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22.09.2010

Nächster Gegner: Soldos defensive Ausrichtung

Die Karnevalszeit rückt näher. Im Gegensatz zu Mainz ist man in Köln noch nicht so recht in Feierlaune. Denn vier Punkte aus fünf Partien sind zu wenig für die Ansprüche in der Domstadt. Anstatt die Flucht nach vorne zu suchen, setzt FC-Trainer Zvonimir Soldo auf die Mauertaktik – bislang noch relativ erfolglos.

Was drei Tage zuvor gegen die Münchner Bayern noch ganz gut lief, entpuppte sich gegen die Karnevalskollegen aus Mainz als falsche Taktik. Nach dem Punktgewinn in München (0:0), bei dem man von Glück sprechen musste, dass Thomas Müller und seine Kollegen bei einem Chancenverhältnis von 21 zu acht schlicht und einfach nicht in der Lage waren, das Runde ins Eckige zu befördern, folgte ein 0:2 bei Spitzenreiter Mainz 05. Gut, bei den Mainzern, mit 15 Punkten aus fünf Partien das dominierende Team der Bundesliga, darf man aktuell verlieren.

Defensivtaktik mit kleinen Löchern

Soldo hält auswärts aber an der Defensivtaktik fest - zum Leidwesen des Punktekontos und der Spieler. Lukas Podolski zeigte sich nach der dritten Niederlage der Saison in Mainz sehr ernüchtert: „Der Sieg der Mainzer war vollkommen verdient. Wir hatten in keiner Phase das Spiel im Griff oder haben uns Möglichkeiten erarbeitet - das ist einfach zu wenig. Das war ein peinlicher Auftritt. Wir müssen offensiver spielen und mehr nach vorne riskieren. Ohne in Zweikämpfe zu gehen, ohne Laufbereitschaft: So kann man nicht auftreten." Klar ist, dass der FC nach vorne noch Luft nach oben hat (vier Saisontore) und sich nach einem Gegentor nicht mehr aufrappeln kann. Haben die Kölner in dieser Saison einen Gegentreffer bekommen, gingen sie als Verlierer vom Platz. Wie defensivorientiert das Kölner Spiel ist, hat sich auch gegen Mainz wieder gezeigt. Während der Tabellenführer das FC-Gehäuse 20 Mal unter Beschuss nahm, feuerten „Poldi" und Co. nur acht Schüsse ab. Ein Eckenverhältnis von eins zu neun untermauert die defensive Spielweise nur noch mehr.

„Poldis" Leid, Soldos Einsicht

Während in Mainz schon sieben Wochen vor dem 11.11. kräftig gefeiert wird, bleiben die Kostüme am Niederrhein noch in den Schränken. Gegen die fußballerische Tristesse ist selbst Podolski machtlos, von dem man nach seiner Entfaltung im Spiel gegen St. Pauli gedacht hatte, er hätte den Schalter jetzt auch im Verein umgelegt. Aber es bleibt vorerst dabei: So gut der Kölner „Prinz" in der DFB-Elf auftritt, so ausbaufähig sind seine Leistungen im FC-Trikot. Aber was will man von einem Stürmer erwarten, wenn das Spiel defensiv ausgelegt ist. In die Spitze kommen zu wenige Bälle, größtenteils ist auch Podolski mit Abwehrarbeit beschäftigt. Mit der Kapitänsbinde um den Arm wirkte „Poldi" wach, frisch und übernahm Verantwortung - als wollte er mehr geben. Nach der Rückkehr von Youssef Mohamad ist die Kölner Nummer zehn das Kapitänsamt wieder los, genauso wie die positive Spannung. So jedenfalls war der Eindruck nach dem jüngsten Auftritt in Mainz. Mehr als ein gefährlicher Freistoß gelang ihm nicht. Die Kölner Verantwortlichen sehen darin aber keineswegs den Grund für die Leistungen des Nationalspielers: „Poldis Leistung hat nichts mit der Binde zu tun", bekräftigte FC-Boss Wolfgang Overath und auch Soldo stimmte mit den gleichen Worten zu.

Dass sein Team auch in Mainz wieder nicht überzeugte, ist dem Teamchef nicht entgangen: „Wir haben keine Antwort auf die Mainzer Spielweise gefunden. In der zweiten Hälfte sind wir nach der Umstellung besser ins Spiel gekommen, aber die Gegentore waren einfach zu billig. Mainz 05 hat mehr investiert und dementsprechend auch verdient gewonnen", erklärte der Trainer. Einsicht zeigt Soldo. Und vielleicht hat sich der gebürtige Kroate auch etwas von der Taktik der Karnevalskollegen abgeschaut. Ein besseres Beispiel für erfolgreichen Fußball gibt es in der deutschen Elite-Klasse momentan nämlich nicht.

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