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U23
20.12.2010

U23-Trainer Markus Gisdol im Interview

Markus Gisdol, 41, ist nun bereits im zweiten Jahr Trainer der Hoffenheimer U23. Durch den souveränen Gewinn der Oberliga-Meisterschaft führte er „Hoffe zwo“ auf Anhieb in die Regionalliga, wo sich sein Team mittlerweile im oberen Tabellendrittel festgesetzt hat. Mit viel Akribie hat der gebürtige Geislinger eine Mannschaft aufgebaut, die attraktiven Fußball zeigt und in der der ein oder andere junge Spieler steckt, der das Zeug für höhere Aufgaben hat. Im Interview äußert sich der angehende Fußball-Lehrer über den bisherigen Saisonverlauf, den aktuellen Ausbildungsstand im Hoffenheimer Nachwuchsbereich und seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer.

Herr Gisdol, Sie sind nun eineinhalb Jahre Trainer bei 1899 Hoffenheim und haben in dieser Zeit schon viel erleben dürfen, wie etwa den Aufstieg in die Regionalliga oder den Umzug ins Trainings- und Geschäftsstellenzentrum. Wie würden Sie Ihre ersten 18 Monate im Kraichgau zusammenfassen?

Das war eine sehr intensive Zeit. Wir haben viel miteinander erlebt, vom Aufbau einer total neuen Mannschaft, die gleich unter enormem Erfolgsdruck stand, über den überragenden Saisonabschluss mit der lange ersehnten Meisterschaft, bis hin zur aktuellen Situation in der Regionalliga, wo die Etablierung als Team mit stärkerer Gewichtung der individuellen Ausbildung der einzelnen Spieler klar im Vordergrund steht.


Derzeit steht Ihre Mannschaft auf dem dritten Platz der Regionalliga Süd. Wie sieht Ihre bisherige Saisonbilanz aus? Womit sind Sie zufrieden, wo sehen Sie Steigerungspotenzial?

In unserem Kader stehen nicht weniger als 16 Spieler, die im ersten Jahr auf Regionalliga-Niveau aktiv sind. Der Aufstieg war genau aus diesem Grund für uns sehr wichtig, damit sich unsere Jungs gegen bessere Mannschaften, bessere Individualisten und unter erschwerten Rahmenbedingungen - ich denke da zum Beispiel an mehr und lautere Zuschauer - behaupten können. Von daher ist das Mannschaftsergebnis bisher überraschend positiv.


Ihr Ex-Klub SSV Ulm ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die SpVgg Weiden hat sogar Insolvenz an- und ihre Mannschat aus dem laufenden Spielbetrieb abmelden müssen. Ist die Regionalliga eine „Todes-Liga" - oder übernehmen sich manche Klubs einfach nur?

Das ist natürlich aus der Ferne schwer zu beurteilen. Jedenfalls ist es augenscheinlich, dass sich die Schwierigkeiten bei den Regionalliga-Vereinen nach der Einführung der 3. Liga häufen.

Sie haben im Laufe der Runde Alexander Rosen verloren, der seine Karriere beendet hat und neuer Sportlicher Leiter des Hoffenheimer Nachwuchsleistungszentrums geworden ist. Wie schwer wiegt dieser Verlust?

Eigentlich sah unser Plan vor, den jungen Spielern die ersten Schritte in der Regionalliga mit der Unterstützung von Alex auf und neben dem Platz zu erleichtern, um im Laufe der Rückrunde die Verantwortung mehr auf die Jungen zu übertragen. Durch seine Verletzung ist dieser Schritt nun früher gekommen und die Jungs machen das prima. Generell ist Alex eine perfekte Besetzung für seine neuen Aufgaben und er wird unsere Arbeit voranbringen. Da bin ich mir absolut sicher.


Sie haben in diesem Sommer sieben Spieler übernommen, die letztes Jahr noch in der Hoffenheimer A-Jugend spielten. Mit Jannik Vestergaard und Denis Thomalla stehen derzeit zwei weitere A-Junioren in Ihrem Kader. Der Übergang vom Nachwuchs- in den Seniorenbereich scheint gut zu funktionieren...

