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FRAUEN
26.09.2012

Frauen: Moser: "Es wird kein Kinderspiel"

Martina Moser ist im Kraichgau angekommen. Vom VfL Wolfsburg zu 1899 Hoffenheim gewechselt, ist sie ihrer Schweizer Heimat nun wieder ein gutes Stück näher. Zum Einstand in der 2. Bundesliga gelangen der 26-jährigen Schweizer Nationalspielerin in den ersten drei Spielen vier Tore. Im Interview spricht Moser über ihren Wechsel in den Kraichgau, Fußball in der Schweiz, Deutschland und den Saisonauftakt bei der TSG.

Du hast zuvor in Wolfsburg und Freiburg gewohnt. Hast Du Dich schon im Kraichgau eingelebt?

Moser: Die Gegend gefällt mir sehr gut und ich habe mich gut eingelebt. Natürlich ist Wolfsburg viel größer, hat aber auch nicht so viel zu bieten. Die Stadt lebt vor allem von der Autostadt. Aber auch in den zwei Jahren in Wolfsburg habe ich mich sehr wohl gefühlt. In Freiburg selbst habe ich nie gewohnt, da bin ich immer von der Schweiz aus gependelt. Die Stadt hat mir aber sehr gut gefallen.

Wie ist Dein Eindruck von der Mannschaft?

Moser: Ich wurde in einer jungen, hungrigen Mannschaft sehr gut aufgenommen. Es ist anders für mich als in Wolfsburg, wo ich eine von vielen Spielerinnen war. Was mir besonders gefällt ist, dass die Jungen wollen, kämpfen und sich reinhauen. Besonders ihnen kann ich mit meiner Erfahrung weiterhelfen. Wir haben in jedem Spiel einen gewissen Druck, weil wir aufsteigen wollen. Das ist mit jungen Spielerinnen oft schwieriger, da sie vielleicht nicht so gut damit umgehen können. Aber wir wollen jedes Spiel gewinnen und müssen vor allem dann Ruhe bewahren, wenn es lange 0-0 steht oder wir mal in Rückstand geraten sollten. Wichtig ist, dass wir alle an einem Strang ziehen und ruhiger in unserem Spiel werden.

Kannst du kurz die größten Unterschiede zwischen Wolfsburg und Hoffenheim erklären?

Moser: Das ist schwer miteinander zu vergleichen. Neben dem Platz ist in Wolfsburg alles noch größer, komfortabler und professioneller. Jede Spielerin hat ihren Platz in der Kabine der namentlich gekennzeichnet ist. Man muss nichts mit nach Hause nehmen, alles wird gewaschen. Aber Hoffenheim hat auch einiges zu bieten. Ein großes Plus sind die vielen jungen Spielerinnen. In Wolfsburg spielt nur eine aus der eigenen Jugend im aktuellen Erstligakader. Die Jugendarbeit ist sicher auch das, was Hoffenheim auszeichnet. Hier setzt man auch in der ersten Mannschaft auf die Jugend. Das gefällt mir.

Was waren die Gründe für Deinen Wechsel?

Moser: In Wolfsburg hatte ich nicht mehr die sportlichen Perspektiven, die ich mir gewünscht hätte. Ich möchte nicht auf der Bank sitzen und habe dort keine Chance gesehen, in die erste Elf zu kommen. Natürlich muss ich auch hier um meinen Platz kämpfen, aber die Chance zu spielen ist größer und das ist mir sehr wichtig. Klar war, dass es bei einem Wechsel wieder näher an die Schweiz gehen sollte. Ich habe mich umgeschaut und hier habe ich viel Potenzial gesehen. Es ist schön, wieder eine neue Herausforderung zu haben. Die 2. Bundesliga ist kein Rückschritt für mich. Es macht Spaß, hier zu spielen.

Welche Eigenschaften bestimmen Dein Spiel?

Moser: Ich rede ziemlich viel auf dem Platz, bin sehr emotional und explosiv. Ich habe eine gute Technik und nach den letzten Spielen kann ich auch von Torgefährlichkeit sprechen (lacht), nachdem ich länger nicht getroffen habe. Ich möchte, dass wir hier einen gepflegten, schönen Fußball spielen. Wir haben so viele gute Technikerinnen im Team, da macht es richtig Spaß, von hinten raus zu kombinieren.

Ist Frauenfußball in der Schweiz vergleichbar mit dem in Deutschland?

Moser: Vergleichen kann man es schon. Zu beachten gilt aber, dass die Schweiz ein kleines Land ist und daher im Vergleich zu Deutschland eigentlich schon gut da steht. Aber es ist ganz klar, dass der Frauenfußball in Deutschland viel mehr gepusht wird und einfach schon länger auf einem top Niveau ist. Durch die vielen Erfolge der deutschen Nationalmannschaft, auch im Jugendbereich, hat der Frauenfußball sich einen enormen Stellenwert erkämpft und zu Recht gehört man zu den besten Ligen der Welt. Die Schweizer Liga hat mittlerweile auch einen höheren Stellenwert, ist vom Niveau her aber nicht so stark. Das liegt wohl auch daran, dass die besten Schweizer Fußballerinnen ins Ausland gehen.

Welche sportlichen Ziele hast du noch?

Moser: Mit der Schweiz haben wir die Euro 2013 leider verpasst, aber wir möchten gerne zur WM 2015 in Kanada. Mit Hoffenheim möchte ich natürlich in die 1. Bundesliga aufsteigen.

Hast du schon mal drei Tore in einem Spiel geschossen?

Moser (lächelt): Es kann schon sein, aber ich kann mich nicht daran erinnern.

Besonders bei deinem ersten Tor gegen Recklinghausen war dir Erleichterung anzumerken - mehr über Dein erstes Tor oder das beruhigende 2:0?

Moser: Beides hat zusammengespielt. Ich war überglücklich, ein Tor zu schießen, aber es war auch wichtig, dass wir das zweite Tor nachgelegt haben. Das Gefühl war so schön, weil ich länger in der Liga nicht getroffen hatte. Es war ein wichtiges Tor für mich und hat gut getan.

In der Bundesliga herrscht nochmal ein anderes Tempo als in der 2. Liga. Sind die Spiele für dich ein Kinderspiel?

Moser: So würde ich es nicht ausdrücken. In der letzten Partie hatte ich in der ersten Hälfte kaum Aktionen, in der zweiten Halbzeit ist mir dann Vieles gelungen. Ich muss auch etwas dafür tun, damit es so läuft und ich in die torgefährliche Zone komme. Zudem spielen meine Mitspielerinnen eine sehr wichtige Rolle und setzen mich gut in Szene. Im Fußball passiert nichts von alleine, wir sind ein Team und müssen harmonieren. Es ist egal, wer die Tore erzielt. Wenn ich aber wieder die Möglichkeit haben sollte, drei Tore zu schießen, mache ich das natürlich gerne (lacht). Sicher bin ich ein höheres Niveau gewohnt, aber ein Kinderspiel ist es auf keinen Fall. Es kommen auch noch Gegner, die uns das Leben schwerer machen werden.

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