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15.06.2012

U17-Juniorinnen: "Es war wie im Flow-Zustand"

Die U17-Juniorinnen haben 1899 Hoffenheim froh gemacht. Als dritte Nachwuchsmannschaft nach den B-Junioren 2008 und den A-Junioren 2010, holten die B-Juniorinnen mit dem Gewinn der Deutschen U17-Meisterschaft den nächsten Titel nach Hoffenheim. Im Interview spricht das Trainerteam um Frank Fürniß und Tarek Betz über die herausragende Saison und darüber, wie es im kommenden Jahr weitergeht.

Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft. Habt Ihr es schon endgültig realisiert?

Betz: Noch nicht wirklich. Die letzten drei Wochen ging alles sehr schnell. Die Saison hat mit Siegen gegen die Mitfavoriten Freiburg und Sindelfingen richtig gut begonnen. Bis zur Meisterschaft ging es so weiter. Die erste in den drei Jahren, seit ich bei Hoffenheim bin. Was danach kam, war einfach nur der Wahnsinn. Wie im Zeitraffer kam mir diese Phase vor. Alle waren sehr konzentriert und haben an einem Strang gezogen. Ein regelrechter Flow-Zustand, der nicht enden wollte. Bis zum Finalsieg – ein schöner Erfolg.

Fürniß: Aus Trainer- und Vereinssicht war es ein großes Ausrufezeichen. Die Meisterschaft beweist, dass die Jugendarbeit und die Abstimmung zum U15- und Frauenbereich im Verein bestens funktionieren. Die Meisterschaft ist der Lohn für alle. Wir sind auf einem sehr guten Weg, unser Konzept umzusetzen. Auch für mich als Trainer ist es eine überragende Sache.

Die U17 hat eine tolle Saison gespielt. Wie stolz seid ihr, dass ihr jetzt auch noch die Schale in den Händen halten könnt?

Betz: In erster Linie sind wir stolz auf die Mädels, die viel für den Sport opfern und sich mit diesem Erfolg selbst belohnt haben. Viel wichtiger für uns war, zu sehen, dass unsere Arbeit die Spielerinnen bei uns im Verein weiter bringt. Dass eine Entwicklung erkennbar ist und wir im Trainerteam unseren Teil dazu beitragen können. So ein Titel ist dann wie das Sahnehäubchen. Die Schale ist ein Zeichen dafür, dass das ganze Konzept hier auf dem richtigen Weg ist und motiviert uns, nicht nachzulassen. Am Sonntag gibt's die Ehrung zur Oberligameisterschaft und danach wird gefeiert. Das hat die Mannschaft sich verdient. Alle zusammen, auch die, die in der Endrunde nicht im Kader standen. Danach geht der Blick auch schon wieder nach vorne Richtung Bundesliga. Zufriedenheit bedeutet Stillstand. Es geht immer weiter…

Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen kontinuierlich gesteigert – War es der unbedingte Wille und war Hoffenheim am Ende hungriger auf den Titel als Potsdam, für das Titelgewinne wahrscheinlich nichts Besonderes mehr sind?

Betz: Das glaube ich nicht unbedingt. Es kommen ja immer wieder jüngere Spielerinnen nach, die noch keinen Titel gewonnen haben. Potsdam ist als Favorit in dieses Spiel gegangen, was ihnen möglicherweise etwas den Biss genommen hat. Die Außenseiterrolle lag uns gut. Ich denke, unsere Mannschaft hat mit ihrer Entschlossenheit und dem absoluten Willen, hier zu gewinnen und den Titel zu holen, ‚der Turbine etwas den Stecker gezogen‘. In der ersten Halbzeit wurden sie von unserem Tempo und der Effektivität vor dem Tor förmlich überrollt. Im zweiten Abschnitt war klar, was kommt – da hatten wir dann auch das nötige Glück, kein frühes Gegentor zu bekommen. Die Leistungssteigerung unserer Mannschaft von der Süddeutschen über die Zwischenrunde bis zum Finale war wirklich bemerkenswert. Die Mannschaft ist mit ihren Aufgaben gewachsen und die Spielerinnen haben gemerkt: ‚Da geht was‘. Alle haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und füreinander gekämpft. Auch in den Trainingseinheiten und außerhalb des Platzes konnte man das sehen.

Es gab beim Finale auch Tränen. Habt Ihr Verständnis dafür?

Betz: Na klar ist man ein bisschen enttäuscht, wenn man in so einem Spiel nicht zum Einsatz kommt. Da war aber keinerlei Missgunst oder Wut dabei. Das weiß ich. Wie sich die Ergänzungsspielerinnen die ganze Zeit über verhalten haben, war absolut vorbildlich. Das hatte ich ihnen so auch schon in Kamen gesagt. Als beim Finale dann der vierte Wechsel vollzogen war, kamen bei manchen die Emotionen etwas hoch – aber das muss man ihnen in so einer Situation auch zugestehen. Es hat sich keine Spielerin über die Mannschaft gestellt. Allesamt haben für den gemeinsamen Erfolg gearbeitet. Wirklich alle.

Wie habt Ihr Euch direkt nach dem Abpfiff gefühlt?

Betz: Ich musste das erst mal alles auf mich wirken lassen. Alles jubelt. Dann hab ich mich in erster Linie für die Mädels gefreut, die eine überragende Leistung abgeliefert hatten und ihr ganzes Potenzial abrufen konnten. Wir wussten, dass sie das schaffen können und Frank hat sie super auf dieses Spiel eingestellt.