Ja, absolut. Allerdings können wir nicht erwarten, dass diese Jungs immer gleich im Profikader Fuß fassen. Ausbildung hat in diesem sensiblen Übergangsbereich auch sehr viel mit Geduld, Kontinuität und Weitsicht zu tun. Das, was andere Vereine über viele Jahre hinweg erarbeitet haben, können wir nicht in drei oder vier Jahren aufholen. Wir sind aber auf einem guten Weg.


Ihr Hauptaugenmerk liegt also neben dem Mannschaftserfolg auf der Ausbildung der Einzelspieler. Einige haben in der vergangenen Runde bereits Bundesliga-Luft geschnuppert. Wie sehen Sie in diesem Punkt den Entwicklungsstand?

Sie müssen sich kontinuierlich weiter entwickeln, dann ist es nur eine Frage der Zeit. Ich wiederhole mich: Das Zauberwort heißt „Geduld". Das rasante Tempo der Entwicklung mit den jeweiligen Aufstiegen der Profimannschaft kann im Nachwuchsbereich nicht als Maßstab dienen. Wir dürfen die Talente nicht durch die einzelnen Entwicklungsstufen hetzen. Den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz im Profibereich bestimmt allein das Talent durch seine Entwicklung und Leistungsstabilität, und nicht etwa der Wunsch nach schnellen Einsatzzeiten in der Bundesliga!


Was zeichnet Ihrer Meinung nach das Spiel Ihrer Mannschaft aus?

Meiner Meinung nach muss in der U23 die Spielphilosophie von 1899 Hoffenheim - aggressives Spiel gegen den Ball, nach vorne schnelles Spiel mit wenig Ballkontakten - am deutlichsten zum Ausdruck kommen. Viele Jungs haben das auch schon oft und gut umgesetzt und begeisternde Spiele gezeigt. Andererseits ist es aber auch so, dass sie noch Fehler machen. Das sollen sie auch, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln, damit sie eben genau diese Fehler in der Zukunft minimieren.


Sie absolvieren derzeit in Köln ihre Ausbildung zum Fußball-Lehrer. Aus diesem Grund haben Sie mit U15-Trainer Frank Fröhling einen zweiten Co-Trainer dazu geholt, Otmar Rösch hatten Sie bereits aus Ulm mitgebracht. Wie fangen die beiden Ihre mehrtägige Abwesenheit unter der Woche auf?

Wir hatten sehr großen Respekt vor dieser veränderten Situation. Deswegen haben wir vor der Saison versucht, jedes kleinste Detail -Training, Besprechung, Analysen - durchzuplanen. So etwas ist nur möglich, wenn man ein perfekt funktionierendes Trainerteam hat. Und das haben wir! Des Weiteren habe ich Herrn Hopp direkt nach dem Aufstieg das Versprechen gegeben, in dieser Saison nicht abzusteigen. Und dieses Versprechen werden wir einhalten...


Und wie läuft's mit der Ausbildung in Köln?

Da ich mich als Trainer immer weiter entwickeln will, ist es eine sehr interessante Ausbildung. Es war zugegebenermaßen nicht leicht, wieder die Schulbank zu drücken und sich auf Klausuren vorzubereiten. Man fühlt sich in die Schulzeit zurückversetzt, und die physische wie psychische Belastung ist dabei enorm. Der größte Teil ist aber geschafft und die Abschlussprüfung Mitte März in Sicht.


Das Fußball-Jahr 2010 neigt sich dem Ende entgegen. Wie geht es bis zum Restrückrundenstart im Februar für ihre Jungs weiter?

Die Jungs haben eine Woche komplett frei und beginnen dann mit individuellen Einheiten als Heimaufgabe. Beginn der Wintervorbereitung ist der 11. Januar. Wichtig ist aber, dass die Spieler in der trainingsfreien Zeit regenerieren und den Kopf mal frei bekommen. Sie sollen sich auch mal mit anderen Dingen als Fußball befassen.


Welche Wünsche haben Sie für 2011?

Gesundheit für meine gesamte Familie. Alles andere kann kommen, wie es kommen soll...

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