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03.03.2011

Ryan Babel im Interview

Nachdem die ersten Wochen für das niederländische Toptalent im Kraichgau ins Land gezogen sind, nutzt achtzehn99.de die Gelegenheit, um in einem Gespräch den neuen Angreifer den Fans näher zu bringen.

Ryan, hast du dich mittlerweile etwas eingelebt im Kraichgau?

Etwas schon. Die Gegend gefällt mir sehr gut. Derzeit lebe ich aber noch im Hotel und hoffe, möglichst bald etwas Richtiges zu finden. Es ist alles noch etwas neu für mich. Aber bisher wurde ich von allen sehr gut aufgenommen.


Auch dein Landsmann Edson Braafheid ist seit der Winterpause in Hoffenheim. Ihr kennt euch schon eine ganze Weile, oder?

Ja, Edson und ich sind miteinander aufgewachsen. Ich war sehr gut mit seinem kleinen Bruder befreundet und wir haben natürlich dem großen Bruder immer nachgeeifert. Es ist schon eine witzige Geschichte, dass wir jetzt gemeinsam in Hoffenheim gelandet sind. Wir wohnen nun auch im selben Hotel und fahren gemeinsam zum Training. Die Welt ist eben klein.


Nach der holländischen Erendivise und der englischen Premier League nun die Bundesliga. Hast du diese bereits früher verfolgt?

Live-Spiele habe ich in meiner Zeit bei Liverpool nicht so häufig verfolgt, aber die Highlights in den Zusammenfassungen gesehen. Natürlich blieb ich auch immer informiert, was die holländischen Spieler hierzulande gezeigt haben.


Mit Liverpool und Amsterdam bist du sicherlich auch auf deutsche Clubs getroffen, oder?

Klar, ich habe gegen Bayer 04 Leverkusen gespielt, gegen Werder Bremen und den FC Bayern München. Besonders gut kann ich mich an ein Aufeinandertreffen mit Bayern erinnern. Das war 2005 mit Ajax. Die Münchener waren damals mit Roy Makaay vorne und Michael Ballack im Mittelfeld angetreten. Das Spiel ging 1:1 aus. Bundesliga- Teams waren immer unangenehme Gegner. Physisch sehr stark, diszipliniert und taktisch gut ausgebildet. Gerne hat man nicht gegen sie gespielt.


Hast du bereits Unterschiede zwischen dem Training in den verschiedenen Ländern ausmachen können?

Das Training in Deutschland ist härter als in England. In der Premier League hat man normalerweise zwei Spiele pro Woche. Die Trainingseinheiten sind daher nicht so belastend und kürzer. Man verbringt in England neben den Spielen noch mehr Zeit mit Regeneration, um Verletzungen zu vermeiden. In der Bundesliga wird in der Regel nur einmal die Woche gespielt, dafür intensiver trainiert. Das hat den Vorteil, dass man mehr Gelegenheit zum Ein-studieren und zur taktischen Schulung hat.


Welche Unterschiede siehst du generell zwischen deutschem, englischem und holländischem Fußball?

Der Stil ist ein anderer. In England ist das Spiel schneller und überfallartiger. In Deutschland und Holland ist es enger, die Mannschaften stehen viel kompakter. Die taktische Komponente ist größer und die Positionen werden disziplinierter gehalten. Deutschland und Holland sind sich von der Spielweise ähnlich. England fällt da ein wenig raus.


Außerdem sind die Ligen in Deutschland und Holland ausgeglichener als in England.

Das stimmt schon. Gerade die Bundesliga ist sehr spannend, weil es so viele Teams mit denselben Ambitionen und auf sehr ähnlichem Niveau gibt. In England waren es jahrelang nur die so genannten „Big Four", also Arsenal London, FC Liverpool, Manchester United und FC Chelsea. Das ändert sich aber gerade. Vor kurzem ist Manchester City dazu gestoßen, diese Saison spielt Tottenham Hotspur oben mit.


Welche Ambitionen hast du bezüglich der holländischen Nationalmannschaft?

Ich hoffe natürlich darauf, in Zukunft mehr Einsatzzeiten zu bekommen. Das ist aber nicht so einfach, unser Trainer hat sehr viele Optionen. Gerade im Offensivbereich stehen Bert van Marwijk etliche Weltklasse-Spieler zur Verfügung: Wesley Sneijder, Robin van Persie, Arjen Robben, Dirk Kuyt oder Klaas-Jan Huntelaar.


War das auch ein Grund für deinen Wechsel nach Hoffenheim dich über mehr Spielpraxis wieder zu empfehlen?

