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08.11.2010

Gylfi Sigurdsson trifft Robert Gunnarsson und Gudjon Sigurdsson

Die Metropolregion Rhein-Neckar erstreckt sich auf einer Fläche von über 5600 km² und beheimatet rund 2,4 Millionen Menschen. Dabei sind insbesondere im Bereich des Leistungssports Sportler und Athleten aus aller Welt zu finden, die Woche für Woche ihre Top-Leistungen abrufen und die Menschen der Metropolregion begeistern. Seit Beginn der Saison hat ein Isländer bei 1899 Hoffenheim sein neues Zuhause gefunden. Nicht der erste aus dem Inselstaat, der in Deutschland seine sportliche Heimat gefunden hat. Róbert Gunnarsson und Gudjón Sigurdsson von den Rhein-Neckar-Löwen sorgen in der Handball-Bundesliga schon seit längerem für Furore. In der Serie „Sportler trifft Sportler“ traf Gylfi Sigurdsson auf seine Landsleute von den Rhein-Neckar-Löwen.

Zwei Sigurdssons an einen Tisch zu bekommen, klingt wie keine einfache Aufgabe - schon gar nicht auf deutschem Terrain - gestaltet sich dann aber nicht so schwer, wie man zunächst vermuten würde. Der Name ist in Island weit verbreitet, die Namensgebung unterscheidet sich stark von der der deutschen. „Es gibt nicht viele Familiennamen bei uns. Die Kinder bekommen den Vornamen des Vaters und fügen ergänzend den Zusatz Sohn oder Tochter hinzu. So einfach ist das", sagt Gudjón. Für die isländischen Handballer war es einfach in Deutschland Fuß zu fassen. Von den offensichtlichen geografischen und geologischen Unterschieden einmal abgesehen, erkennt Gudjón viele Gemeinsamkeiten im Ländervergleich zwischen Deutschland und Island. Das erleichtert die Integration. „Die Mentalität ist nicht viel anders. Es wird in Island hart gearbeitet und viel auf Disziplin geachtet. Die Unterschiede sind nicht so groß, wie viele glauben. Mal abgesehen von der Größe des Landes und der Einwohnerzahl."

Ein ganzes Land fiebert mit

Die Sportbegeisterung kennt in der Handballnation des Silbermedaillen-Gewinners von 2008 keine Grenzen. 90 Prozent der isländischen Bevölkerung verfolgte die knappe Final-Niederlage gegen Frankreich bei den Sommerspielen 2008 in Peking - eine unglaubliche Quote. „Handball und Fußball sind die beiden populärsten Sportarten, wobei der Fußball einen noch höheren Stellenwert genießt", erklärt Gylfi. „Die Handball-Nationalmannschaft ist aber erfolgreicher", kontert Róbert, spielt jedoch sogleich den Doppelpass mit seinem sieben Jahre jüngeren Landsmann. „Hat Island nicht vor kurzem Deutschland im Fußball geschlagen?", fragt er süffisant in die Runde. Die Antwort lässt auch nicht lange auf sich warten. „Ja, mit 4:1", sagt Gylfi stolz. Doch der Erfolg über Rainer Adrions U21 wäre nur Makulatur gewesen, hätte der Mittelfeldspieler seine Torgefährlichkeit nicht auch beim 2:1-Sieg in Schottland unter Beweis gestellt. Als zweifacher Torschütze schoss er sein Team erstmals zur EM-Endrunde.

Vom Handball-Torwart zum Freistoß-Spezialist

Handball oder Fußball - diese wegweisende Frage stellten sich auch Gylfi Sigurdsson, Róbert Gunnarsson und Gudjón Sigurdsson im Laufe ihrer Jugendzeit. Der eine etwas früher, der andere etwas später. Róbert hat sich wahrlich mehr Zeit genommen, ehe er sich endgültig dem Handballsport verschrieben hatte. „Im Sommer spielt man Fußball und im Winter Handball. Das war bei mir nicht anders. Ich war in beiden Sportarten gut und musste mich irgendwann entscheiden." Bis dahin war der Isländer ein talentierter Fußballtorwart und absolvierte sogar ein Probetraining beim englischen Topklub Aston Villa. „Den Ausschlag haben letztlich meine Freunde gemacht, die fast alle Handball gespielt haben", begründet der heutige Weltklasse-Kreisläufer seine Entscheidung. Gylfi hingegen wählte die andere Option. „Ich stand früher im Tor, war auch nicht allzu schlecht. Ich habe mich dann aber doch für den Fußball entschieden", lacht der Rechtsfuß, der in der noch jungen Bundesliga-Saison schon zwei Freistoß-Treffer verbuchen konnte.

Durch den Fußballsport zog es Gylfi schon früh nach England zum FC Reading, wo er die Jugend-Akademie durchlief und 2007 seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Nicht nur seine fußballerischen Fähigkeiten entwickelte er dort weiter, auch die englische Sprache erlernte er schnell, so dass bei seinen Interviews häufig der Eindruck entsteht, er habe sein halbes Leben auf der Insel verbracht. Mit der hiesigen Landessprache macht er bereits erste Fortschritte, auch wenn es noch Zeit braucht, bis seine Deutschkenntnisse an die des englischen heranreichen: „Wir verstehen die Sprache relativ schnell. Es dauert bei dem einen oder anderen etwas länger, bis er es sich zutraut deutsch zu sprechen. Aber ich denke, nach einem Jahr ist es schon ganz gut", macht Gudjón seinem Landsmann Mut. Etwas Zeit hat Hoffenheims Neuzugang noch, bis die ersten Interviews auf Deutsch auf ihn warten. Doch bange ist Gylfi nicht. „Ich verstehe schon einiges. Mit dem Reden klappt es zwar noch nicht so gut, aber ich lerne intensiv." Einige Wörter hat er sich schon von seinen Teamkameraden abgeschaut. „danke, hallo oder guten Morgen - diese Wörter kenne ich alle schon. Es kommen Tag für Tag neue hinzu." Das Wort „Heimsieg" kann er hoffentlich nach der heutigen Partie gegen Hannover 96 seinem Wortschatz hinzufügen.

Das Video zum Treffen der isländischen Sportlergrößen gibt es exklusiv auf achtzehn99 tv.

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