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FRAUEN
13.06.2012

Frauen: Ehrmann: "Wir müssen mehr Spiele gewinnen"

Während die Spielerinnen von 1899 Hoffenheim ihre Ruhetage während der Vorbereitung genießen, wird im Hintergrund am Kader und der neuen Saison gearbeitet. Gut vier Wochen vor dem Vorbereitungsbeginn (am 8. Juli) sprachen wir mit Trainer Jürgen Ehrmann über Neuzugänge, Erwartungen und den Erfolg der U17-Juniorinnen.

Du hast das Finale um die Deutsche Meisterschaft auch verfolgt. Wie glücklich bist du über den Erfolg der U17 und über die Leistungen der Spielerinnen der ersten Mannschaft?

Das war eine absolut tolle Geschichte. Für den Verein ist es eine Bestätigung für die gute Arbeit der letzten Jahre. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es waren ja nicht nur Spielerinnen der ersten Mannschaft, sondern auch viele der zweiten Mannschaft dabei. Die Entscheidung, einige Spielerinnen schon in den Frauenbereich hochzuziehen, war richtig. Das konnte man vor allem in puncto Zweikampfhärte beobachten. Es war eine unglaubliche Siegermentalität in der Körpersprache zu erkennen. Das ist auch im Hinblick auf die kommende Saison sehr wichtig. Für viele Spielerinnen war es natürlich ein wenig traurig, nicht beim Endspiel auf dem Platz zu stehen, aber es gewinnt immer das gesamte Team - auch die Ergänzungsspielerinnen, die über die Saison mit dabei waren.

Das Trainerteam hat tolle Arbeite geleistet und es verdient, nach der Saison mit dem Titel belohnt zu werden. Man darf aber nicht vergessen wie viel Arbeit bei der Zusammenstellung der Kader notwendig ist. Marco Göckel macht hier sehr gute Arbeit und unternimmt viel, die Talente zu sichten und fußballerisch weiterzuentwickeln.

Jürgen Grimm rutscht für Hartmut Kaufmann ins Trainerteam. Welche Erwartungen hast Du an ihn und an die Mannschaft für die kommende Saison?

Hartmut wird in Zukunft seine eigenen Wege als Chef-Trainer gehen. Dafür kommt Jürgen mit ins Trainerteam. Marco (Göckel, Juniorinnenkoordinator, Anm. d. Red.) hat mir Jürgen als fachlich guten Trainer empfohlen, ich selbst habe ihn im Training der U15 einige Male beobachtet und ihn neben dem Platz in lockeren Gesprächen etwas kennen gelernt. Danach haben wir uns zusammengesetzt und beide ein gutes Gefühl gehabt. Ich erwarte, dass er mit mir und Kai (Altig, Co-Trainer, Anm. d. Red.) zusammen ein gutes Trainerteam stellt. Die wichtigsten Elemente eines Co-Trainers sind absolutes Vertrauen im Trainerteam, selbständig mit der Mannschaft zu arbeiten, unsere Spielphilosophie mitzutragen, den Spielerinnen ein Vorbild sein und auch die wichtigen Kleinigkeiten der Trainingsarbeit annehmen. Es gibt viele Aufgaben, aber ich habe ein gutes Gefühl.

Mit Lisa Appel und Selina Häfele wird der Kader mit zwei Spielerinnen erweitert, die in der vergangenen Saison bereits einige Male in die erste Mannschaft geschnuppert haben – Wie sehen die Erwartungen an sie aus?

Unser Ziel als Verein ist es, Spielerinnen auszubilden. Wir hatten letzte Saison schon fünf U17-Spielerinnen im Kader der ersten Mannschaft und somit sollten wir jede Saison versuchen, junge Spielerinnen aus der Jugend oder der zweiten Mannschaft die Chance zu geben, sich in der ersten Mannschaft zu beweisen. Lisa hat über die Saison gute Leistungen gezeigt und auf der Position der Innenverteidigung brauchen wir Konkurrenz und Alternativen. Selina ist eine technisch sehr gute Spielerin, die auch ein gutes Auge und ein Gefühl für das Spiel hat. Beide sind absolute Teamplayer. Das hat für mich eine ganz wichtige Rolle gespielt. An das Tempo und die Härte der 2. Liga müssen sich beide gewöhnen. Aber dafür gibt es ja die Vorbereitung.

