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04.03.2010

Zsolt Löw im Interview: „Die Zeit in Hoffenheim war einmalig!“

Es gibt wohl nicht allzu viele Spieler in der Bundesliga, die nicht gerne gegen ihre ehemaligen Arbeitgeber auflaufen. Der Ungar Zsolt Löw ist einer von ihnen. Im ausführlichen achtzehn99.de-Interview spricht der ehemalige Hoffenheimer, über seine Zeit bei 1899, das Karriereende und seine Pläne nach der Fußball-Karriere.


Zsolt, am Sonntag trifft Mainz zum zweiten Mal in der Bundesliga auf Hoffenheim. Du kannst leider aufgrund einer Sprunggelenksverletzung nicht mit dabei sein. Wie bitter ist das für dich?

Naja, um ehrlich zu sein spiele ich nicht so gerne gegen Hoffenheim. Viele Freunde spielen auf der anderen Seite, zu denen ich noch regelmäßig Kontakt habe und eng befreundet bin. Es war im Hinspiel ein komisches Gefühl, den Menschen gegenüberzustehen, mit denen ich so viele Erfolge feiern durfte. Ich habe versucht, alles für 90 Minuten auszublenden, mich auch im Vorfeld nicht ablenken zu lassen und mich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Das ist mir ganz gut gelungen, wir haben gewonnen und ich habe eine Torvorlage beigesteuert. Nach dem Spiel habe ich dann sofort den Kontakt gesucht und mich mit meinen alten Kollegen lange unterhalten. Es ist einfach schön, die alten Teamkameraden wiederzusehen und über alte Zeiten zu sprechen.


Fährst du dennoch mit der Mannschaft nach Sinsheim?

Leider nicht. Ich werde die Zeit mit meiner Familie verbringen und das Spiel vor dem Fernseher verfolgen. Ich hoffe, dass es in der nächsten Saison klappt, denn ich würde sehr gerne einmal in der Rhein-Neckar-Arena spielen. Ich habe den Bau der Arena die ganze Zeit mit verfolgt, war des Öfteren mit den Kollegen dort. Eine schöne Arena, in der man gerne Fußball spielt. Aber in Mainz entsteht auch gerade ein echtes Schmuckkästchen, in dem ich auch unbedingt noch spielen möchte.


Vor einigen Wochen musstest du dich einer Operation am Sprunggelenk unterziehen. Wie ist der bisherige Heilungsverlauf und wann können wir dich wieder auf dem Rasen sehen?

Das wird wohl noch etwas dauern. Die Ärzte gehen von 3-4 Monaten Pause aus. Selbst wenn die Verletzung früher ausheilt, hätte ich noch einen enormen Trainingsrückstand aufzuholen. Das ist kaum zu schaffen. Daher gebe ich mir die Zeit, versuche in der Sommerpause meine Defizite aufzuholen und in der neuen Saison wieder voll anzugreifen.


Am vergangenen Samstag ging eure imposante Heimbilanz leider zu Ende, das Spiel gegen Werder Bremen ging mit 1:2 verloren. Wie bewertest du diese Partie?

Es war ärgerlich, dass unsere Heimserie gerissen ist. Aber jede Serie geht einmal zu Ende. Die Rote Karte in der Anfangsphase war der Knackpunkt, 80 Minuten in Unterzahl gegen einen sehr spielstarken Gegner zu spielen ist fast nicht zu schaffen. Aber ich denke, dass wir uns auch trotz der Niederlage weiterhin heimstark zeigen werden und dies gleich im nächsten Heimspiel wieder unter Beweis stellen.


In der Tabelle steht ihr richtig gut da. Seid ihr selbst überrascht, dass ihr mit dem Abstieg überhaupt nichts zu tun habt?

Zu Saisonbeginn ging es in Mainz recht turbulent zu mit dem Trainerwechsel von Jörn Andersen zu Thomas Tuchel. Niemand wusste, wie lange Thomas brauchen würde, um einen Draht zur Mannschaft zu bekommen, seine Philosophie, seine Art und Weise Fußball spielen zu lassen vermitteln zu können. Doch wir haben es geschafft, sein Konzept sehr schnell umzusetzen, das war ein hartes Stück Arbeit in kürzester Zeit, doch es hat sich ausgezahlt. Daher war diese Entwicklung nicht unbedingt absehbar. Mit dem Punkte-Polster im Rücken können wir nun in Ruhe arbeiten, müssen nicht nach hinten schauen und wollen einfach versuchen noch so viele Punkte wie möglich zu holen.


Thomas Tuchel und Ralf Rangnick gelten als Trainer mit einer sehr ähnlichen Philosophie. Du hast unter beiden gespielt, sind sie sich wirklich so ähnlich oder gibt es doch Unterschiede?

Sie sind sich schon ähnlich, aber in manchen Punkten auch sehr unterschiedlich. Die Spieltaktiken und Trainingsformen lassen Parallelen erkennen, man sieht, dass beide einige Jahre zusammengearbeitet haben. Menschlich gibt es Unterschiede, das Alter spielt dabei eine große Rolle. Ralf ist ein sehr erfahrener Trainer während Thomas noch jung und ambitioniert ist. Doch auch Thomas hat schon gezeigt, dass er im Trainergeschäft mithalten kann, die Erfolge im Jugendbereich kommen nicht von ungefähr.


