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24.04.2012

Die 1899-Flügelzange

Seit fast 130 Bundesliga-Spielen hat Andreas Beck seinen Stammplatz auf der rechten Außenverteidigerposition inne. Seit zwölf Spielen hat sich mit Fabian Johnson auch sein Gegenpart auf der linken Abwehrseite gefunden. Beide interpretieren ihre Rolle vielseitig und schalten sich immer wieder in die Offensive der Kraichgauer ein. achtzehn99.de hat sich mit der neuen Hoffenheimer Flügelzange unterhalten.

achtzehn99: Johnny, du hast acht Tore vorbereitet, zwei geschossen. Was macht mehr Spaß?

Johnson: Tore schießen.

Warum schießt du dann nicht mehr?

Johnson: (lacht) Weil das nicht so einfach ist. Nein, ich spiele momentan weiter hinten, da ist man automatisch eher in der Rolle des Vorbereiters.

Andi, du wartest noch auf deinen Treffer in dieser Saison. Gegen Freiburg hattest du eine gute Chance, nimmst den Ball gekonnt mit der Brust an…

Beck: …und vergebe kläglich. Das war natürlich bitter, vor allem weil es der Siegtreffer gewesen wäre. Wenn man dann verzieht, ist das kein angenehmes Gefühl.

Es zeigt aber, dass ihr eure Rollen offensiv interpretiert.

Beck: Absolut. Es zeichnet unser Spiel aus, dass die Außenverteidiger mit nach vorne arbeiten. Das Gute daran ist, dass man so auch immer mal wieder die Gelegenheit hat, einen Treffer vorzubereiten oder selbst zu erzielen. Ich hoffe daher auf die Gelegenheit, es schon bald besser machen zu können.

Hat sich allgemein die Rolle des Außenverteidigers in den vergangenen Jahren geändert?

Johnson: Sie ist vor allem vielseitiger geworden, weil viel mehr offensive Elemente dazu gekommen sind. Das drückt sich unter anderem dadurch aus, dass viele Mittelfeldspieler in die Viererkette gerutscht sind und hängt sicherlich damit zusammen, dass das Spiel insgesamt schneller geworden ist.

Beck: Das sehe ich genauso. Das Anforderungsprofil ist ein ganz anderes. Früher haben häufi g gelernte Innenverteidiger auf den Außenpositionen gespielt, die sich dann eher defensiv orientiert haben.

Heute spricht man von „Linienspielern“, die alle Positionen auf einer oder sogar beiden Außenbahnen interpretieren können. Welche Eigenschaften muss man mitbringen?

Johnson: Man braucht eine gute Technik und sollte auf alle Fälle laufstark sein.

Beck: Vom Anforderungsprofi l ist es sicherlich eine der anspruchsvollsten Positionen, weil es außerdem noch viel taktisches Verständnis erfordert. Man braucht ein gewisses Gefühl für das Spiel, wann man sich in die Spitze einschaltet, wann man einrückt. Das hängt natürlich auch mit den Vorstellungen des Trainers zusammen. In diesem Bereich wird man vor allem durch Erfahrung stärker.


Johnny, die Position des linken Außenverteidigers gilt oft als undankbar. Empfindest du das auch so?

Johnson: Überhaupt nicht. Wir haben das ja bereits in der frühen Ausbildung mit offensiven Elementen gespielt. Ich kenne als aktiver Fußballer nur die moderne offensive Variante. Die hat einige Vorteile.

Sprecht ihr euch ab, wer sich nach vorne einschaltet?

Johnson: Das ist eher eine Gefühlssache.

Beck: Ja, wenn das Spiel über die andere Seite läuft, sichert man eher ab. Man muss aus der Situation heraus entscheiden.

Ihr kennt euch schon mindestens seit 2009, als ihr gemeinsam in der U21-Nationalmannschaft Deutschlands gespielt habt und Europameister geworden seid.

Johnson: Wir kennen uns schon seit den ersten Lehrgängen mit der U16, also seit fast 10 Jahren!

Beck: Das stimmt. Zum ersten Mal gemeinsam auf dem Platz standen wir dann ab der U18. Von der Europameisterschaftsmannschaft spielen heute alle in der Bundesliga.


Wie ist das, wenn man dann den Junioren-Kollegen auf dem Platz gegenübersteht?

Beck: Man verfolgt die Karrieren der Kollegen ja mit, überrascht ist man daher nicht. Man hat ja vorher auch schon die Jahrgänge zusammen durchlaufen. Irgendwann sind dann alle in der Bundesliga gelandet – der eine früher, der andere später. Das ist auf alle Fälle ein Gütesiegel für die Jugendausbildung in Deutschland, genauso wie die Tatsache, dass Johnny mittlerweile für die USA spielt.


Ist es ein besonderes Gefühl, wenn man bei so einem Turnier im Finale dann den Erzrivalen England mit 4:0 besiegt?

Johnson: Es ist in erster Linie ein tolles Gefühl, wenn man so ein Turnier gewinnen kann. Mit so einem Ergebnis ist das dann natürlich etwas Besonderes. Das hätte von uns wohl keiner für möglich gehalten. Die ganze Zeit damals in Schweden mit den Jungs war einfach super. Man kann dankbar sein, wenn man so etwas miterlebt hat.

Hier bei Hoffenheim habt ihr nach einer Durststrecke zuletzt wieder gute Ergebnisse eingefahren. Was hat sich verändert?

Beck: Ein Schlüsselspiel war sicherlich der Sieg gegen Mönchengladbach. Wir haben das Spiel nicht gut begonnen und geraten in Rückstand; bei einer Mannschaft, die zu dem Zeitpunkt seit über einem Jahr zuhause nicht mehr verloren hatte. Dass wir das Spiel in der Schlussphase noch gedreht haben, hat uns bewiesen, dass wir es können. Danach haben wir dann einfach so weitergemacht.

Tritt man anders auf, wenn der Blick auf die Tabelle eher nach oben als nach unten gerichtet ist?

Beck: Es ist auf jeden Fall eine positive Art von Druck, die defi nitiv angenehmer ist. Man freut sich auf jedes Spiel, aber wenn es um die oberen Plätze geht, freut man sich vielleicht noch ein bisschen mehr.

Letzte Frage: Was zeichnet euren jeweiligen Gegenpart in der Hoffenheimer Flügelzange aus?

Johnson: Andi ist taktisch außergewöhnlich gut geschult, lässt kaum Angriffe über seine Seite zu und schaltet sich in der Regel im richtigen Moment in die Offensive ein. Als unser Kapitän macht er einen super Job und ist deshalb auch in der ganzen Mannschaft angesehen. Er hat die Truppe super unter Kontrolle.

Beck: (lacht) Danke. Das Lob kann ich zurückgeben. Ich kenne Johnny ja wie gesagt schon lange und war schon immer von seiner Dynamik beeindruckt. Er ist ein unglaublich zäher Spieler, drahtig, ausdauerstark und schnell. Außerdem bringt er einen noch seltenen Vorteil mit: Er ist komplett beidfüßig. Er hat uns schon viele Punkte gesichert, egal ob durch selbst geschossene Tore oder durch

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