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AKADEMIE
04.10.2011

Nicklas Dietrich - Athletiktrainer aus Leidenschaft

Wenn man morgens gegen 7 Uhr die Akademie betritt und schon nach wenigen Schritten das Klirren der Gewichte aus dem Kraftraum vernimmt, ist Nicklas Dietrich schon in seinem Element. „Wenn keine Schulferien sind, kann es auch schon mal 5:30 Uhr sein“, entgegnet der 28-Jährige lächelnd. Nach dem morgendlichen Programm beginnen für den gebürtigen Grünstädter dann die Vorbereitungen für den Trainingsalltag in der Akademie.

Als ehemaliger Leichtathlet machte Dietrich schon früh Bekanntschaft mit dem Athletiktraining, das der frühere 110-m-Hürdenläufer, der zunächst für den ABC Ludwigshafen und später für die MTG Mannheim an den Start ging, nicht mehr losgeworden ist. Nach dem Abitur 2002 am Kurpfalz-Gymnasium in Mannheim begann er ein Sportstudium an der Heidelberger Universität, das er kurze Zeit später am Karlsruher Institut für Technologie fortsetzte, um tiefere Einblicke in die Sportwissenschaft zu erlangen. Der Kontakt zu 1899 Hoffenheim ergab sich 2007 durch den Hürden-Bundestrainer Rüdiger Harksen, der Dietrich dem Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung Bernhard Peters empfohlen und somit seinen Weg als Athletiktrainer der B- Junioren geebnet hatte. Seit zwei Jahren ist er nun fester Bestandteil der U19-Bundesligamannschaft.

Auf die Frage, wer ihn in seiner Arbeit am meisten geprägt hat, fallen Dietrich sofort Harksen und Reiner Schrey ein, der zu dieser Zeit noch Athletiktrainer der 1899-Profimannschaft war. „Reiner hat mir verdeutlicht, wie wichtig Athletik im modernen Fußball ist. Mit am meisten beeindruckt hat mich dabei seine innovative Arbeit“, kann sich Dietrich noch gut erinnern. Nicht zuletzt die regelmäßigen Athletiktreffen, die unter der Leitung von Peters stattfanden, haben den aufstrebenden Trainer damals weitergebracht. Darüber hinaus haben Schrey und Peters ihm ein Praktikum beim international renommierten Fitnessexperten Mark Verstegen ermöglicht, der seit der Fußball-WM 2006, als er die deutsche Mannschaft betreute, auch in Deutschland bekannt ist. Dietrich selbst nennt die dreieinhalb Monate, die er im „Athletes' Performance Center“ in Phoenix/Arizona, verbrachte, eine unglaubliche Erfahrung.

Auf ca. 2.900 m² Gelände waren Sportler aus allen Bereichen vertreten: Football, Baseball, Eishockey, Fußball... „Die dort verwendete Methodik basiert auf allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die dann auf die jeweilige Sportart und deren Anforderungen angepasst werden“, merkt man Dietrich die Begeisterung an. Vor allem die professionelle Einstellung der Athleten hat ihn erstaunt: „Es ist unglaublich, auf welch hohem Niveau die Leute dort trainieren. Viele würden ihr gesamtes Vermögen eintauschen, um noch einmal einen Titel gewinnen zu können. Die sind nie satt geworden.“ Bei seiner Ankunft wurde er prächtig aufgenommen, von Geheimhaltung oder falscher Arroganz seitens der etablierten Trainer wie Verstegen oder Craig Friedman war keine Spur. „In einem privaten Meeting haben mich die Beiden sogar über den Ablauf bei der deutschen Nationalmannschaft informiert“, erzählt Dietrich. Auch die erfolgsorientierte Arbeitsweise, jeden Tag für sich und den Athleten das Beste zu geben, hat ihm imponiert. „Natürlich versuche auch ich das zu verinnerlichen.“

Neben vielen Erfahrungen hat Dietrich auch neues Trainingsmaterial, wie etwa die „foam roll“ und den „trigger ball“ für regenerative Maßnahmen, mit nach Hoffenheim gebracht, um die gewonnenen Erkenntnisse im Verein einzubringen. Dabei gestaltet sich seine Tätigkeit als Athletiktrainer der U19-Mannschaft als sehr angenehm. Vor allem die gute Zusammenarbeit mit Trainer Alfons Higl, was Athletik und Regeneration betrifft, sagt ihm zu. Sein Tätigkeitsfeld konzentriert sich neben dem Training der konditionellen Fähigkeiten – Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination im Mannschaftsverbund, in Kleingruppen sowie auf individueller Basis – auch auf die Bereiche Regeneration, Rehabilitation und Wiedereingliederung in das Mannschaftstraining. Des Weiteren ist Dietrich für die Athletik der Torhüter, angefangen von der U16 bis zur U19, verantwortlich. Ganz besonders schätzt er dabei die Eigeninitiative seiner Jungs, die für ihn immer ein Zeichen von Leistungswillen darstellt: „Alle ziehen echt super mit. Besonders schön ist es zu sehen, wenn die Spieler selbst merken, dass die harte Arbeit was bringt. Schließlich ist der Athletikbereich eine Komponente der sportlichen Leistung, die man immer verbessern kann.“

Ein besonders gutes Verhältnis hat Dietrich zu seinem Athletikkollegen Kai Kraft, mit dem er sich in der achtzehn99 AKADEMIE ein Büro teilt und auch bei leistungsdiagnostischen Tests in Sachen Durchführung und Dokumentation unterstützt. „Mit Kai stehe ich natürlich in ständigem Austausch, was wissenschaftliche Erkenntnisse betrifft. Durch die Zusammenarbeit mit ihm habe ich auch einiges dazulernen können.“ Über sonstige Entwicklungen in der Trainingswissenschaft hält er sich über Literatur auf dem Laufenden. Eine passende Trainingsanleitung, die speziell auf den Fußball zutrifft, gibt es für Dietrich nicht: „Das Athletiktraining im Fußball ist ein Zusammenschluss aus vielen Bausteinen. Man muss die Erkenntnisse jedoch dem vorherrschenden Anforderungsprofil anpassen.“ Aus diesem Grund werden auch von Zeit zu Zeit die Wirkungen von Trainingseinheiten durch Herzfrequenzmessungen oder Laufstreckenanalysen untersucht, um diese daraufhin zu optimieren. Auf die Frage, ob die Sportwissenschaft ein nie endender Prozess sei, antwortet Dietrich mit einem Nicken. „Viele Gebiete sind noch nicht ausgereift, vor allem die Periodisierung ist in Sachen Aufrechterhaltung und Optimierung der Leistung noch entwicklungsfähig.“ Nicht nur deshalb zieht Dietrich auch ein Master-Studium „strength and coaching“ als Weiterbildung in Betracht. Im Gegensatz zur Periodisierung ist Dietrichs Leidenschaft für seinen Beruf nämlich voll ausgereift.

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