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U23
28.10.2010

U23-Gegnerporträt: KSV Hessen Kassel

Am Freitagabend, 19 Uhr, trifft die U23 im Dietmar-Hopp-Stadion auf den KSV Hessen Kassel. Wir stellen die Mannschaft vor, die derzeit an der Tabellenspitze der Regionalliga Süd steht und nicht nur deshalb als Topfavorit für den Aufstieg gilt.

Jörg Berger saß im Studio des Hessischen Rundfunks und war nicht mehr zu beruhigen. „Das kann einfach nicht sein", schimpfte er, „so viel Pech kann man nicht haben." Zum dritten Mal in Folge - das zweite Mal in seiner Amtszeit - hatte der KSV Hessen Kassel in der Zweiten Liga nur Platz vier belegt und war somit nur haarscharf am Bundesliga-Aufstieg vorbeigeschrammt. Knapper als im Juni 1985 ging es nun aber wirklich nicht. Seit dem 18. Spieltag stand Bergers Truppe auf einem Aufstiegsrang, vor dem letzten sogar auf Platz eins. Der KSV musste schließlich zum Saisonabschluss beim Tabellenzweiten 1.FC Nürnberg ran - und verlor durch Tore von Dieter Eckstein (61.) und Thomas Brunner (90.) mit 0:2. Da zeitgleich - und genau das hätte nicht passieren dürfen - Hannover 96 (2:0 gegen Hertha BSC) und der 1.FC Saarbrücken (2:1 gegen die SG Wattenscheid) gewannen, rutschten die Kasselaner mit einem Schlag auf den „Blech-Platz". Jörg Berger verfluchte das Schicksal.

Der Traum von Bundesliga-Fußball im Auestadion sollte sich bis heute nicht erfüllen. Im Folgejahr fehlten wiederum nur zwei Zähler, danach ging es fast stetig bergab. 1987 folgte der Absturz in die Oberliga Hessen und nach einem kurzen Aufflackern 1991, als der KSV bis ins DFB-Pokal-Viertelfinale vordrang (und dort dem späteren Sieger Werder Bremen mit 0:2 unterlag), schlitterten die Hessen 1993 ungebremst in den Bankrott. Vier Jahre hielt sich die als FC Hessen Kassel ausgegliederte Fußball-Abteilung noch über Wasser, dann gingen die Lichter endgültig aus.

Nachdem eine Bürgschaft zur Sicherstellung des Spielbetriebs in Höhe von 300.000 DM abgelaufen war, wurde der Verein, dessen Wurzeln im 1893 gegründeten FC Union 93 Kassel liegen, aus dem Register gelöscht. Nach der Neugründung im Februar 1998 mussten sich die Kasselaner von der achten Spielklasse wieder hocharbeiten. Nach vier Aufstiegen in Serie setzten sie sich zunächst in der Oberliga fest, 2006 gelang der Sprung in die Regionalliga, in der sie im Zuge der Einführung der 3. Liga die Qualifikation verpassten. Nach einem zweiten und einem vierten Platz soll es nun im dritten Anlauf endlich klappen. Mit dafür verantwortlich ist ein Sohn der Stadt: Mirko Dickhaut, Jahrgang 1971, wurde in Kassel geboren und begann hier auch seine Profi-Karriere, die ihn über Eintracht Frankfurt zum VfL Bochum bis nach Österreich (SW Bregenz) führte, ehe er 2005 zu seinen Wurzeln zurückkehrte. Seit 2008 sitzt Dickhaut nun auf der Trainerbank des KSV und steht gerade in seiner dritten Saison als Chefcoach. Die begann ganz ordentlich mit sechs Siegen aus den ersten sieben Partien, ehe am 8. Spieltag beim 2:4 in Memmingen der bislang einzige Dämpfer folgte.

Im Sommer hat Dickhaut noch einmal kräftig an seinem Team gewerkelt, 13 Spieler gingen, ebensoviele kamen. Darunter Abwehrspieler Benjamin Weigelt vom SV Wehen Wiesbaden oder in der Region bekannte Namen wie der Ex-Waldhöfer Ken Asaeda (kam mit den Kollegen Mario Neunaber und Tobias Damm vom Wuppertaler SV), Mario Pokar (SV Sandhausen) oder Andreas „Bobo" Mayer, der zwischen 2006 und 2008 bei 1899 Hoffenheim im Kader und zuletzt beim SSV Ulm 1846 unter Vertrag stand. Mayer traf bereits fünf Mal ins Schwarze und wird lediglich von Tobias Damm (6) getoppt. Dahinter steht mit Thorsten Bauer (4) ein Kasseler Urgestein, das seit 2002 im Auestadion aufläuft und weit über 100 Tore für den KSV erzielt hat. Apropos Auestadion: Im 1953 errichteten Mehrzweckstadion wurde im letzten Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg II die neue Haupttribüne eingeweiht. 11.000 Zuschauer waren zu diesem Ereignis gekommen, um dann allerdings ein trostloses 0:0 zu sehen. Am Ende mussten sich die Hessen sogar bei Keeper Morten Jensen bedanken, der mit einigen Glanzparaden die erste Heimniederlage vereitelte. „In der vergangenen Saison hät-ten wir so ein Spiel verloren", zeigte sich der KSV-Vorsitzende Jens Rose mit dem Unentschieden nicht mal unzufrieden.

Die Chance, der Konkurrenz weiter zu enteilen, hat Kassel somit erstmal vertan. Am Freitagabend im Duell bei der U23 von 1899 Hoffenheim steht die Elf von Trainer Mirko Dickhaut nun unter Druck, denn bei einer Niederlage würde der Vorsprung weiter schrumpfen. Der Aufstieg in die 3. Liga ist aber für den Traditionsklub, der mit einem Schnitt von 26,8 Jahren die älteste Regionalliga-Mannschaft ins Rennen schickt, Pflicht.

Ticket-Informationen zum Spiel gibt es hier.

Den Vorbericht zum Spiel gibt es hier.

KSV Hessen Kassel
Tor: Pascal Formann (27), Sven Hoffmeister (40), Morten Jensen (23).
Abwehr: Jens Grembowietz (23), Sebastian Gundelach (28), Florian Heussner (22), Christoph Keim (29), Mentor Latifi (26), Mario Neunaber (28), Benjamin Weigelt (28), Michael Zepek (29).
Mittelfeld: Ken Asaeda (27), Enrico Gaede (28), Dennis Joedecke (20), Kai Koitka (29), JarosÅ‚aw Matys (23), Andreas Mayer (29), Moritz Murawski (19), René Ochs (26), Mario Pokar (20).
Angriff: Thorsten Bauer (33), Tobias Damm (26), Manuel Pforr (21).
Trainer: Mirko Dickhaut (39).

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