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FRAUEN
21.10.2010

Depp oder Held

Es ist die 30. Minute im Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und dem 1. FC Köln. Die Rheinländerinnen schlagen eine Ecke vor das Tor, aus kürzester Distanz pariert Kristina Kober zwei Mal innerhalb weniger Sekunden. Sie ist der Rückhalt beim Aufsteiger. In neun Spielen musste Kober das Leder erst acht Mal aus dem Netz fischen, darunter waren zwei Elfmeter.

Die 21-Jährige spielt mit Köpfchen, ist technisch beschlagen und hat keine Scheu davor, sich den Gegnerinnen entgegen zu schmeißen, wenn diese sie überlisten wollen. Kurzum: Kober bringt alles mit, was eine gute Torhüterin ausmacht. Sie hat die innere Ruhe, die auf die Mannschaft ausstrahlt und das Verrücktsein fehlt ihr auch nicht. „Ein Torwart muss auch etwas verrückt sein", sagte bereits Uwe Kamps, der zwischen 1982 und 2004 das Tor der Gladbacher Borussia hütete. Diese Aussage bestätigt auch Kober selbst: „Man muss schon etwas verrückt sein, wenn man sich ins Tor stellt. Wenn die Feldspieler mit den Füßen voraus gehen, müssen wir quasi mit dem Kopf entgegen springen". Ein Torwart ist auf dem Feld eben doch was Besonderes: „der Depp oder der Held" beschreibt Kober ihre Position.

„Es ist eine besondere Position, deshalb haben wohl auch viele ihre Macken, was beispielsweise Klamotten angeht", so Kamps, der heute Torwart-Trainer bei den „Fohlen" ist. In Sachen Klamotten sticht Kober auf dem Platz immer heraus. Ihre Trikotfarben wählt die Nummer eins so, dass sie auffällt: neongrün ist es diese Saison, im Aufstiegsjahr lief Kober in knallgelb auf. Dabei wären knallige Farben gar nicht notwendig. Denn mit ihren Paraden und Reaktionen sticht die gebürtige Karlsruherin ohnehin jedem ins Auge. Es stimmt, dass sie in dieser, wie auch in der vergangenen Spielzeit nicht allzu viel zu tun bekam - die zehn Spielerinnen vor ihr machen das möglich. In 13 Monaten musste die Mannschaft den Platz nur drei Mal als Verlierer verlassen. Wenn sich aber doch mal der eine oder andere Ball vor das Hoffenheimer Tor verirrt, schmeißt sich Kober vor ihre Gegnerin, pflückt die Kugel aus der Luft und hält das Gehäuse fast immer sauber. 17 Gegentore in 18 Spielen in der Regionalligasaison bestätigen das genauso wie die erst acht Gegentreffer in der zweiten Liga.

Mit ihren 21 Jahren befindet sich Kober in der Blütezeit ihrer Karriere, zählt mit ihrem Alter aber auch schon zu den erfahrensten Spielerinnen bei 1899 Hoffenheim. Nur Susanne Hartel und Theresa Betz sind älter (Jahrgang 88). Mit dem Vereinsfußball hat Kober 1993 bei der SG Daxlanden, in der Nähe von Karlsruhe, begonnen, ihre ersten fußballerischen Schritte machte sie schon früher im Kreise ihrer Familie, mit der sie regelmäßig auf diversen Sportplätzen unterwegs war. Von 2002 bis 2005 spielte Kober, die am EC Europa Campus Mannheim studiert, bei Post-Südstadt Karlsruhe, bevor sie 2007 in die Bundesliga zum SC Freiburg wechselte und dort ein Sportinternat besuchte. In der ersten Mannschaft, die damals noch in der ersten Bundesliga spielte, kam Kober nur sporadisch zum Einsatz, meist stand sie im Kasten der Bundesligareserve. Neben der Studiumsplatzzusage aus Mannheim war auch das ein Grund, warum Hoffenheims Nummer eins zur Saison 2009/2010 zu 1899 wechselte. „In Freiburg bin ich nie wirklich zum Einsatz gekommen. In sportlicher Hinsicht war der Wechsel eine gute Entscheidung", sagt Kober.

In der zweiten Liga sind Kober und ihr Team bereits angekommen. Mit 20 Punkten aus neun Spielen liegt die von Coach Jürgen Ehrmann trainierte Elf auf Platz drei. Nur die Aufstiegsfavoriten aus Freiburg und Köln stehen noch besser da. Doch das ist vorerst auch nicht weiter schlimm. Denn laut Kober will sich die Mannschaft erstmal „in der 2. Liga etablieren und erfolgreich Fußball spielen". Bei vier Mal 2,5 Stunden Training in der Woche hat Kober genug Zeit, auch ihre persönlichen Ziele zu erreichen. „Ich möchte mich selbst weiter entwickeln und vor allen Dingen meine Schwächen verbessern". Und mit ein wenig Feinschliff an ihren ohnehin schon tollen Leistungen stellt sich die Frage nach Depp oder Held dann auch nicht mehr.

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