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08.12.2011

Club-Coach Dieter Hecking im Interview

Die Abgänge wichtiger Leistungsträger musste Club-Trainer Dieter Hecking im Sommer verkraften. Dennoch kamen die "Cluberer" gut aus den Startlöchern, rutschten jedoch zuletzt immer weiter in Richtung Tabellenkeller. Dass Hecking dennoch kein Freund von Wintertransfers ist und dem aktuellen Kader sein Vertrauen schenkt, verrät er im achtzehn99.de-Interview.

Herr Hecking, 15 der 17 Vorrundenpartien sind absolviert. Wie fällt ihr sportliches Zwischenfazit aus?

Dieter Hecking: Über allem steht in den kommenden Jahren, das haben wir auch schon vor der Saison betont, den Verbleib in der Bundesliga zu schaffen. Wir haben immer betont, dass wir wahrscheinlich zu den sechs, sieben Mannschaften zählen werden, die um den Klassenerhalt kämpfen. Nach dem sehr guten Saisonstart und der tollen vergangenen Spielzeit mit Rang sechs, haben wir vielleicht gedacht, dass es von allein so weitergehen wird. Nach einer Talsohle hat mein Team in den beiden letzten Partien wieder mehr Stabilität gezeigt, für die sie sich jetzt aber noch mit Toren belohnen sollte. Die Liga ist äußerst eng, kleine Fehler werden rigoros bestraft. Mit zwei guten Ergebnissen zum Ende der Vorrunde können wir vielleicht doch noch eine kleine Lücke nach unten reißen und mit zwei Erfolgserlebnissen ins Franken-Derby im Pokal-Achtelfinale kurz vor Weihnachten gehen.

Wichtige Leistungsträger wie Gündogan, Ekici und Schieber haben den Verein vor der Saison verlassen. Würden Sie sagen, dass sie die Abgänge insgesamt kompensieren konnten oder hätten sie gerne auf der einen oder anderen Position nachgebessert?

Dieter Hecking: In die Vergangenheit zu schauen, bringt uns nichts. Der jetzige Kader genießt unser volles Vertrauen, das zeigt sich in der täglichen Arbeit. Auch in der vergangenen Trainingswoche war wieder Feuer drin. Das Team hat konzentriert und mit Spaß gearbeitet, so muss es sein.

Ihr Trainerkollege Holger Stanislawski möchte im Winter auf Neuzugänge verzichten. Gibt es Ihrerseits Überlegungen aufgrund des aktuellen Tabellenstandes nochmals auf Einkaufstour zu gehen?

Dieter Hecking: Ich habe immer gesagt, dass ich kein Freund von Wintertransfers bin. Wenn allerdings bei unseren Langzeitverletzten Mike Frantz, Javier Pinola oder Per Nilsson keine Besserung eintritt, müssen wir uns Gedanken machen, ob wir aktiv werden.

Mit Philipp Wollscheid verlässt am Saisonende ein weiteres großes Talent den Valznerweiher. Wie groß wiegt der Verlust ihres Abwehrchefs und wie geht man als Cheftrainer damit um, jedes Jahr Leistungsträger adäquat ersetzen zu müssen?

Dieter Hecking: Das ist aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (noch) das Los des 1. FC Nürnberg. Dies bewerten wir aber keinesfalls negativ. Im Gegenteil: Es wird zur Kenntnis genommen, dass beim Club junge Spieler nicht nur geholt werden, sondern auch auf dem Platz die Möglichkeit kriegen, sich weiterzuentwickeln. Das spiegelt sich auch in den gestiegenen Anfragen wieder. Junge Spieler sehen, dass sie beim 1. FCN zum Zuge kommen und einen Schritt machen können auf dem Weg zum gestandenen Bundesliga-Spieler. Auf der anderen Seite müssen wir immer wieder darauf bauen, dass Talente aus dem eigenen NachwuchsLeistungsZentrum den Anschluss an den Profikader schaffen, denn der Club wird auch in den nächsten Jahren nicht in der Lage sein, teure Transfers zu tätigen. Umso wichtiger ist ein gut funktionierendes NachwuchsLeistungsZentrum wie beim Club, aus dem in der vergangenen Saison Spieler wie Markus Mendler, Julian Wießmeier, Timothy Chandler, Marvin Plattenhardt und eben Philipp Wollscheid den Sprung geschafft haben.

Am Sonntag gab es beim Hamburger SV die 5. Auswärtsniederlage in Serie. Dennoch hat sich ihre Mannschaft wie schon in den Partien zuvor auf fremdem Platz gut präsentiert. Können Sie dieses Kompliment denn überhaupt noch hören?

Dieter Hecking: Natürlich hört man Lob lieber, wenn auch die Punkte auf dem Konto eingefahren sind. Aber es stimmt mich positiv, dass mein Team gegen den HSV vieles umgesetzt hat, was wir vorher besprochen hatten. Genau das haben wir in der Trainingswoche auch noch einmal herausgearbeitet. Trotzdem hatten wir nach dem guten Saisonstart auch eine schwächere Phase, in der wir nicht so überzeugend aufgetreten sind. Man muss aber auch sehen, dass wir mit Bayern, dem BVB, Gladbach und Schalke bei den Top-Vier-Vereinen auswärts antreten mussten.

In dieser Situation sind die Führungsspieler in besonderem Maße gefragt. Wie schwer wiegt vor diesem Hintergrund der längerfristige Ausfall von Javier Pinola? Wie wichtig ist er gerade für die jungen Spieler in der Mannschaft?

Dieter Hecking: Javier Pinola ist ein wichtiger Spieler für das gesamte Team. Leider müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt seine Rückkehr auf den Fußballplatz in diesem Jahr ausschließen. Uns fehlten in dieser Hinrunde aber auch schon weitere Stammspieler, wie ein Raphael Schäfer, Christian Eigler, Albert Bunjaku, Daniel Didavi oder auch immer noch Per Nilsson, deren Ausfälle meine junge Mannschaft wegstecken musste.

In der letzten Saison gab es gegen Hoffenheim ein Remis und eine Niederlage zu verbuchen. Ausgerechnet im Abschiedsspiel von Marek Mintal siegte 1899 durch einen Treffer von Gylfi Sigurdsson. Ist da noch eine Rechnung offen und was für eine Partie erwarten Sie am Samstag?

Dieter Hecking: Der Club konnte in vier Aufeinandertreffen in der Bundesliga gegen Hoffenheim noch nie gewinnen. Allein aus dieser Statistik ergibt sich eine noch offene Rechnung (lächelt). Im Ernst: Ich halte nicht viel von diesen Zahlenwerken, sie sind eine schöne Spielerei für Journalisten und Fans. Ich will mit meiner Mannschaft jedes Spiel gewinnen. Das gleiche will „Stani“ mit seinem Team schaffen, um nicht unten herein zu rutschen. Insofern ergibt sich für Außenstehende eine interessante Partie. Hoffenheim hat eine gute Ordnung auf dem Platz, beherrscht ein schnelles Umkehrspiel und hat viele Spieler mit Tempo in seinen Reihen.

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