Ihr habt viele junge Spielerinnen verpflichtet. Wie sollen diese in die Mannschaft eingebaut werden?

Einige Spielerinnen haben uns verlassen und wir müssen diese Positionen neu besetzen. Wir haben bei jeder Spielerin beobachtet, wie sie sich in ihrem Verein, in der Auswahl oder beim Probetraining verhalten hat. Wichtig ist immer das persönliche Gespräch, weil es dem Team nichts bringt, eine sehr gute Spielerin zu verpflichten, die menschlich und charakterlich aber nicht in die Mannschaft passt. Ich hoffe, die neuen Spielerinnen fühlen sich schnell wohl und können sich als Spielerin und Mensch bei uns weiterentwickeln.

Über Ziele für die kommende Saison müssen wir nicht sprechen. Was soll und muss sich im Vergleich zur vergangenen Saison ändern?

Wir müssen mehr Spiele gewinnen! (lacht). Wichtig ist, dass wir ein Team bilden, das zusammenhält, unsere Fußballphilosophie verinnerlicht und den Willen hat, guten Fußball zu spielen. Die Spielerinnen sollten in der Selbstwahrnehmung kritisch mit sich umgehen und die Ratschläge des Trainerteams konsequent annehmen und umsetzen. Wenn es persönlich mal nicht gut läuft, sollten sie die Ruhe bewahren und hart arbeiten bis die Chance wieder kommt, zu spielen.

Auch wir Trainer müssen noch mehr für die Spielerinnen tun, damit sie sich noch besser entwickeln können. Hier konnten wir mit der Verpflichtung von Manuel Ruep als neuen Athletiktrainer eine wichtige Baustelle schließen. Manuel ist ein Top-Fachmann im gesamten Bereich der Athletik.

Wie wichtig ist die Erfahrung von Martina Moser, die vom VfL Wolfsburg nach Hoffenheim gewechselt ist, für das Team und das Erreichen der Ziele?

Wir haben viele junge Spielerinnen, die sehr froh sind, wenn sie auf dem Platz Hilfe bekommen. Martina ist eine junge Frau mit viel Ehrgeiz und klaren Zielen. Sie hat jahrelange Erfahrung in der 1. Bundesliga und viele internationale Spiele für die Schweiz gemacht. Zur Führungsspielerin wird man aber nicht durch den Trainer. Dafür muss jede Spielerin im Training und Spiel voran gehen und durch eigene gute Leistungen die anderen mitziehen. Ich bin überzeugt, dass Martina genau diese Eigenschaften mitbringt und dadurch dem gesamten Team auf und neben dem Platz helfen wird.

Birgit Prinz bleibt Hoffenheim auch in der kommenden Saison erhalten. Wird sie dann auch spielen oder die Mannschaft weiterhin „nur“ auf dem Trainingsplatz unterstützen?

Birgit ist für Hoffenheim ein absoluter Glücksfall. Sie ist eine große Persönlichkeit und ein absolutes Vorbild: Sie ist immer die Erste auf dem Platz und bei jeder Übung oder Spielform mit dem Willen dabei, alles zu geben oder das Spiel zu gewinnen. Die Spielerinnen, die sich an ihre Fersen heften, sind bestens beraten. Für mich als Trainer ist es auch eine gute Möglichkeit, mich zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Sie wird das Team im psychologischen Bereich mitbetreuen. Wenn sie regelmäßig im Training ist und uns das Verletzungspech trifft, wird sie auch spielen. Letzteres hoffen wir natürlich nicht. Ob und wann sie spielt, werden wir dann aber immer zusammen absprechen, um für den Verein das Bestmögliche heraus zu holen.

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