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PROFIS
18.04.2012

Ghana, Simbabwe und der Kraichgau

Fast 5.000 km liegen zwischen Ghana, der Heimat von Isaac Vorsah, und Hoffenheim. Bei Knowledge Musona, der aus Simbabwe stammt, sind es fast 8.000. Im Kraichgau wurden die beiden zu Profi-Fußballern und zu Freunden. achtzehn99.de hat diese Geschichte Revue passieren lassen.

Vorsah wurde in Accra geboren, der Hauptstadt Ghanas. Vor vier Jahren wechselte er nach Hoffenheim. Damals war er 19 Jahre alt. Wie der Club, so hat sich auch Vorsah in den vier Jahren weiterentwickelt. Er wurde zur festen Größe in der Defensive, sowohl bei der TSG als auch in der Nationalmannschaft Ghanas. Er verletzte sich, musste familiäre Schicksalsschläge verkraften und kämpfte sich wieder zurück in die Mannschaft. Nun steht er kurz vor seinem 100. Bundesligaspiel für Hoffenheim.

Musonas Weg in den Kraichgau führte über das in Simbabwe ansässige Programm der „Aces Youth Academy“, ein Fußball-Förderprogramm für Kinder aus benachteiligten Regionen. Die Scouts der Kaizer Chiefs entdeckten Musona und nahmen ihn mit nach Südafrika. Beim zweifachen Meister der ABSA Premiership wurde er innerhalb von nur einem Jahr zum Stammspieler und Leistungsträger. 2010 wurde er zum besten Jugendspieler der Liga gewählt und sicherte sich mit 15 Treffern die Torjägerkrone. Auch in der Nationalmannschaft von Simbabwe sorgte Musona bereits für Wirbel. Neunmal stand er für die „Warriors“ auf dem Platz, acht Tore erzielte er dabei. Am 17.09. 2011 gab er sein Debüt in der Bundesliga, Hoffenheim siegte mit 3:1 gegen den VfL Wolfsburg und Musona war offiziell der erste Simbabwer, der je in der Bundesliga spielte.

Angekommen in Europa

Natürlich war Isaac Ansprechpartner für Knowledge, als dieser nach Deutschland kam. „Ich weiß noch, wie mich das damals alles überwältigt hat, als ich neu hier war“, erinnert er sich. „Aber für Knowledge war es nicht ganz so schlimm. Er hatte vorher schon bei den Kaizer Chiefs gespielt und kannte das Profi-Geschäft besser als ich damals.“ Doch auch Knowledge staunte nicht schlecht, als er das erste Mal das Trainingszentrum der Hoffenheimer zu Gesicht bekam. „Die Anlagen hier sind mit nichts in Südafrika zu vergleichen, ganz zu schweigen von Simbabwe. Die Kaizer Chiefs gehören in der Liga zu den größten Clubs, aber selbst deren Trainingsanlage ist auf einem anderen Niveau.“ Dass er die Mannschaft schon kannte, erleichterte den Einstieg. „Ich durfte schon mal im Trainingslager in Feldkirchen vorbeischauen und zwei Tage mittrainieren. Da wurde ich sehr gut aufgenommen, was mir die ersten Tage in Hoffenheim leichter gemacht hat.“

Besuch bei der Familie in der Heimat

Wenn die Saison demnächst zu Ende geht, führt beide der Weg zurück in die Heimat. Isaac wird seine Familie besuchen und seit langer Zeit seine Tochter Ivy wieder sehen. „Sie ist eineinhalb Jahre und lebt bei ihrer Mutter in Ghana.“ Ihr Name setzt sich aus den Initialen des Vaters zusammen, dessen vollständiger Name Isaac Vorsah Yaw ist. Seit der großgewachsene Fußballer 2007 zum zweitbesten Verteidiger des Landes nach Michael Essien gewählt wurde, hat er in seiner Heimat einen Popstar-Status inne. „Als ob ich Präsident wäre“, beschreibt er die Szenerie, wenn die Leute ihn erkennen. Auch Knowledge wurde dank der guten Auftritte in der Nationalmannschaft zum gefeierten Star. Bereits jetzt vergleichen ihn seine Landsmänner mit Peter Ndlovu, dem langjährigen Premier League Profi, Rekordtorschützen der simbabwischen Nationalmannschaft und dem erklärten Idol von Musona. Er fliegt zunächst nach Johannesburg, wo er zwei Jahre lebte. „Dort werde ich ein paar Tage bleiben und Freunde besuchen. Dann geht es weiter nach Norton, zu meiner Familie.“

Der große Traum: Brasilien 2014

Ein allzu langer Urlaub ist den beiden Nationalspielern aber nicht vergönnt. Während die UEFA die Europameisterschaften abhält, startet der afrikanische Verband bereits in die Gruppenphase der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014. Die ersten Spiele finden am 01.06. statt. Ghana trifft zuhause auf Lesotho und befindet sich in einer Gruppe mit Sudan und Sambia. Simbabwe trifft am selben Tag im Heimspiel auf Guinea und wird es in der Gruppe außerdem mit Ägypten und Mosambik zu tun bekommen. Während Ghana, das sich für die letzten beiden Weltmeisterschaftsendrunden qualifizierte und 2010 sogar ins Viertelfinale einzog, auf eine erneute Teilnahme 2014 hofft, hat Simbabwe höchstens Außenseiterchancen. „Das ist uns auch bewusst. Aber wir sind ein junges Team, in dem noch einiges an Potenzial schlummert“, sagt Musona.

Auch die Entfernung zwischen Ghana und Simbabwe kommt mit 4.000 km einer kleinen Weltreise gleich. Das mag einer der Gründe sein, warum keiner der beiden Fußballer je im Land des anderen zu Besuch war. Doch das könnte sich bald ändern. „Wir bereiten uns mit der Nationalmannschaft immer in Südafrika vor. Vielleicht komme ich mal in Simbabwe vorbei“, lädt sich Vorsah schon mal vorsorglich ein.

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