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20.01.2010

Nächster Gegner: Unterm Strich zählt überm Strich

Auf den Abstiegskampf hatte sich St. Pauli direkt mit der Rückkehr in die Bundesliga eingestellt. Seit Beginn der Saison befinden sich die Hamburger mittendrin. Unter dem Strich, der die Abstiegszone vom Rest der Liga trennt, standen die Hamburger an 18 Spieltagen aber noch nie. „Wenn wir am Ende da stehen, wo wir jetzt sind, haben wir alles richtig gemacht“, sagt St. Paulis Trainer Holger Stanislawski. Recht hat er.

Was sind 18 Punkte wert?

Platz 15 ist es und darf es laut Stanislawski also bleiben. Dort stehen die Paulianer bereits seit drei Spieltagen - der Weg nach oben sowie nach unten scheint blockiert zu sein. Mit 18 Zählern nach 18 Spieltagen trennen die Hanseaten zwei Punkte vom Relegationsplatz.
Die magische Grenze für den sicheren Klassenerhalt liegt bekanntlich bei 40 Punkten. In den vergangenen fünf Bundesligajahren reichten jedoch im Schnitt 34 Punkte, um den Abstieg zu vermeiden. Würde St. Pauli also noch mal so viele Zähler sammeln wie in der Hinrunde, ginge die Rechnung auf und der etwas andere Kiezklub würde der Bundesliga erhalten bleiben.

Torblockade gelöst

Ohne Tore wird das Erreichen dieses Ziels allerdings schwer. Die Chancenverwertung ist das große Manko. Erst 18 Treffer erzielten die Hamburger - keine Mannschaft in der Liga hat weniger. Vor allem die Stürmer hatten in der Hinrunde Mühe, den Kasten zu finden. Die gesamte Abteilung Attacke kam während der ersten 17 Spieltage auf spärliche sechs Treffer. Die Torblockade scheint jedoch erfolgreich gelöst. Sowohl Marius Ebbers als auch Gerald Asamoah, der den Piratenclub seit dieser Saison verstärkt, trugen sich seit Monaten erstmals wieder in die Liste der Torschützen ein. Für beide war es der jeweils dritte Treffer die Saison. Besonders für Ebbers ist das zuwenig. An seiner Bilanz wird der 33-Jährige gegen Hoffenheim aber nicht feilen können. Erstmals wird der Dauerbrenner am Kiez, der als einziger alle 18 Spiele über die volle Distanz absolviert hat, wegen eines Muskelfaserisses nicht mit von der Partie sein.

Im Mittelfeld steht der heimliche Chef von Pauli. Matthias Lehmann zieht dort die Fäden. Der 27-Jährige ist mit 71 % erfolgreichen Pässen die wichtigste Anspielstation. Seine Zweikampf- und Kopfballstärke machen ihn auch bei der Defensivarbeit nahezu unverzichtbar.

Die Abwehrreihe der Hamburger bereitet Stanislawski in unregelmäßigen Abständen Sorgen. Mal steht die Viererkette, dann lässt sie sich, wie zuletzt gegen Freiburg, gleich zweimal von langen Bällen übertölpeln. „Wie diese beiden Gegentore wieder gefallen sind - unerklärlich. Ich dachte, es wird zur Rückrunde besser, doch ich bin leider enttäuscht worden", sagte auch Fabian Boll, Mittelfeldspieler und hauptberuflicher Polizeioberkommissar.

Ohne Neuzugänge zum Ziel

Die Vereinsführung verzichtete - anders als die Konkurrenz - in der Winterpause auf Neuverpflichtungen. „Den Jungs das Vertrauen zu entziehen und neue Leute zu verpflichten, das ist nicht meine Art", erklärte Stanislawski. Gerade bei Pauli, eine Mannschaft, die mangels der ganz großen individuellen Klasse auf den Teamverbund und die Kampfbereitschaft bauen müssen, ist der Zusammenhalt besonders wichtig. Der scheint vorhanden, wie Lehmann zu berichten weiß: „Es ist der Teamgeist, der diesen Verein auszeichnet." Dafür stehen auch die vielen Einsatzzeiten, die in Pauli auch vermeintliche Ersatzspieler erhalten.

„Werden unsere Punkte holen"

Vor der Saison antwortete Stanislawski auf die Frage, wo sein Team am Ende der Saison lande würde: „St. Pauli landet über dem Strich. Das ist unser großes Ziel."
Dass die Mannschaft konkurrenzfähig ist, hat Pauli in den meisten Partien bewiesen. Nach gutem Saisonauftakt ging die Leistungskurve zum Ende der Hinrunde zwar immer weiter Richtung Keller. Dennoch beweisen die Hamburger, dass sie durchaus über spielerische Klasse verfügen und sich in verloren geglaubte Partien zurückfighten können. Zweifel, dass die Kiezkicker das Vorhaben Klassenerhalt erreichen werden, hat in der Mannschaft niemand. „Es sind 16 Partien, in denen wir unsere Punkte noch holen werden", sagte Florian Bruns. Auch der Trainer glaubt an den Verbleib in Deutschlands Eliteklasse: „Ich habe absolutes Vertrauen in jeden einzelnen Spieler. Das gibt mir sehr, sehr große Überzeugung und Zuversicht, dass wir es schaffen."

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