen.

Schon auf den jungen Spielern lastet ein hoher Druck. Wie viel Druck kommt von außen, wie viel von den Spielern selbst?

Auch das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Spieler haben keinerlei Druck von außen, bei anderen sind die Eltern und auch die Trainer sehr ehrgeizig und anspruchsvoll. Ich denke, hier reicht die Palette von fast weiß über alle Graustufen bis hin zu schwarz.

Wie bist Du selbst früher mit dem Druck umgegangen?

Meistens habe ich den Druck als Herausforderung und als reizvolle Aufgabe angesehen, die ich erfolgreich bewältigen wollte. Für mich war es nur sehr schwierig, wenn ich das Gefühl hatte, der äußere Fokus liegt zu sehr auf mir und ich Angst hatte, diesen Erwartungen nicht zu genügen.

Stehst Du in Kontakt mit Jan Mayer? Arbeitet Ihr auch zusammen?

Jan und ich arbeiten sehr gut zusammen und betreuen zusammen die U17-Junioren. Normalerweise sehen wir uns einmal die Woche und besprechen die Themen aus unseren Bereichen, um diese möglichst eng zu verzahnen und abzustimmen und so für den Verein eine gemeinsame Linie zu fahren.

Wie sieht das Konzept bei den Frauen und Juniorinnen aus?

Das Konzept ist ganz ähnlich wie bei den Jungs und beinhaltet die Hauptschwerpunkte Mentales Training, Selbstgesprächsregulation, Motivation und Aktivationsregulation. Ziel wird es auch hier sein, eine gute Mischung aus Ausbildung von psychologischen Fähigkeiten und individueller Unterstützung hinzubekommen.

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