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09.11.2011

Marvin Compper im Interview

Keiner trug in der Bundesliga das Trikot von 1899 Hoffenheim häufiger als er. Sein Name ist eng verbunden mit Aufstieg, Herbstmeisterschaft und Etablierung in der Bundesliga. Gerade mal acht Spiele des Kraichgauclubs in Liga Eins hat Marvin Compper verpasst. Im Interview spricht der Innenverteidiger über seine Entwicklung, Erfahrungen und Perspektiven.

Marvin, du bist von Stuttgart nach Mönchengladbach gewechselt und schließlich in Hoffenheim gelandet. Was hast du von wo mitgenommen?

Aus der Zeit in Stuttgart sind mir ein paar Freundschaften geblieben. Mit Christian Gentner stehe ich beispielsweise immer noch in Kontakt. Außerdem habe ich die Grundzüge der Fußballausbildung in Stuttgart erlernt. Aber prägend war die Zeit in Mönchengladbach. Dort war ich fünf Jahre und habe meine Frau in Düsseldorf kennen gelernt. Irgendwann werden wir uns wohl dort wieder niederlassen.

In Gladbach hast du Abitur gemacht. Weißt du noch was deine Hauptfächer waren?

Meine Leistungskurse waren Biologie und Geschichte.

Nach der Hinrunde 2007/08 bist du nach Hoffenheim gewechselt. Was waren die Gründe?

Die Perspektive auf regelmäßige Einsätze, Trainer Ralf Rangnick und das große Vorhaben des Projekts Hoffenheim, es in die erste Liga zu schaffen.

Mit 132 Bundesligaspielen bist du Hoffenheims Rekord-Bundesligaspieler. Fühlst du dich als alter Hase im Team?

(lacht) So alt bin ich ja noch nicht. Aber grundsätzlich geht nichts über Spielpraxis. Es ist nicht so wichtig, ob Bundesliga oder eine niedrigere Spielklasse. Einsätze sind unbezahlbar und von denen habe ich mittlerweile einige vorzuweisen.


Bringt das in einem jungen Team eine besondere Verantwortung mit sich?

Absolut. Wenn ich selbst Probleme mit meiner eigenen Leistung habe, kann sich niemand an mir orientieren. Man muss vorangehen. Das gilt in unserem Team aber nicht nur für mich. Wir haben mehrere Spieler, an die die jüngeren herantreten können und die ein offenes Ohr haben.

Wie äußert sich die Erfahrung? Was hast du dadurch gelernt?

Ich bin geduldiger geworden. Dabei darf man nur nicht den Ehrgeiz verlieren. Die Mischung hinzubekommen, das erlernt man mit den Jahren. Sich weiter entwickeln zu wollen, alles dafür geben und den nächsten Schritt machen, ohne es zu erzwingen.

Wird man abgebrühter?

Das würde ich nicht sagen. Früher war ich häufig etwas zu lässig, heute gehe ich mit mehr Ernst an die Sache heran. Ich gehe mit Situationen anders um. Das gilt vor allem für das eigene Spiel. Man lernt, nach Fehlern weiter zu machen und trotzdem ein gutes Spiel abzuliefern. Früher hätte mich ein Fehler wie im Pokal gegen Köln den Rest des Spiels beschäftigt. Ich hätte versucht, es wieder gut zu machen, riskante Bälle gespielt und es damit wahrscheinlich noch schlimmer gemacht. Heute kann ich es abhaken und mich voll auf mein Spiel konzentrieren.

Letzte Saison hattet ihr ständig wechselnde Besetzungen in der Viererkette. Jetzt steht in der Defensive wieder ein festes Gerüst. Wie wirkt sich das aus?

Es ist von Vorteil, wenn man eine eingespielte Kette hat. Das ist einer der Gründe, wieso wir bisher defensiv gut standen und wenige Gegentore zugelassen haben. Es ist auch für die Spieler in der zweiten Reihe einfacher, sich zu integrieren, wenn sie ein funktionierendes Gerüst vorfinden. Eine Stammkette alleine gewinnt aber keine Spiele, dafür müssen alle Mann mit nach hinten und vorne arbeiten.

Wie hat sich die Rolle des Verteidigers mit der Zeit geändert?

Der moderne Fußball ist stark vom Konterspiel geprägt. Die Statistiken zeigen, dass die meisten Tore innerhalb von 10 Sekunden nach Balleroberung fallen. Man muss daher im Gegenzug nach einem Ballverlust hellwach sein. Im Spiel kann man keine Sekunde abschalten und man ist ständig in Bewegung. Heute wird den Spielern das in der Ausbildung von Anfang an mitgegeben.

Was überwiegt dann in einem so jungen Team wie 1899? Die Chance, weil die Spieler eine moderne Ausbildung haben oder das Risiko von Fehlern aufgrund mangelnder Erfahrung?

Definitiv die Chance. Alter schützt ja nicht vor Fehlern. Es gibt etliche Beispiele junger Mannschaften, die sehr erfolgreich waren. Arsenal ist 2006 mit einem jungen Kader bis ins Champions League Finale gekommen. Für uns in Hoffenheim ist es in der jetzigen Phase erst einmal wichtig, dass wir uns als Mannschaft weiter entwickeln und jeder Spieler dazu lernt.

Wo siehst du Steigerungsbedarf?

Grundsätzlich müssen wir unsere individuellen Fehler minimieren, die meistens für die Gegentore verantwortlich waren. Und wir müssen kaltschnäuziger werden. Laut den Statistiken haben wir angeblich wenige Chancen. Das liegt aber nur daran, dass wir unsere vielen Angriffe nicht konsequent zu Ende spielen. Daran müssen wir arbeiten.

Wie siehst du den bisherigen Saisonverlauf? Was ist noch drin?

Das ist schwierig zu sagen. Wir haben eigentlich nur in drei Spielen, von denen wir zwei verloren haben, keine gute Leistung abgerufen – gegen Köln, Schalke und zuletzt Kaiserslautern. Bei allen anderen Punktverlusten hätten wir als Sieger vom Platz gehen sollen. Dennoch müssen wir zufrieden sein. Uns ist aber klar, dass wir Luft nach oben haben. Wenn wir mehr Konstanz in unser Spiel bringen, kann es noch eine erfolgreiche Saison werden.

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