Du warst bei allen großen Erfolgen von 1899 Hoffenheim mit dabei. Sind die Spiele gegen Hoffenheim etwas Besonderes für dich?

Ja, natürlich. Als ich damals nach Hoffenheim gewechselt bin, ging ich ein großes Risiko ein. Die Menschen in Ungarn haben diesen Wechsel nicht verstanden. Doch im Nachhinein habe ich alles richtig gemacht. Es war eine einmalige Geschichte, die sich vielleicht nicht wieder in dieser Form wiederholen wird. Ich bin sehr stolz, dabei gewesen zu sein und meinen Beitrag geleistet zu haben. Wir hatten eine besondere Stimmung in der Mannschaft, das hatte ich zuvor noch nicht erlebt - alles war so familiär. Viele Freundschaften sind dabei entstanden, die Zeit in Hoffenheim war einmalig.


Zwei Aufstiege und die Herbstmeisterschaft in der Bundesliga - welcher Erfolg war rückblickend der schönste für dich?

Klar, waren alle Erfolge sehr schön, aber der größte Erfolg für mich war der Aufstieg in die Bundesliga. In dieser Saison habe ich fast alle Spiele gemacht und einen großen Beitrag zum Aufstieg geleistet. Leider kam ich in der Bundesliga nicht mehr so zum Zuge, weshalb der Wechsel nach Mainz der richtige Schritt für meine Karriere war.


In Hoffenheim wird dir nach wie vor aufgrund deiner positiven und selbstlosen Art sehr viel Sympathie und Wertschätzung entgegengebracht. War Hoffenheim deine schönste Station als Profi?

Ja, das war sie. Auf die Zeit in Hoffenheim bin ich sehr stolz. Natürlich gab es auch in den zweieinhalb Jahren Höhen und Tiefen, doch auch wenn ich nicht gespielt habe, habe ich mich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Der Erfolg der Mannschaft stand für mich immer im Vordergrund. Das haben meine Mitspieler und auch der Trainerstab zu schätzen gewusst.


Du hast vor dem Hinspiel ein längeres Gespräch mit Per Nilsson geführt. Werdet ihr euch trotz deines Ausfalles auch dieses Mal wieder austauschen?

Wenn Mainz am Sonntag gewinnt, rufe ich ihn nach dem Spiel an, gewinnt allerdings Hoffenheim dann wohl eher nicht (lacht). Aber mal im Ernst: Der Kontakt nach Hoffenheim und zu Pelle ist nie abgerissen. Leider ist er weniger geworden, aber das ist ganz normal, wenn man nicht mehr zusammenspielt. Aber ich weiß, dass ich ihn immer anrufen kann, er für mich da ist, wenn ich ihn brauche. Das gibt es im Profi-Fußball nur äußerst selten.


Wie intensiv verfolgst du noch das Geschehen in Hoffenheim?

Ich habe meine Quellen (lacht). Natürlich schaue ich mir im Fernsehen die Zusammenfassungen an. Darüber hinaus besteht ja noch Kontakt nach Hoffenheim. Mit Zsolt Petry und Per Nilsson tausche ich mich regelmäßig aus, zu Rainer Schrey besteht auch noch Kontakt. Im November habe ich gemeinsam mit ihm einen Tandem-Sprung gewagt. Das war unglaublich.

Wie bewertest du mit etwas Abstand die derzeitige Entwicklung bei 1899 Hoffenheim?

Es war zu erwarten, dass die Entwicklung nicht in diesem Tempo weitergehen kann. Das ist ein normaler Vorgang. Aber ich bin mir sicher, dass Ralf die Mannschaft aus dem momentanen Mittelmaß weiter nach vorne bringen kann. Schritt für Schritt wird sich die Mannschaft in den nächsten Jahren an die Tabellenspitze heran kämpfen.


Du wirst im April 31 Jahre alt. Wie lange bleibst du uns als Fußballer noch erhalten?

Das hängt natürlich in erster Linie von meiner Gesundheit ab. In Mainz habe ich noch ein Jahr Vertrag, danach sieht man weiter. Solange es mir Spaß macht, würde ich gerne weitermachen.


Hast du schön Pläne, wie es für dich nach der Karriere weitergehen soll?

Das gibt es ein paar Möglichkeiten, die aber noch nicht konkret besprochen wurden. Meine Frau und ich möchten erst einmal wieder zurück nach Ungarn, ich war jetzt acht Jahre weg von meiner Familie. Sollte ich die Möglichkeit bekommen in Deutschland im Fußballgeschäft weiterarbeiten zu können, könnte ich mir dies auch sehr gut vorstellen. Aber zunächst geht es wie gesagt nach der Karriere zurück nach Ungarn. Meine Eltern und Schwiegereltern sollen ihre Enkeltochter auch mal länger zu Gesicht bekommen, als nur ein paar Wochen im Jahr.

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