Fürniß: Einfach glücklich. Ich bin froh, gewonnen zu haben. Es ist das erste Mal, dass wir den Titel nach Hoffenheim geholt haben. Das war von Beginn an mein Ziel, mit dem Jugendbereich Deutscher Meister zu werden. Nach drei Jahren haben ich und wir es geschafft. Das macht einen schon stolz.

Am Wochenende bekommt ihr noch die Schale für die Meisterschaft in der EnBW-Oberliga überreicht. Habt Ihr schon einen Platz für Eure „zahlreichen“ Trophäen?

Betz: Bisher steht die Schale noch bei mir auf dem Schreibtisch (lacht). Ich denke, der Verein wird sich was einfallen lassen. So lange habe ich nichts dagegen, sie bei mir zu haben. Muss ich mich schon nicht zwicken…

Ein kurzer Blick zurück – Womit wart Ihr zufrieden, was hätte in dieser Saison besser laufen können?

Fürniß: Mit der Entwicklung vieler Spielerinnen im technischen Bereich war ich sehr zufrieden. Erst dieses Jahr haben wir das spezielle Techniktraining eingeführt. Außerdem war es richtig gut, dass wir es als Trainerteam geschafft haben, aus so einem großen Kader (Anm. d. Red. 30 Spielerinnen), eine tolle Einheit zu formen. Auch das war ein Grund dafür, in der Oberliga so weit vorne zu stehen. Verbessern könnte man die Nachhaltigkeit in vielen Punkten. Im taktischen, technischen und Stabilisationsbereich könnte man in Zukunft nachhaltiger arbeiten.

Habt ihr euch über die verlorene Süddeutsche Meisterschaft im Elfmeterschießen geärgert oder hatte der Einzug in die Zwischenrunde der Deutschen Meisterschaft Priorität?

Betz: Elfmeterschießen sind immer Lotterien. Sagen wir's mal so: ich würde nicht mehr mit den Frankfurtern tauschen wollen.

Die Mannschaft hat trotz einiger personeller Veränderungen gut zusammen funktioniert. Wie habt Ihr das Team darauf eingestimmt, dass es im Vergleich zur Oberliga in einer anderen Konstellation aufläuft?

Fürniß: Wir spielen im Leistungsbereich und wenn man so einen Titel holen will, sollten auch die besten Spielerinnen aus den Jahrgängen dabei sein. Die Spielerinnen kamen aus drei Mannschaften. Trotzdem haben sie sich auf die Sache konzentriert und sich einspielt. Das war in dieser kurzen Zeit die Herausforderung. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz konnte man eine richtig gute Entwicklung erkennen.

In der neuen U17-Juniorinnen-Bundesliga trefft ihr unter anderem auf die Bayern und den 1. FFC Frankfurt. Inwiefern wird sich die kommende Saison für Euch ändern?

Fürniß: Es wird sich in jeder Hinsicht etwas ändern. Wir sind eine kleinere Mannschaft und ein kleineres Trainerteam. Der Aufwand wird größer werden, weil die Anforderungen größer werden. Damit wird sich das Training anpassen müssen. Wir sind nur noch zu zweit, damit bleibt mehr auf den einzelnen Schultern hängen. Wir wollen uns nach vorne orientieren und entwickeln – zusammen mit den Mädels.

Betz: Es reicht in der nächsten Saison natürlich nicht mehr aus, auch mal einen Gang herunter zu schalten. Das muss den Spielerinnen bewusst werden und ist wichtig für ihre Entwicklung.

Wie seht Ihr die Chancen, mit den U17-Spielerinnen gegen Teams wie Frankfurt oder Bayern zu bestehen?

Betz: Die Kaderkonstellation ist eine neue – genauso wie bei den anderen Teams. Das ist ja das Spannende im Nachwuchsbereich. Jedes Jahr geht es in gewisser Weise wieder bei Null los. Dadurch, dass wir ein sehr junges Team hatten, bleibt uns ein Großteil erhalten. Deswegen kennen schon viele unsere Spielweise. Dann wird es darauf ankommen, die Nachrückenden bestmöglich zu integrieren, was uns bisher immer sehr gut gelungen ist und auch dieses Mal wieder gelingen wird.

Gibt es in der U17 Neuzugänge?

Fürniß: Neben Franziska Grocholl und Jasmin Mackert, die von den eigenen U15-Juniorinnen zu uns stoßen, werden drei weitere Akteurinnen nach Hoffenheim wechseln. U16-Nationalspielerin Jannika Kowatzki kommt vom 1. FC Saarbrücken in den Kraichgau. Franziska Harsch vom TSV Birkach, außerdem Ricarda Schaber von der SG Siemens Karlsruhe. Ricarda hat schon mal bei Hoffenheim gespielt und steht im Kader der U15-Nationalmannschaft. Wir hoffen, dass sich die Spielerinnen schnell in die Mannschaft integrieren können. Das Team wie auch das Trainergespann wir ihnen das so einfach wie möglich gestalten.

Ab der kommenden Saison seid ihr im Trainerteam nur noch zu zweit. Eine Betreuerin kommt noch dazu. Wie wird sich die Trainingsarbeit ändern?

Fürniß: Die Arbeit wir individueller, aber auch umfangreicher werden. Mehr Punkte werden auf weniger Schultern verteilt.

Wie sehen Eure Ziele für die kommende Saison aus?

Fürniß: Spielerinnen auszubilden und sportlich so weit wie möglich zu kommen, schließt sich nicht gegenseitig aus. Wenn wir beides gut kombinieren, haben wir gute Möglichkeiten, vorne mitzuspielen. Ziel ist es schon, unter die ersten zwei der Bundesliga Süd zu kommen. Damit würden wir uns zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren.

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