Es wäre natürlich toll, wenn ich jetzt, da ich hoffentlich mehr Einsatzzeiten bekomme, auch in der Elftal eine größere Rolle spielen könnte. Aber momentan konzentriere ich mich nur auf Hoffenheim. Da muss ich meine Leistung bringen. Wenn mir das gelingt, kommen die anderen Sachen von alleine.


Die Niederlande sind spätestens seit den 1980ern bekannt dafür, ständig neue Fußballtalente hervorzubringen. Woran liegt es, dass ein verhältnismäßig kleines Land so einen Output hat?

In erster Linie liegt das an der Ausbildung, in der viel Wert auf die Vermittlung der Basics gelegt wird. So erhält jeder Spieler die perfekte Grundlage. Zusätzlich wird das Training schon seit Ewigkeiten hoch spezialisiert und ständig weiterentwickelt. In Holland gehen die Verantwortlichen häufig sehr wissenschaftlich an die Entwicklung der Trainingsmethoden heran.


Dafür scheint Marcel Lucassen ja ein Paradebeispiel zu sein.

(Lacht) Ist das so? Ich kenne ihn ja erst, seit ich hier angefangen habe. Holland ist zwar ein kleines Land, wir rufen uns aber nicht alle beim Vornamen.


Wurdest du in deiner Ausbildung bereits früh auf deine Rolle als Flügelspieler bzw. Stürmer vorbereitet?

Bei mir war es so, dass ich schon immer weit vorne gespielt habe. Als ich ins Jugendinternat von Ajax aufgenommen wurde, geschah dies, weil ich mich auf dieser Position bereits empfohlen hatte und sie für diese neue Talente gesucht haben. Die Jugendtrainer dort sehen sich deine Spielweise ganz genau an und entscheiden dann, auf welcher Position du am besten aufgehoben bist - also wo du deine Stärken am deutlichsten einbringen kannst.


Was war es für ein Gefühl damals in das berühmte Ajax-Internat aufgenommen zu werden?

Das war die Erfüllung eines Traumes für mich. Die Nachwuchsakademie von Ajax gehört wahrscheinlich zu den besten der Welt. Ab dem Moment war mir endgültig klar, dass ich die Gelegenheit bekommen werde, meinen Traum vom Fußballprofi tatsächlich wahr werden zu lassen.


Wie Amsterdam spielt auch Hoffenheim häufig im 4-3-3 System. Siehst du das als Vorteil für dich?

Ich spiele gerne ein 4-3-3, da es mir die Möglichkeit gibt, auf eine der Außenpositionen meine Stärken in die Wagschale zu werfen. Aber ich bin nicht darauf festgefahren. Die systematische Aufstellung ist sowieso nur eine Komponente, es kommt immer darauf an, wie Trainer und Mannschaft das System interpretieren.


Dein großes Hobby ist die Musik. Du hast selbst bereits Rap-Songs aufgenommen. Identifizierst du dich mit dem Ghetto-Image, dass häufig mit dieser Musikrichtung verbunden wird?

Überhaupt nicht. Erstmal ist es ja so, dass ich mich nicht nur mit Hip Hop, sondern mit allen Arten von Musik beschäftige. Die Medien reduzieren es gern auf Rap. Wenn die Leute meine Hautfarbe sehen und hören, dass ich rappe, denken sie oft, ich sei im Ghetto aufgewachsen und wirklich ein Gangster. Beides ist nicht wahr. Ich mag einfach nur die Musik und eine gewisse Attitüde gehört dazu. Das ist aber nur Spaß, nichts oder so gut wie nichts davon ist ernst gemeint.


Wie groß ist die Hip Hop-Szene in den Niederlanden?

Es gibt eine kleine, aber feine Szene. Die spielt sich vor allem in den urbanen Gebieten ab. Neben mir sind auch noch etliche andere Fußballer in der Szene aktiv. Manche machen Freestyle, andere nehmen wie ich Songs auf.


Zum Ende zurück zum Fußball: Was waren deine Eindrücke von deinem ersten Spiel in der heimischen Rhein-Neckar-Arena?

Die Eindrücke waren klasse. Das hier ist ein wunderschönes Stadion. Die Stimmung gegen Kaiserslautern war super, die Fans haben mich sofort aufgenommen. Ich habe mich direkt heimisch gefühlt. Dass wir dann das Spiel auch noch gewinnen, rundet die Sache natürlich perfekt ab. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch häufiger die Gelegenheit finden, mit den Fans solche Erfolgserlebnisse zu feiern.

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