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27.01.2010

Jan Schindelmeiser im Interview Teil 2

Im Sommer 2006 dachten die wenigsten Hoffenheimer Fans daran, dass ihr Verein nur zwei Jahre später in der Fußball-Bundesliga spielen würde. So auch nicht Jan Schindelmeiser. Der 46-Jährige übernahm ab diesem Zeitpunkt den Managerposten bei den Kraichgauern. Viel ist seitdem passiert. Im zweiten Teil des großen achtzehn99-Interviews spricht Jan Schindelmeiser über die Nationalmannschaft, eine weitere Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick und wagt ebenso einen Blick in die fußballerische Zukunft von 1899 Hoffenheim.

Herr Schindelmeiser, derzeit läuft parallel zur Rückrunde der Afrika-Cup in Angola. Hoffenheim muss deshalb auf Chinedu Obasi und Isaac Vorsah verzichten. Fällt es angesichts eines so jungen Kaders noch schwerer, wochenlang auf Leistungsträger zu verzichten?


Absolut. Der Afrika-Cup ist fast schon ein Anachronismus. Alle zwei Jahre stellen die Klubs während der Saison Spieler für diesen Wettbewerb ab. Sie fehlen nicht nur, wir bezahlen sie auch noch weiter. Ich hoffe, Isaac und Edu kommen gesund zurück.

Zuletzt wurde mehrfach und ligaübergreifend über Länderspielabstellungen diskutiert. Wie ist Ihre generelle Einstellung zu Länderspielabstellungen, vor allem Freundschaftsspiele während der laufenden Saison?


Durch die unterschiedlichen Interessen können hier immer mal wieder Konfliktfelder entstehen. Wenn ein Spieler in einer zweiwöchigen Abstellungsperiode in der zweiten Woche mittwochs in Südkorea ein Freundschaftsspiel austrägt und erst am Freitag vor dem Bundesligaspiel nach einer 28-stündigen Reise in Deutschland ankommt, ist dies sehr ärgerlich. Gegenüber der deutschen Nationalmannschaft ist die Situation aber entspannt und kooperativ.

Mit Andreas Beck verfügt Hoffenheim mittlerweile über einen mehrfach nominierten deutschen Nationalspieler, der möglicherweise sogar zur Weltmeisterschaft fahren darf. Hinzu kommen etliche weitere Nationalspieler im Hoffenheimer Kader. Welche Bedeutung haben diese Nominierungen für einen Klub wie Hoffenheim?


Wir freuen uns grundsätzlich über jeden Nationalspieler, weil es Ausdruck der Wertschätzung für den Einzelnen, aber auch für die Arbeit im Klub ist. Auf der anderen Seite wird die Arbeit im Verein erschwert, wenn durch Länderspielabstellungen mehrmals im Jahr das Training nur mit einem Rumpfkader durchgeführt werden kann.

Welche Rolle trauen Sie der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft dieses Jahr zu?


Ich traue ihr alles zu. Auch den Titel.


Zurück zu 1899. Sie sind mittlerweile nicht nur Manager, sondern nach Ihrer Vertragsverlängerung auch in die Geschäftsführung berufen worden. Hat sich dadurch ihr Aufgabenfeld verändert?


Nicht wesentlich. Verändert hat sich die gesellschaftsrechtliche Verantwortung, die sich aus der Rolle als Geschäftsführer ergibt. Im Binnenverhältnis versuche ich der speziellen Verantwortung gerecht zu werden, die sich aus den Freiheiten und dem Vertrauen ergibt, welches uns insbesondere von Dietmar Hopp entgegengebracht wird.

Eine Ihrer Aufgaben wird sicherlich auch sein, mit Ralf Rangnick über eine mögliche Vertragsverlängerung zu sprechen, dessen Kontrakt noch bis 2011 läuft. Wie ist der aktuelle Stand?


Die vergangenen dreieinhalb Jahre waren außergewöhnlich. Ohne Ralf Rangnick als Trainer hätte der Klub diese Entwicklung nicht nehmen können. Insofern würde ich mich freuen, wenn wir auch nach 2011 weiter zusammenwirken.

Gebürtig sind Sie ja aus dem Norden Deutschlands. Im Fußballgeschäft kommt es aber durchaus häufiger vor, dass man umziehen muss. Seit 2006 sind Sie bereits im Kraichgau. Welche Eindrücke haben Sie seitdem gewonnen?


Ich hatte bisher das Glück, nicht so häufig umziehen zu müssen. Es sind die Menschen in der Region, die es einem leicht machen, sich hier wohl zu fühlen. Sie sind sehr bodenständig, hilfsbereit und ein wenig stolz auf das, was hier in den letzten Jahren entstanden ist. Es ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich, ihnen etwas von dieser Sympathie zurückzugeben.

Zum Schluss dürfen Sie mal einen Blick in die Fußball-Glaskugel werfen. Wo steht 1899 Hoffenheim in fünf Jahren, sowohl sportlich als auch in der Entwicklung als Unternehmen?


Wenn wir unserer Linie treu bleiben, uns nicht von kurzfristigen Erwartungen abhängig machen, uns nicht von außen diktieren lassen, welche Ziele wir zu erreichen haben, dann könnten wir in fünf Jahren in der Bundesliga etabliert und wirtschaftlich weitgehend unabhängig sein. Darüber hinausgehende Ambitionen nicht ausgeschlossen.

Den ersten Teil des Interviews noch einmal zum Nachlesen:

Interview Jan Schindelmeiser Teil 1 »

Erschienen im achtzehn99-Stadionmagazin am 24. Januar 2010.

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